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Climate Security with Local Authorities (CLISEL) From insecurity takers to security makers: mobilizing local authorities to secure the EU against the impacts of climate change in Third Countries

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Migration und Klimawandel in den Augen der Sarden

Die durch den Klimawandel verursachte Migration mag ein globales Problem darstellen, doch es gibt nur wenig Beweise dafür, dass ihre Folgen in erster Linie auf lokaler Ebene zu spüren sind und sein werden. Das Projekt CLISEL konzentrierte sich auf diesen lokalen Aspekt, um zu einer Kontextualisierung der Prozesse der Migration und des Klimawandels beizutragen.

Gesellschaft

Auch an Sardinien sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht spurlos vorbeigegangen. So sind in den letzten Jahrzehnten Überschwemmungen, Küstenerosion und zunehmende Wüstenbildung in Teilen der Insel zu einem wachsenden Problem geworden. Aber es gibt noch eine weitere Folge des Klimawandels, die die Einheimischen aus erster Hand miterleben: Migration und die damit verbundenen Sicherheitsbedenken. Zwar wird allgemein Kenntnis davon genommen, dass sie Erstzeugen (also Personen, die ein wesentliches Ereignis oder einen bedeutenden Vorgang als erste erleben) sind, es wird jedoch kaum Dokumentation hierzu angelegt. Derartige Studien und Presseartikel beschränken sich in der Regel auf stärker betroffene Regionen. Ilenia Ruggiu, Professorin für Verfassungsrecht an der Universität Cagliari und Koordinatorin von CLISEL, sagt dazu: „Sardinien ist eine Region, in der Klima und Migration wichtige Phänomene sind, ohne besonders bezeichnend dafür zu sein. Es gibt hier weder große Migrationsströme noch schmelzende Gletscher.“ Genau aus diesem Grund haben Ruggiu und das CLISEL-Team Sardinien als erste Fallstudie des Projekts ausgewählt. Es ist ein perfekter Ort, um herauszufinden, was passiert, wenn Klimawandel und Migration eine Region treffen, die nicht im Fokus des Medieninteresses steht. Darüber hinaus erweitert CLISEL die aktuellen Debatten über den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Sicherheit um einen ergänzenden Aspekt: die Rolle der lokalen Behörden. „CLISEL hat untersucht, wie die Auswirkungen von Migration und Klimawandel auf die Sicherheit auch durch solche Prozesse bestimmt werden, die in ‚bodenständigen‘ Regionen, lokalen Kontexten und Städten sowie auf subnationaler institutioneller Ebene stattfinden“, erklärt Ruggiu. „Wir haben uns zwei Fragen gestellt: wie können Städte, lokale Behörden und Gemeinden den Herausforderungen des Klimawandels und der Migration begegnen und welche Rolle spielen ‚lokale Kontexte‘ bei der Erzeugung von Unsicherheit.“

Hervorhebung der Kommunalverwaltungen und lokalen Akteure

Im Falle Sardiniens stellt sich heraus, dass die Wahrnehmung der Kommunalverwaltungen von Sicherheit eine ganz andere ist als die, die durch die dominierenden Narrative auf europäischer und nationaler Ebene verbreitet wird. Denn lokale Akteure konzentrieren sich weniger auf den „Kampf der Kulturen“, Terrorismus und politische Unruhen, als auf den verstärkten Wettbewerb um schwindende Wohlfahrtsaspekte und Ressourcen. Dieser lokale Aspekt war in früheren Studien völlig übersehen worden. „Unser Austausch mit lokalen Behörden und Gemeinden hat bestätigt, dass Migration und Klimawandel die bereits bestehenden Spannungen im Zusammenhang mit der Kluft zwischen Stadt und Land, den Problemen der Entvölkerung, den ökologischen Schwachstellen und der Beziehung zwischen Sardinien und dem Festland tendenziell noch verschärfen. Sollten neu hinzukommende Menschen als Ressource angesehen und als Mittel zur Wiederbelebung auf entvölkerte ländliche Gebiete verteilt werden? Wie wirken sich Migrantinnen und Migranten auf die Bemühungen zum Erhalt der ländlichen sardischen Kultur aus? Wie wird der fragile Agrarsektor dem Druck standhalten, der durch die Auswirkungen des Klimawandels ausgeübt wird? Diese Art von Fragen beschäftigt die Menschen wirklich“, so Ruggiu.

Von Sardinien zu anderen europäischen Regionen

Vor diesem Hintergrund bestand die Mission von CLISEL darin, das vor Ort empfundene Gefühl der Isolation und Abkopplung zu durchbrechen. Seit mehr als drei Jahren bietet das Projekt daher einschlägige Kurse für Beamtinnen und Beamte in Kommunalverwaltungen an und hilft ihnen, höhere Regierungsebenen zu erreichen. Außerdem wurde das „Sicherheitsinstrumentarium zum Klimawandel“ entwickelt, das ein Geo-Archiv, interaktive Karten, eine Reise-App und Definitionsrahmen beinhaltet. „Man könnte das Problem folgendermaßen zusammenfassen: die lokalen Behörden stehen an vorderster Front, mit großer Verantwortung und wenig Macht. Trotzdem zeigen sie eine große Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen, denen sie gegenüberstehen“, sagt Ruggiu. Neben der Offenlegung der „Landkarten der Sicherheit“ der lokalen Behörden in Bezug auf Wohlfahrt und finanzielle Unsicherheit und dem Bemühen, selbst die Stimmen der kleinsten Gemeinden zu Gehör zu bringen, hat das Projekt auch eine Liste von Leitlinien für politische Entscheidungstragende erstellt, die bereit sind, die CLISEL-Methode anderswo anzuwenden. „Die Instrumente von CLISEL sind quelloffen und können demnach auch von anderen Forschenden und Kommunalverwaltungen uneingeschränkt verwendet werden. Wir hoffen natürlich, dass unsere Forschung auf andere europäische Regionen ausgeweitet wird, um so feststellen zu können, ob ähnliche oder abweichende Ergebnisse erzielt werden“, so Ruggiu abschließend.

Schlüsselbegriffe

CLISEL, Sardinien, Cagliari, Klimawandel, Migrantinnen und Migranten, Migration, Sicherheit, lokale Behörden, Kommunalverwaltungen

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