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EU-Wissenschaftler entwickeln krebsbekämpfende violette Tomaten

Wissenschaftler aus Großbritannien, Italien, Deutschland und den Niederlanden nutzten die Gene des Löwenmäulchens, um violette Tomaten mit einem hohen Anteil an Anthocyan-Flavonoiden zu züchten. Die neuen Tomaten könnten einen erhöhten Schutz vor verschiedenen Krankheiten biet...

Wissenschaftler aus Großbritannien, Italien, Deutschland und den Niederlanden nutzten die Gene des Löwenmäulchens, um violette Tomaten mit einem hohen Anteil an Anthocyan-Flavonoiden zu züchten. Die neuen Tomaten könnten einen erhöhten Schutz vor verschiedenen Krankheiten bieten, wie beispielsweise Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die über das Fünfte und Sechste Rahmenprogramm (RP5 und RP6) der EU finanzierte Forschungsarbeit wurde am 26. Oktober über das Wissenschaftsmagazin Nature Biotechnology online veröffentlicht. Anthocyane gelten als eine Art der Flavonoide. Diese leistungsstarken Antioxidantien finden sich in hohen Konzentrationen in violetten Pflanzen, wie schwarzen Himbeeren, Cranberrys, Kirschen, Auberginenschalen, Rotwein und violetten Blütenblättern, und besitzen nachweislich eine tumor- und entzündungshemmende Wirkung. Tomaten besitzen bereits einen hohen Anteil des Antioxidants Lycopin. Das Kochen der Tomaten in etwas Öl unterstützt die Freisetzung des Lycopins aus den Zellen. Eine Steigerung der Konzentration an wasserlöslichen Flavonoiden wäre nicht allein aufgrund der einzelnen Eigenschaften von Vorteil, sondern sorgt durch die Kombination aus wasserlöslichen und fettgelösten Antioxidantien in den Lebensmitteln für eine erhöhten Schutz vor Krankheiten Die erst kürzlich veröffentlichte Studie unter der Leitung von Professor Cathie Martin vom John Innes Centre in Großbritannien brachte hervor, dass durch Expression der Gene, die beim Löwenmäulchen für die Bildung von Anthocyanen sorgen, der Anthocyan-Gehalt in den Tomaten verdreifacht werden kann. Somit stieg die entsprechende Konzentration auf die für Brombeeren und Blaubeeren typischen Werte und es zeigte sich eine erhebliche Verbesserung gegenüber früheren Versuchen, Tomaten mit einem hohen Anthocyan-Gehalt zu züchten. Darüber hinaus nahmen die entwickelten Tomaten eine tief violette Färbung an. Im nächsten Schritt musste getestet werden, ob die neuen Tomaten biologische Vorteile besitzen. Dazu untersuchten die Forscher krebsanfällige Mäuse und fanden heraus, dass diejenigen, deren Nahrung durch die Anthocyan-haltigen Tomaten ergänzt wurde, eine bedeutend höhere Lebenserwartung besaßen als die Mäuse, die mit herkömmlichen roten Tomaten gefüttert wurden. "Hierbei handelt es sich um eines der ersten Beispiele für Stoffwechselprozesse, die über das Potenzial verfügen, die Gesundheit über die Ernährung zu unterstützen, indem die Auswirkungen chronischer Krankheiten vermindert werden", sagte Professor Martin. "Und sicherlich erleben wir hier auch das erste Beispiel eines genetisch modifizierten Organismus mit einer Eigenschaft, die wahrhaft für alle Verbraucher einen möglichen Vorteil bietet. Als nächstes müssen die präklinischen Daten auf die Studien am Menschen übertragen werden. Dazu kommen freiwillige Versuchspersonen zum Einsatz, an denen wir testen, ob die Gesundheit durch vorbeugende medizinische Ernährungsstrategien unterstützt werden kann." Flavonoide, die in zahlreichen Pflanzen vorkommen und einen Bestandteil der Nahrung des Menschen darstellen, wurden bereits zahlreichen Untersuchungen unterzogen, um herauszufinden, wie diese die Körperreaktionen auf Karzinogene, Viren und Allergene beeinflussen. Zudem konnte ihnen bereits eine schützende Wirkung vor Herzerkrankungen nachgewiesen werden. Anthocyane bilden eine Klasse der Flavonoide und kommen in hohen Konzentrationen in violetten Pflanzen vor. Jüngste Studien der Anthocyane in schwarzen Himbeeren konnten eine tumor- und entzündungshemmende Wirkung belegen. Aus diesem Grund ist die Studie der Anthocyane sowohl für Lebensmittelhersteller als auch für die Pharmaindustrie von größtem Interesse. Die Forschungsarbeiten erhielten im Rahmen der Projekte ProFood (RP5) und Flora (RP6) Unterstützung durch die EU. Diese beiden Projekte konzentrierten sich auf Flavonoide und deren Beitrag zur ernährungsbezogenen Gesundheitsförderung. Dabei war das Anthocyan von besonderem Interesse, da der Gehalt dieses Flavonoids in den meisten häufig gegessenen Obst- und Gemüsesorten nicht ausreichend hoch ist, um optimale Vorteile zu erzielen. Im Rahmen des ProFood-Projekts sollten Tomatenpflanzen mit einem erhöhten Flavonoid-Gehalt gezüchtet und die so gewonnenen Erkenntnisse auf verschiedene andere Kulturpflanzen übertragen werden. Aktuelle Forschungsarbeiten haben ergeben, dass durch den Verzehr relativ geringer Flavonoid-Mengen Vorteile erzielt werden können, wohingegen die Verabreichung großer Mengen einer derartigen Nahrungsergänzung strittig ist und gewisse Risiken bergen könnte.

Länder

Deutschland, Italien, Niederlande

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