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Inhalt archiviert am 2023-03-06

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Auf der Spur des Placeboeffekts

Ein deutsches Forschungsteam hat nachgewiesen, dass alte neurale Pfade im menschlichen Hirnstamm am Placeboeffekt beteiligt sind. Dieses bekannte medizinische Phänomen tritt auf, wenn ein Patient nach Einnahme eines seiner Meinung nach wirksamen Schmerzmedikaments, das in Wirk...

Ein deutsches Forschungsteam hat nachgewiesen, dass alte neurale Pfade im menschlichen Hirnstamm am Placeboeffekt beteiligt sind. Dieses bekannte medizinische Phänomen tritt auf, wenn ein Patient nach Einnahme eines seiner Meinung nach wirksamen Schmerzmedikaments, das in Wirklichkeit aber unwirksam ist, keinen Schmerz mehr verspürt. Die in der Fachzeitschrift Neuron veröffentlichten Forschungsergebnisse legen interessante Beweise über das Funktionieren des Placeboeffekts und zu der Frage, warum die Erwartung, dass ein Medikament einen Schmerz stillen wird, dieses Empfinden real werden lässt, vor. Man nimmt an, dass der Placeboeffekt darauf beruht, dass der Mensch, der die Substanz einnimmt, daran glaubt, dass diese auch schmerzstillend wirken wird. Doch wie das genau funktioniert, wurde bisher nicht vollständig erklärt. Das Gehirn produziert körpereigene Opioide, die eine wichtige Rolle bei der Schmerz- und Angstbewältigung spielen. Diese Substanzen sind auch am Placeboeffekt beteiligt. Untersuchungen des Gehirns mit bildgebenden Verfahren zeigten, dass das Gefühl des "schmerzstillenden Placebos" die Produktion körpereigener Opioide in den Hirnregionen, die mit der Schmerzlinderung zusammenhängen, anregt. Dieses Gefühl steht auch mit einem Rückgang der Schmerzsignale in Zusammenhang. "Man ging davon aus, dass die durch ein Placebo erzielte Schmerzfreiheit auch das absteigende opioiderge Schmerzregulierungssystem einbezieht, welches die Verarbeitung des Schmerzsignals im Rückenmark verhindert und folglich Reaktionen des Gehirns auf den Schmerz reduziert. Und das führt zu einem verringerten Schmerzerlebnis", erklärte Falk Eippert, Forschungsleiter am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland. Das Team verwendete äußerst aufwendige Bildgebungsverfahren, um Reaktionen des oberen kortikalen und unteren Hirnstamms bei zwei Probandengruppen zu untersuchen. Eine Gruppe erhielt Naloxon, eine Substanz, die die Signalgebung der Opioide blockiert, die andere erhielt eine einfache Salzlösung. Beiden Gruppen wurde mitgeteilt, dass ihnen schmerzstillende Mittel verabreicht wurden. Die Forscher fanden heraus, dass Naloxon den Placeboeffekt sowie die durch den Placeboeffekt reduzierte Schmerzreaktion des Gehirns senkte. Sie fanden auch heraus, dass in der Placebogruppe kortikale Bereiche mit Strukturen des Hirnstamms zusammenarbeiten, die an der Schmerzregulierung beteiligt sind. Diese Wechselwirkungen hingen von den körpereigenen Opioiden ab und wurden mit der Stärke des empfundenen Placeboeffekts in Zusammenhang gebracht. "Insgesamt zeigen unsere Erkenntnisse, dass Opioidsignalgebung in schmerzlindernden Bereichen und die Projektionen auf nachgelagerte Effektoren des absteigenden Schmerzregulierungssystems für den Placeboeffekt verantwortlich sind", sagte Dr. Eippert. "Interessant ist auch, ob die opioidabhängige Aktivierung des absteigenden Schmerzregulierungssystems verschiedenen Formen der Schmerzlinderung wie etwa Hypnose oder Ablenkung gemeinsam ist, die ja auch einige gemeinsame neuroanatomische Merkmale haben."

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