Startschuss für Europäischen Qualifikationsrahmen in Portugal
Der europäische Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Jugend Ján Figel' gab auf einer Bildungskonferenz in Lissabon, Portugal, den offiziellen Startschuss für den "Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) für lebenslanges Lernen". Das neue System soll es Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen in ganz Europa leichter machen, die ihnen vorgelegten Qualifikationsnachweise zu verstehen und zu vergleichen. Die Kommission hofft, dass der EQF die Arbeitnehmermobilität fördern und lebenslanges Lernen vereinfachen wird. Beides ist unerlässlich, wenn Europa mehr und bessere Arbeitsplätze sowie Wachstum schaffen und eine wirklich wissensgestützte Wirtschaft werden will. Das Kernstück des Systems bilden acht Referenzniveaus. Sie decken alle Stufen der Bildung ab, von den elementarsten bis zu den höchsten Qualifikationen. Diese Niveaus beschreiben, was die Lernenden wissen, verstehen und beherrschen. Es findet also eine Abkehr vom Lerninput (wie Dauer des Kurses oder Art der Einrichtung) und stattdessen eine Hinwendung zum Lernergebnis statt. Die Niveaus können auf alle Arten der Bildung - etwa Erwachsenenbildung, Berufsbildung und Hochschulbildung - angewandt werden. Die Niveaus 5 bis 8 des EQF sind an den Qualifikationsrahmen für Hochschulbildung des Bologna-Prozesses angepasst. Das EQF-Niveau 5 entspricht dem kurzen Hochschulzyklus, Niveau 6 dem Bachelorgrad, Niveau 7 dem Masterstudienabschluss und Niveau 8 dem Doktorat. "Der EQR wird die unterschiedlichen Qualifikationen in den europäischen Ländern leichter verständlich machen und so die Mobilität zu (Aus)Bildungs- und Arbeitszwecken fördern", so Figel'. "Weil durch den EQR u. a. die Anerkennung von Lernleistungen leichter wird, dürfte er das lebenslange Lernen innerhalb der kommenden Jahre attraktiver machen." Figel' zufolge stoßen viele Menschen derzeit auf Schwierigkeiten, wenn sie in ein anderes Land ziehen, um dort zu lernen oder zu arbeiten, oder wenn sie von der beruflichen in die höhere Bildung wechseln. Der EQF ist ein freiwilliger Rahmen. Daher gibt es kein offizielles Datum, bis zu dem die Länder das System umgesetzt haben müssen. Einige Länder wie Irland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Malta haben bereits nationale Qualifikationsrahmen (National Qualification Frameworks - NQR) eingeführt, um den EQR umzusetzen, und viele weitere Länder entwickeln gerade solche nationalen Rahmen. Man hofft jedoch, dass die Mitgliedstaaten ihre nationalen Qualifikationssysteme bis 2010 an den EQR koppeln und dass Zeugnisse und Diplome ab 2012 einen EQR-Verweis enthalten. Das Europäische Parlament billigte den Kommissionsvorschlag zum EQR offiziell im Oktober. Der Rat erzielte dann am 15. November eine politische Einigung. Der EQR dürfte Anfang 2008 formal angenommen werden.