EU-Projekt soll die "Telekommunikation revolutionieren"
Ein Team europäischer Wissenschaftler hat die Einzelheiten seines Forschungsprojektes zu dreidimensionalen photonischen Kristallen veröffentlicht, die den Forschern zufolge in der Welt der Telekommunikation eine Revolution auslösen könnten. Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts "NewTon" wollen die Wissenschaftler bis Ende 2008 die ersten funktionstüchtigen Komponenten dieser Technologie entwickeln. Langfristiges Ziel ist der Einsatz dieser dreidimensionalen photonischen Kristalle als Konstruktionselemente in der Telekommunikation. Durch Licht, so die Forscher, könne wesentlich mehr Information transportiert werden als es bisher mit Hilfe von Elektrizität möglich war - aber genauso schnell. Aus diesem Grund werden beispielsweise Telefongespräche, Webseiten, Fotos oder Musik inzwischen immer häufiger durch Glasfaserleiter übertragen. Diese Technologie leidet derzeit allerdings noch an einer Schwachstelle an den "Netzknotenpunkten". An diesen Knotenpunkten wird die Steuerung der Information zum Endverbraucher immer noch elektrisch durchgeführt, weil es noch keinen wettbewerbsfähigen kompakten rein optischen Steuerungsprozessor gibt. Zur Lösung dieses Problems sind die NewTon-Forscher dabei, einen photonischen Kristall zu entwickeln, der in der Lage ist, abhängig vom Beobachtungswinkel nur ausgewählte Farben des weißen Lichts zu reflektieren. Dieses Phänomen ist aus der Natur bekannt: Auch die schillernde Farbenpracht von Schmetterlingsflügeln beruht auf den Eigenschaften photonischer Kristalle. "Ein strukturierter dreidimensionaler photonischer Kristall könnte die Schlüsselkomponente für einen kompakten optischen Halbleiter oder sogar für einen rein optischen Steuerungsprozessor sein", so die Meinung von Dr. Reinhold Leyrer, einem der Projektpartner. "Die Umwandlung optischer Signale in elektrische Signale wäre dann überflüssig." Doch dazu müssen die Wissenschaftler erst einen stabilen, strukturierten dreidimensionalen photonischen Kristall entwickeln. Und genau das ist das Ziel des EU-Projekts "NewTon". Besonders die Hersteller von Bauteilen für Telekommunikationssysteme würden vom Einsatz der photonischen Kristalle profitieren. Da die Kristalle kleiner sind als elektronische Bauteile, würden auch die Geräte immer kleiner und kostengünstiger werden - bei einer gleichzeitig höheren Leistung. Außerdem wären Bauteile und Geräte, die auf photonischen Kristallen aufbauen, widerstandsfähiger und weniger anfällig für elektromagnetische Strahlung. Die Forschungsarbeiten im Rahmen des Projekts "NewTon" legen sozusagen den Grundstein für die nächste Generation der Kommunikationstechnologie, die vollständig auf Informationsübertragung mit Hilfe von Lichtwellen basiert.