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Neue genetische Risikofaktoren für Herzerkrankungen entdeckt

Eine internationale Forschergruppe hat 95 genetische Varianten entdeckt, die mit hohen Cholesterin- und der Triglyceridwerten im Zusammenhang stehen, also mit wichtigen Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit. Die Studie, die in der Zeitschrift Nature veröffentlicht und ...

Eine internationale Forschergruppe hat 95 genetische Varianten entdeckt, die mit hohen Cholesterin- und der Triglyceridwerten im Zusammenhang stehen, also mit wichtigen Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit. Die Studie, die in der Zeitschrift Nature veröffentlicht und zum Teil von der EU finanziert wurde, könnte zu neuen Wegen zur Prävention und Behandlung von Herzerkrankungen führen. Die koronare Herzkrankheit ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Abnorme Werte von Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin (LDL-C bzw. "schlechtes" Cholesterin), HDL-Cholesterin (high-density lipoprotein cholesterol) und Triglyzeriden sind die bekannten Hauptrisikofaktoren für Herzerkrankungen und stellen wichtige Ansatzpunkte für Arzneimittel dar. In ihrem Artikel beschreiben die Wissenschaftler ihre genomweite Assoziationsstudie Studie (GWAS), in deren Rahmen sie die Genome von 100.000 Menschen europäischer Abstammung gescannt und nach Veränderungen im genetischen Material im Zusammenhang mit abweichenden Lipidwerten gesucht haben. "Obwohl die Blutkonzentrationen von Cholesterin und Triglyceriden schon lange zu den bekannten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen zählen, war es sehr schwer zu enträtseln, inwieweit die Genetik zu diesen Konzentrationen beiträgt und wie Veränderungen bei den zugrunde liegenden Genen zur Entwicklung von Krankheiten führen", erklärte Dr. Sekar Kathiresan vom Massachusetts General Hospital in den USA. Entdeckt wurden bei den Analysen 95 genetische Varianten, von denen 59 bisher unbekannt waren. Den Forschern zufolge "erklären die 95 Varianten zusammengenommen 10% bis 12% der gesamten Varianz (das entspricht 25% - 30% der genetischen Varianz". Viele der Varianten befinden sich in Genen, von denen man weiß, dass sie mit Blutfettwerten und Herzkrankheit in Verbindung stehen. "Bei genauerer Untersuchung der Genloci haben wir sogar Genvarianten gefunden, von denen wir wissen, dass sie einen molekularen Ansatzpunkt für cholesterinsenkende Medikamente bieten", erklärte Professor Thomas Meitinger vom Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Die Wissenschaftler scannten auch die Genome von Tausenden von Menschen ostasiatischer, südasiatischer und afroamerikanischer Abstammung. Aus dieser Untersuchung folgte, dass die meisten Varianten verschiedenen ethnischen Gruppen gemeinsam sind. "Die neuen Erkenntnisse führen uns zu spezifischen genetischen Wegweisern, durch die wir besser verstehen können, warum viele Menschen aus allen Lebensbereichen abnorme Werte für Cholesterin und andere Blutfette haben, die zu Herzerkrankungen führen", sagte Christopher O'Donnell von den National Institutes of Health (NIH) in den USA. "Wirklich aufregend an dieser Arbeit ist, dass wir uns von der Entdeckung weg- und zum Verständnis brandneuer Informationen darüber hinbewegen, wie Gene die Lipide verändern, die zu Herzkrankheiten beitragen." Die Studie liefert nicht nur Aufschluss über die genetischen Ursachen abnormer Lipidwerte und dadurch auch über das Risiko für Herzerkrankungen. Sie validiert auch die Verwendung genomweiter Assoziationsstudien mit einer immer größeren Anzahl Menschen. Frühere Studien zu den genetischen Faktoren für hohe Blutfettwerte umfassten 20.000 Menschen und von verschiedener Seite wurde angenommen, dass die Durchführung größerer Studien keine neuen Varianten aufdecken würde oder lediglich Varianten, deren Effekt zu klein ist, als dass sie aus biologischer oder klinischer Sicht von Bedeutung sein könnten. "Häufig wird argumentiert, dass große Metaanalysen mit mehr als 100.000 Probanden für die Biologie komplexer Erkrankungen wenig Aussagekraft besitzen", sagte Professor H.-Erich Wichmann vom Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. "Unsere Studie widerlegt diese These eindrucksvoll. Einige der neu entdeckten Genloci besitzen vielmehr eine klare biologische und klinische Relevanz." Die EU unterstützte diese Arbeit durch mehrere Projekte: ENGAGE ("European network for genetic and genomic epidemiology") wird unter dem Thema "Gesundheit" des Siebten Rahmenprogramms (RP7) finanziert. GENIALE HYPERCARE ("Integrated genomics, clinical research and care in hypertension"), DIABESITY ("Novel molecular drug targets for obesity and type 2 diabetes") und EUROSPAN ("European special populations research network: quantifying and harnessing genetic variation for gene discovery") erhalten Finanzhilfen aus dem Themenbereich "Biowissenschaften, Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6). Das Projekt GENOMEUTWIN ("Genome-wide analyses of European twin and population cohorts to identify genes in common diseases") schließlich erhielt eine Förderung unter dem LIFE QUALITY-Programm ("Lebensqualität und Management lebender Ressourcen") des Fünften EU-Rahmenprogramms (RP5).

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