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Neuentwicklungen ersparen Frauen unnötige Vaginalleiden

Viele Frauen haben Probleme, eine genaue Diagnose von Vaginalinfektionen und -entzündungen zu bekommen. Dank des Projekts VagX und seinen neuen Produkten könnte sich das schon Ende des Jahres ändern.

Gesundheit

Viele Jahre lang behandelte die Gynäkologin Ahinoam Lev-Sagie vulvovaginale Erkrankungen und stellte immer wieder fest, dass es bei Vaginitis häufig zu Fehldiagnosen kommt, wodurch Patientinnen wie ihre unnötig leiden oder noch schlimmere Folgen ertragen müssen. Vaginitis umfasst alle Vaginalerkrankungen, die durch Infektion oder Entzündung hervorgerufen werden. Lev-Sagie bat zwei ihr nahestehende Männer um Hilfe: ihren Ehemann Meny, der Softwareentwickler ist, und ihren Bruder Nimrod Lev, einen Maschinenbauingenieur. „Sie hat zu uns gesagt: ‚Ihr zwei habt so viel Erfahrung mit medizinischen Geräten. Macht doch mal was für die Vaginitisdiagnose‘“, erinnert sich Lev, Geschäftsführer und Mitbegründer von Gyntools, dem israelischen Start-up, das das EU-Projekt VagX koordiniert hat. Also entwickelte die Familie ein Gerät für gynäkologische und Allgemeinpraxen, das sie Gyni nannten. Eine Machbarkeitsprüfung, die vom EU-Projekt finanziert wurde, hat eine 95 %ige Genauigkeit der Tests ergeben. Gyntools geht davon aus, dass die Geräte dank der Markterschließung mit den EU-Partnern (wie AiM oder Stratex) in Europa schon Ende des Jahres verkauft werden können und in den USA und anderen Regionen spätestens im dritten Quartal des Folgejahres.

Schnelle Antworten

„Mit Gyni kann das medizinische Personal schon in den ersten fünf Minuten nach Beginn der Untersuchung eine korrekte Diagnose der Vaginalerkrankung stellen“, so Lev. Wie das Fachportal Medscape berichtet, leidet heute eine von drei Frauen mindestens einmal im Leben unter Vaginitis. 40-50 % der Fälle werden bei Erstvorstellung fehldiagnostiziert und um die 30 % der Frauen mit Vaginalbeschwerden bekommen auch nach umfassenden Tests keine korrekte Diagnose. Häufig heißt das, dass die Frauen nicht rechtzeitig behandelt werden, wodurch das Risiko von Unfruchtbarkeit steigt, es zu sexuell übertragbaren Infektionen oder bei schwangeren Frauen zu Frühgeburten oder Untergewicht des Neugeborenen kommen kann. Die Geräte von Gyni arbeiten mit automatisierter Mikroskopie, Messungen des pH-Wertes und einem automatisierten Diagnoseverfahren auf Basis von Deep Learning, das die Symptome der Patientinnen einbezieht. Gyni liefert von einem einzigen Vaginalabstrich bis zu sechs verschiedene Diagnosen, einschließlich gemischter Krankheitsbilder.

Besser als die Fachleute

Die Testergebnisse fielen derart gut aus, dass sich viele Gynäkologinnen und Gynäkologen und Fachleute aus Israel am Startkapital von Gyntools beteiligt haben. Dank einer Präsentation auf dem 3. ISIDOG Congress, der vom 31. Oktober bis zum 2. November 2019 stattfand, sind auch europäische Fachleute auf die Studie aufmerksam geworden. Im Rahmen dieser Studie wurden 5 000 Mikroskopaufnahmen von 300 Patientinnen zusammentragen, die von Fachärztinnen und -ärzten klassifiziert worden waren. Insgesamt 85 % davon wurden dann in das Softwaremodell von Gyni eingespeist, um es zu trainieren, und der Rest wurde zu Testzwecken verwendet. In einem Fall passte die Diagnose von Gyni nicht zu der der Expertin, doch als sie die Aufnahmen des Gyni-Geräts vorgelegt bekam, musste sie zustimmen, dass die vom Gerät diagnostizierte gemischte Infektion wohl besser passte als die von ihr festgestellte Einzelerkrankung. „Manchmal sind die Analyseergebnisse mit Deep Learning sogar schon besser als die menschliche Expertise“, unterstreicht Lev. Als nächstes will Gyntools die ISO-Zertifizierung beantragen, die klinische Studie in Israel abschließen und im dritten Quartal dieses Jahres die CE-Kennzeichnung bekommen. Geplant sind zudem größer angelegte Studien in der EU, dem Vereinigten Königreich und, mit Blick auf die FDA-Zulassung, auch in Vereinigten Staaten. „Frauen müssen nicht mehr so lange unter einer fehldiagnostizierten Vaginitis und der falschen Behandlung leiden, haben weniger Nebenwirkungen von der Behandlung und spüren schneller wieder eine Verbesserung der Lebensqualität“, so Lev abschließend.

Schlüsselbegriffe

VagX, Vaginitis, Vaginalinfektionen, Gynäkologen, Frauenärztinnen, Deep Learning, Gyni, Gyntools

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