Hilfe in Sicht für Morbus-Crohn-Kranke
Ein internationales Forscherteam hat 21 neue genetische Risikofaktoren für die Crohnsche Krankheit festgestellt, wodurch die Zahl der mit dieser Krankheit verbundenen Gene auf 32 steigt. Diese Erkenntnisse könnten Forschern eines Tages bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden helfen. Morbus Crohn betrifft fast eine halbe Million Menschen in Europa und noch weit mehr rund um den Globus. Diese chronische Darmentzündung ist bislang noch nicht heilbar und ihre genaue Ursache immer noch unbekannt. Zu den Symptomen gehören Leibschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen, Gewichtsverlust oder auch Gewichtszunahme. Unter den Medizinern wird diese Krankheit weitgehend als eine Autoimmunerkrankung betrachtet und mit genetischen Ursachen in Verbindung gebracht, obwohl Raucher eher an Morbus Crohn erkranken können als Nichtraucher. "Wir kennen jetzt mehr als 30 Genabschnitte, die die Anfälligkeit für Morbus Crohn beeinflussen", kommentierte Dr. Jeffrey Barrett vom Wellcome Trust Centre for Human Genetics an der Universität Oxford und Leitautor der Studie. "Dies erklärt nur rund ein Fünftel des genetischen Risikos und impliziert, dass Hunderte Gene an dieser Krankheit beteiligt sein könnten und jedes in geringem Maße zur Anfälligkeit beiträgt", führte er weiter aus. Das internationale Gemeinschaftsunternehmen bestand aus drei unabhängigen Forscherteams: ein Team in Nordamerika, mit sechs Einrichtungen und klinischen Standorten, ein Team aus dem Vereinigten Königreich, das vom Wellcome Trust unterstützt wird, und eine Gruppe französischer und belgischer Forscher. Die Ergebnisse ihrer Forschung sind in der Zeitschrift Nature Genetics nachzulesen. Die drei Teams konnten ihre Daten im "Meta-Analyse" genannten Verfahren miteinander kombinieren. Dieses ermöglicht einen Datenvergleich von mehr als 3.200 Morbus-Crohn-Patienten mit mehr als 4.800 Kontrollen. Dieser wurde durch eine Analyse neuer Daten von weiteren 3.700 Patienten und passende Kontrollen ergänzt. Ihre Entdeckung deckt die genetischen Ursachen hinter dieser Krankheit auf und unterstützt die Forscher bei der Entwicklung neuer Therapieformen, die den Betroffenen helfen könnten. "Hiermit erweitern wir unser Wissen über die genetische Architektur von Morbus Crohn erheblich. Auch erhalten wir einen detaillierteren Einblick in die biologischen Ursachen dieser Krankheit", sagt Mark Daly vom Center for Human Genetic Research des Massachusetts General Hospital (MGH) und dem Broad Institute des MIT und Harvard. "Ein besseres Verständnis der genauen Funktionsweise dieser Gene und der molekularen Effekte von mit Morbus Crohn assoziierten Varianten sollte uns zu neuartigen Strategien für Therapien und vielleicht auch eines Tages zur Prävention führen."