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"No quality without equality" - ein neuer Bericht über Frauen in der Wissenschaft

"Ohne Gleichstellung kann es keine Qualität geben." Dies ist eine der zentralen Botschaften des jüngsten Berichts über die Präsenz (oder das Fehlen) von Frauen in wissenschaftlichen Entscheidungsgremien. Der Bericht mit dem Titel "Mapping the maze: getting more women to the ...

"Ohne Gleichstellung kann es keine Qualität geben." Dies ist eine der zentralen Botschaften des jüngsten Berichts über die Präsenz (oder das Fehlen) von Frauen in wissenschaftlichen Entscheidungsgremien. Der Bericht mit dem Titel "Mapping the maze: getting more women to the top in research" wurde von der europäischen Expertengruppe Women in Research Decision-Making (WIRDEM) zusammengestellt. Die Experten hatten den Auftrag, die Verfahren für die Bewertung und Beförderung von Forschungspersonal zu untersuchen und die zur Beförderung von Frauen in höhere Positionen getroffenen Maßnahmen festzustellen. Weiterhin sollten sie auch herausfinden, welche Maßnahmen sich als erfolgreich herausgestellt haben und die Gründe dafür analysieren. Weiterhin sollten sie Empfehlungen für die Verbesserung der Situation aussprechen. In ihrem Beitrag in einer Diskussionsrunde zu dem Bericht, die von der Europäischen Plattform für weibliche Wissenschaftler in Brüssel, Belgien, veranstaltet wurde, fasste die Vorsitzende von WIRDEM, Maya Widmer, die Ergebnisse der Gruppe zusammen. "Alle Daten weisen ganz klar darauf hin, dass Frauen in Führungspositionen in der Forschung unterrepräsentiert sind", sagte sie und hob hervor, dass derzeit nur rund 15% der Universitätsprofessuren an europäischen Universitäten mit Frauen besetzt sind. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe. Einer davon ist die "gläserne Decke". Obwohl immer mehr Frauen über einen Promotionsabschluss verfügen, haben Männer immer noch die besseren Chancen, Spitzenpositionen in der Forschung zu erreichen. Und selbst wenn es Frauen geschafft haben, die Forschungskarriereleiter zu erklimmen, ist es immer noch wahrscheinlich, dass sie weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen auf derselben Ebene. Ein weiteres Problem ist, dass Frauen in wissenschaftlichen Entscheidungsgremien immer untervertreten sind. Der Statistik zu Frauen in den Wissenschaften in Europa "She Figures" zufolge beträgt der Anteil an weiblichen Mitgliedern in wissenschaftlichen Gremien nur in sechs Ländern 25% (in Dänemark, Frankreich, Finnland, Schweden, dem Vereinigten Königreich und Norwegen). In anderen Ländern liegt der Frauenanteil in den Gremien zwischen 7% und 20%. Diese Zahl sinkt noch weiter, wenn ausschließlich Gremien berücksichtigt werden, in denen die wichtigsten Entscheidungen getroffen werden. Im schlimmsten Fall sind diese ausschließlich von Männern besetzt. Ein Beispiel ist Estland, wo in zwei der einflussreichsten Entscheidungsgremien für Forschungspolitik des Landes keine weiblichen Mitglieder zu finden sind. Ein großes Hindernis dabei ist, dass man sich der Existenz dieses Problems kaum oder nicht bewusst ist. In diesem Sinn fordert die erste Empfehlung von WIRDEM dazu auf, sich für die Gleichstellung der Geschlechter in der Europäischen Union stark einzusetzen. In der Zwischenzeit "müssen nationale Regierungen sicherstellen, dass die Verpflichtungen für Gleichstellung auf hoher Ebene in der Wissenschaftsgemeinschaft bekannt werden und durchgesetzt werden". Die Wissenschaftler empfehlen weiter, dass Regierungen auch dabei helfen sollten, die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft zu stärken, indem sie Netzwerke unterstützen, das öffentliche Bewusstsein für Geschlechterfragen erweitern und öffentlichkeitswirksame Preise für weibliche Wissenschafter ausloben. Weitere Empfehlungen betreffen den Mangel an weiblichen Mitgliedern in Entscheidungsgremien. Hier schlagen die Experten vor, ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern (30 bis 40%) zu schaffen, das bei der Entscheidungsfindung obligatorisch ist. Die Experten sprechen auch an, dass männliche und weibliche Wissenschaftler gleichermaßen die Möglichkeit erhalten sollten, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben zu schaffen und zu erhalten. Das soll über praktische Maßnahmen wie zum Beispiel Kinderbetreuung und durch Änderung des negativen Bildes arbeitender Mütter erreicht werden. Auch die aktive Vaterschaft soll gefördert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Geschlechterforschung ist die Datensammlung und WIRDEM ermuntert sowohl die Europäische Union als auch nationale Regierungen dazu, detaillierte Informationen über Frauen in der Wissenschaft zu sammeln. Es empfiehlt auch, dass die Wissenschaftsgemeinde die Kosten für den Mangel an Frauen in der Wissenschaft kalkulieren sollte. Zu diesem Thema wurde bislang kaum gearbeitet. "Das Risiko liegt auf der Hand, dass europäische Wissenschaften zurückfallen könnten", schließt der Bericht. "Der Europäische Forschungsraum braucht Frauen und junge Menschen. Deshalb müssen wir jetzt etwas unternehmen."

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