Eine Flugpanne: Weshalb Zugvögel aus Asien in Europa stranden
Viele Vogelarten ziehen in andere Teile der Erde, um Nahrung und einen sicheren Brutplatz zu finden. Allerdings verirren sich manche Arten auf ihrem Weg. Laut einer Studie, die eine Forschergruppe von der deutschen Universität Marburg, der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) durchgeführt hat, verirren sich Vögel aufgrund eines Fehlers des genetischen Zugprogramms. Die Erkenntnisse wurden im Journal of Ornithology veröffentlicht. Die Forschergruppe untersuchte bei 38 Zugvogelarten die Körpermasse, die Flügellänge, die Größe des Brutgebietes, die Distanz zwischen dem Brut- und Überwinterungsgebiet sowie die Distanz zwischen dem Brutgebiet und Mitteleuropa. Ihr Arbeit umfasste die Bewertung von Berichten über asiatische Vögel aus der Familie der Drosseln (Zoothera) und aus der Familie der Laubsänger (Phylloscopus), die sich nach Europa verirrt hatten. In Widerspruch zu bisherigen Annahmen entdeckten die Forscher, dass diese Wandervögel sich nicht in der Entfernung irrten, die sie fliegen mussten. Sie stellten fest, dass die Entfernung zwischen den Brutrevieren im nördlichen Sibirien und den Überwinterungsquartieren im südlichen Asien häufig der Entfernung nach Europa gleicht, wo die Vögel schließlich landen. Umso mehr sich diese Entfernungen ähneln und umso mehr Exemplare es von einer bestimmten Art gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich ein solcher Vogel nach Europa verirrt, fanden die Wissenschaftler heraus. Körpergröße und ungünstige Wetterverhältnisse wurden auch als Gründe dafür angenommen, dass Wandervögel vom Kurs abkommen. Allerdings sagen die Forscher, dass es mehr Fälle von verirrten kleineren Wandervögeln im Vergleich zu größeren Arten geben müsste, wenn diese Annahme zutreffen würde. Also warum gibt es diese Irrgäste? Flugrichtung und Flugdauer werden von Generation zu Generation weiter vererbt. Der Vogelzug ist damit das Ergebnis eines genetischen Programms, mit dem sich Vogelpopulationen auf die Umweltverhältnisse eingestellt haben. Innerhalb weniger Generationen können sich die Zugvögel aber an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Ihre Gene sorgen für die sogenannte Zugunruhe, die die meisten von ihnen über Tausende Kilometer in die Überwinterungsquartiere führt. Trotzdem war es lange Zeit ein Rätsel, weshalb sich einzelne Exemplare von bestimmten Arten immer wieder verirrten. "Dort kommt es einfach zu Fehlern im Ablauf des genetischen Programms, die dazu führen, dass der Vogel sozusagen statt nach rechts nach links abbiegt", erklärt Robert Pfeifer, Generalsekretär der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. "Die Irrgäste sind mit Geisterfahrern auf der interkontinentalen Zugvogelautobahn vergleichbar." Robert Pfeifer fügt hinzu, dass es für die meisten Tiere eine Reise ohne Wiederkehr ist. Es gibt zwar Hinweise, dass einzelne Vögel versuchen, in Südeuropa zu überwintern, aber die Rückwanderung nach Asien schafft wohl keiner von ihnen", sagt er. Die Vögel, die in Mitteleuropa landen, sind in Asien genauso weit verbreitet wie ihre europäischen Verwandten, die Weidenlaubsänger (Phylloscopus collybita). "Je mehr Exemplare es von einer Art gibt umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter ein 'Fehlprogrammierter' befindet, der sich dann verirrt", erklärt Dr. Jutta Stadler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Sie fliegen die Strecke nicht in die übliche, sondern in entgegengesetzter Richtung und kommen so in Europa an. Deswegen haben wir hier relativ viele Irrgäste aus Asien." Als Quelle dienten den Forschern die im "Handbuch der Vögel Mitteleuropas" aufgelisteten und damit gut abgesicherten Nachweise seit dem Beginn der ornithologischen Aufzeichnungen bis Anfang der 1990er Jahre.
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