Wärmetoleranz bei Meeresschildkröten entdeckt
Die Klimaerwärmung könnte Meeresschildkröten künftig schwer zu schaffen machen, so die Befürchtungen mancher Forscher. Aber nicht alle Vertreter dieser Spezies müssen davon betroffen sein, wie eine neue Studie aus den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich nahe legt. Veröffentlicht im Fachblatt Proceedings of the Royal Society B zeigt die vom Europäischen Sozialfond finanzierte Studie, dass sich einige Meeresschildkröten an die wärmeren Temperaturen angepasst haben. Unter Leitung der Universität Exeter im Vereinigten Königreich untersuchten Forscher Grüne Meeresschildkröten (Chelonia mydas) auf Ascension Island, einem britischen Überseegebiet im Südatlantik. Wie sich herausstellte, waren Schildkröteneier, die auf einem wärmeren Strand abgelegt wurden, toleranter gegenüber höheren Temperaturen als die Eier ihrer Nachbarn, die wenige Kilometer entfernt in einem kühleren Sandstrand eingegraben wurden. Für die Studie bebrüteten die Forscher Eier von jedem der beiden Strände bei 32,5°C und bei 29°C im Inkubator und beobachteten das Ergebnis: ein Bruterfolg zeigte sich nur bei den Eiern des wärmeren Strands, nicht jedoch bei den anderen Eiern. "Damit wurde lokale Anpassung erstmals an Meeresschildkröten beobachtet", meint Studienleiter Dr. Jonathan Blount, "was umso bemerkenswerter ist, als zwischen den betreffenden Stränden nur 6 Kilometer liegen." Wie es im Bericht heißt, seien die Temperaturunterschiede auf die Sandfarbe der beiden Strände zurückzuführen: schwarzer Sand ist wärmer als weißer Sand. Um ihre Eier abzulegen, schwimmen Grüne Meeresschildkröten lange Strecken von der südamerikanischen Küste bis zu der kleinen Insel. Die meisten Schildkröten kehren dabei zum Strand ihrer Geburt zurück und können sich den dort herrschenden lokalen Bedingungen anpassen. "Wandernde Arten stellen Naturschützer vor besondere Aufgaben, da es schwierig ist, geeignete Schutzräume zu definieren", so die Autoren der Studie. "Da die lokale Anpassung durch Genfluss geschwächt und durch zeitlich variable Bedingungen gestört wird, wäre zu erwarten, dass die adaptive Differenzierung bei Arten, die durch sehr unterschiedliche Habitate wandern, relativ niedrig ist. Bei einigen wandernden Arten jedoch, die zur Eiablage an ihren Geburtsort zurückkehren, wurde die lokale Anpassung auf überraschend enge räumliche Skalen eingegrenzt (z.B. bei Fischen). Meeresschildkröten sind bekannt für die langen Strecken, die sie für ihre Eiablage am Geburtsstrand zurücklegen. Damit gehören sie zu den so genannten Flaggschiffarten, mit denen für Naturschutz geworben wird." Die Forscher vermerken jedoch auch, dass jüngste Strukturanalysen der Brutpopulation und die Ausweisung von Managementeinheiten für diese Arten zumeist auf molekulargenetischen Ansätzen basieren. Zum Ausmaß adaptiver phänotypischer Variationen bei der Wärmetoleranz ist aber noch wenig bekannt. "Dies überrascht angesichts der Tatsache, dass Temperatur wesentlichen Einfluss auf Bruterfolg, Embryonalentwicklung und Geschlecht der Schildkröten hat, was Befürchtungen weckte, dass die globale Erwärmung negativ auf den Reproduktionserfolg wirkt", wie es heißt. Die Ergebnisse der Forscher legen nahe, dass sich die Nachkommen Grüner Meeresschildkröten auf Ascension Island in ihrer Wärmetoleranz an die unterschiedlichen Inkubationstemperaturen der dunklen und hellen, nur wenige Kilometer entfernten Sandstrände angepasst haben. An der Studie beteiligten sich Experten vom Zentrum für Verhaltensforschung und Neurowissenschaften der Universität Groningen, Niederlande, und der Ascension Island Turtle Group der Insel Ascension.Weitere Informationen finden Sie unter: University of Exeter: http://www.exeter.ac.uk/(öffnet in neuem Fenster) Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences: http://rspb.royalsocietypublishing.org/(öffnet in neuem Fenster)
Länder
Niederlande, Vereinigtes Königreich