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Enthüllung des unsäglichen Erbes der Kriegskinder

Dieses unter H2020 im Rahmen des Marie Skłodowska-Curie Innovative Training Network (ITN) geförderte Projekt unterstützt eine neue Generation von Forschern, um unser Wissen und Verständnis der gelebten Erfahrungen von im Krieg geborenen Kindern zu erweitern.

Gesellschaft

Kriegskinder, die von einheimischen Müttern geboren und von ausländischen Soldaten gezeugt wurden, bleiben ein wesentliches Hindernis für die erfolgreiche Integration in Gesellschaften nach einem Konflikt. Sie werden oft zu Opfern sozialer Belästigung, erhalten nicht die sozialen Vorteile wie andere Kinder von Alleinerziehenden und werden oft stigmatisiert und von ihren Gemeinschaften als „Kinder des Feindes“ und „Besatzungskinder“ ausgegrenzt. Das Phänomen ist nicht neu. Während die physischen und psychosozialen Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf Frauen und Kinder in Studienreihen dokumentiert wurden, fehlt es an Forschungsergebnissen und es gibt wenig historische Wertschätzung der Kriegsgewalt gegen Frauen und ebenso gegen im Krieg oder unter Besatzung geborene Kinder. Hier kommt das EU-finanzierten Projekt CHIBOW ins Spiel. Im Rahmen der 2015 gegründeten und von der EU geförderten Initiative wurde daran gearbeitet, diese komplexen Probleme zu erkunden und bestimmte Untergruppen von Kindern zu untersuchen, wobei eine breitere und umfassendere Wissensgrundlage entwickelt werden sollte.

Benötigte Interventionen

„Durch die Verknüpfung historischer und anthropologischer Kenntnisse mit psychologischen und psychotherapeutischen Ansätzen war diese Forschung sowohl original als auch innovativ“, sagt Sabine Lee, eine Professorin für moderne Geschichte an der Universität Birmingham. „Sie unterstützt direkt die Entwicklung von Strategien, die zu einer nachhaltigeren Lösung des Problems führen, Kinder, die von ausländischen Soldaten gezeugt wurden, bzw. von jenen, die das Ergebnis von Beziehungen oder geschlechtsspezifischer Gewalt mit Wurzeln im Krieg sind, in ihre Gemeinschaften vor Ort zu integrieren“, fährt sie fort. Diese Strategien umfassen gezielte Interventionen auf lokaler Ebene als Hilfe, Traumata im Zusammenhang mit Stigmatisierung und Identitätsproblemen zu vermeiden und gleichzeitig die negativen Auswirkungen der biologischen Herkunft der Kinder zu mildern, erklärt Prof. Lee, die CHIBOW koordiniert. In der Zwischenzeit haben die Projektmitarbeiter auch begonnen, mit politischen Entscheidungsträgern, Medien und Dienstleistern zusammenzuarbeiten, um die vorgeschlagenen Interventionen besser umsetzen zu können. Das internationale Ausbildung- und Forschungsnetzwerk CHIBOW umfasst ein Netzwerk aus rund 15 Wissenschaftlern von 11 akademischen Institutionen. Es arbeitet mit mehr als 20 internationalen Partnerorganisationen zusammen, wobei der Schwerpunkt auf Konflikten liegt, die vom Zweiten Weltkrieg über den Vietnamkrieg bis hin zu turbulenten Ereignissen im ehemaligen Jugoslawien, einschließlich Bosnien und Kosovo, reichen.

Trauma umwandeln

„Es ist der kooperative Ansatz von CHIBOW, der den Erfolg des Projekts und die Forschungsergebnisse verstärkt hat“, berichtet Prof. Lee. „Projekte werden fachübergreifend und über verschiedene Standorte und unterschiedliche Ebenen an Berufserfahrung unter Wissenschaftlern hinweg durchgeführt.“ Zu den vielversprechendsten zählt das Projekt „In the Name of Father“ (dt.: Im Namen des Vaters). In dieser spannenden Verschmelzung aus darstellender Kunst, politisch relevantem Theater und akademischer Forschung sind Kriegskinder als Künstler und als Protagonisten eingebunden. Indem sie in den Mittelpunkt treten, offenbaren sich die Darsteller und Protagonisten in ihren eigenen Worten und Aktionen und verwandeln so persönliche traumatische Erfahrungen in künstlerische Darbietungen, während sie gleichzeitig grundlegendes Wissen weitergeben. Weitere erfolgreiche Projekte, die zur Verbreitung wertvoller Informationen beigetragen haben, beinhalten einen Animationsfilm, in dem die Geschichte von Michiko erzählt wird, die im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg als Kind einer chinesischen Mutter und eines japanischen Vaters in China geboren wurde. Allein der Animationsfilm, der schwierige Themen rund um CHIBOW auf sensible, aber informative Art behandelt, hat seit seinem Debüt im Jahr 2018 ein großes Publikum aller Altersstufen angesprochen. Zurzeit wird ein Buch über die Ergebnisse von CHIBOW für die Veröffentlichung im Jahr 2020 vorbereitet. „Das alles wird über den laufenden Förderzeitraum hinausgehen und das Engagement fördern, um die Nachhaltigkeit der derzeit stattfindenden und für die Zukunft geplanten Verbreitung sicherzustellen“, so Prof. Lee abschließend.

Schlüsselbegriffe

CHIBOW, Kinder, Krieg, Kriegskinder, Trauma, ausländische Soldaten, Integration, bewaffneter Konflikt

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