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SEWAGE MONITORING SYSTEM FOR TRACKING SYNTHETIC DRUG LABORATORIES

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Drogenküchen können sich bald nicht mehr in den Städten verstecken

Ein immer größerer Teil der amphetaminartigen Drogen in Europa wird in relativ großen Einrichtungen hergestellt, die in europäischen Städten unauffindbar untertauchen können. Ein innovativer „Maulwurf“ in der Kanalisation könnte den Behörden schon bald helfen, sie aufzuspüren.

Klimawandel und Umwelt

Amphetaminderivate (ATS) sind aktuell in Europa die am zweithäufigsten konsumierten Aufputschmittel, in einigen Mitgliedstaaten sogar mit großem Abstand vor Kokain. 80 % der in Europa konsumierten ATS werden vor Ort hergestellt und der Großteil davon unter Leitung von kriminellen Gruppen in Anlagen im industriellen Maßstab. Neben den gesellschaftlichen Auswirkungen stellen ATS eine große Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit dar, auch von Personen, die sie gar nicht konsumieren. Denn die bei der Herstellung verwendeten Chemikalien können Brände oder Explosionen auslösen und der meiste Abfall wird normalerweise in die öffentliche Kanalisation entsorgt, wo er Umwelt und Gesundheit immens schaden kann. Doch diese illegale Entsorgung könnte für die Strafverfolgungsbehörden eine Goldgrube sein. Genau das wollte das bahnbrechende EU-finanzierte Projekt microMole nämlich zum Wohle der Öffentlichkeit untersuchen. Projektkoordinator Fernando Solano erklärt: „Unser Ziel war, eine Technik zu entwerfen und zu testen, die über die Kanalisation die Herstellung von Amphetaminen in Stadtgebieten automatisch erkennt und damit Strafverfolgungsbehörden unterstützt.“

Die Kanalisation ist als Versteck so sicher wie der Dschungel

Das Konzept ist einfach, ergibt aber viele technische Herausforderungen bei der Umsetzung, da die städtische Kanalisation eine komplexe und feindliche Arbeitsumgebung bietet. Dort tummelt sich eine Unzahl kleiner Partikel, organischer Verbindungen, Chemikalien, Bakterien und anderer Substanzen, die die Filtration, aber auch die Sensitivität behindern und die kabellose Übertragung wird stark vom Wasserfluss, den Sedimenten sowie den umliegenden Rohr- und Bodenmaterialien abgeschwächt. Das Gerät in den wässrigen Tiefen der Kanalisation am Laufen zu halten ist keine leichte Aufgabe und gleichzeitig unerlässlich für eine ununterbrochene Sammlung, Analyse und Übertragung der Daten. Um sich diesem komplexen Problem zu stellen, brachte MicroMole führende Fachleute aus Industrie und Ingenieurwissenschaften, Strafverfolgungsbehörden und sogar Anwältinnen und Anwälte mit Spezialkenntnissen in der Sammlung von juristischem Beweismaterial und der Strafverfolgung zusammen. Durch ein aktives mikrofluidisches System wurden Verstopfungen verhindert, eine kurze Probenahmedauer ermöglicht und Kreuzkontamination während der Probenahme ausgeschlossen. Mit zusätzlichen Akkus und verringertem Energieverbrauch dank innovativer Lösungen zur energiearmen Fernüberwachung wurde die Energieverfügbarkeit erhöht, was den Strom- und Datenfluss über einen längeren Zeitraum in den wässrigen Tiefen der städtischen Kanalisation zusätzlich absichert. Zu den Innovationen gehörten Mikrokontroller mit geringem Energieverbrauch und neue Algorithmen für die Datenkompression und Planung der kabellosen Übertragung. Doch ein letztes Problem gab es noch: die Platzierung des Systems in engen Rohren, die für Menschen nur schwer zugänglich sind.

Der „Maulwurf“ mittendrin

Der Prototyp besteht aus einer Reihe von drei durchlässigen Ringen, die in die Wände des Rohrs eingepasst werden, um eine Verstopfung im Abwasserstrom zu verhindern. Ein zum Patent angemeldetes kleines Roboterfahrzeug trägt das System durch die engen Rohre und setzt es schließlich an einer festgelegten Stelle in der Kanalisation zusammen. Solano resümiert: „Wir mussten viele technische Probleme lösen: ein kabelloses Netzwerk, das in der Kanalisationsumgebung arbeiten kann, eine chemische Substanz in einer Probe identifizieren, die wirklich alles enthalten kann, und all das in einem beengten Raum unterbringen, ohne den Abwasserfluss zu behindern. Genau das haben wir geschafft!“ Das Pilotgerät hat die Machbarkeit von kabelloser Überwachung von Abwasser nachgewiesen und die Ergebnisse werden bereits im EU-finanzierten Projekt SYSTEM genutzt. Die Technik bietet ein immenses Potenzial für öffentliche Gesundheit und Umweltschutz, aber auch für die Sicherheit, da sie nicht nur Aktivitäten im Zusammenhang mit Drogen erkennt, sondern auch die gesetzwidrige Entsorgung aggressiver Chemikalien aller Art.

Schlüsselbegriffe

microMole, Kanalisation, Amphetaminderivate (ATS), Abwasser, kabellos, Amphetamine, urban, städtisch, Behörden, Strafverfolgung

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