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REgeneration of inner ear hair cells with GAmma-secretase INhibitors to regain hearing in patients with sensorineural hearing loss

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Regenerative Therapie bei Hörverlust

Hörverlust ist ein schweres Leiden, das weltweit die Lebenssituation von mehr als 360 Mio. Erwachsenen und Kindern verschlechtert. Ein großes europäisches Konsortium prüft nun, ob ein spezifisches Therapieschema den Erkrankungsverlauf teilweise rückgängig machen kann.

Gesundheit

Ursache für die Gehörschädigung ist der Verlust von Cochlea-Haarzellen, den sensorischen Rezeptoren des menschlichen Gehörs. Die Haarzellen nehmen im Innenohr Schallwellen auf und übermitteln sie als Signale an den Hörnerv zwischen Ohr und Gehirn. Geschädigte Haarzellen können sich allerdings nicht spontan regenerieren, sodass das Hörvermögen nur durch Hörgerät oder Hörhilfen, die chirurgisch in das Mittel- oder Innenohr implantiert werden, wiederhergestellt werden kann. Hörverlust schlägt allein in Europa mit jährlichen Behandlungskosten von mehr als 210 Mrd. EUR zu Buche. Zudem ist die Leistung von Hörgeräten in lauter Umgebung meist mangelhaft.

Test von Gamma-Sekretase-Inhibitoren (GSI) gegen Hörverlust

Wie Tierstudien zeigten, ist die pharmakologische Hemmung des Notch-Signalwegs mittels Gamma-Sekretase-Inhibitoren (GSI) eine Möglichkeit, die Haarzellen zu regenerieren und ihre Funktion wiederherzustellen. Daher sollte das EU-finanzierte Projekt REGAIN eine Machbarkeitsstudie zur klinischen Verwendung von GSI durchführen, um sensorineuralen Hörverlust zu behandeln, die häufigste Form von Hörverlust. REGAIN bündelte das Fachwissen von sieben Partnern in den Bereichen Hörverlustforschung, Arzneimittelentwicklung und klinisches Studiendesign. „Unser Ziel war die Entwicklung einer geeigneten klinischen GSI-Formulierung und deren Test bei Patienten mit geschädigtem Hörvermögen“, erklärt Rolf Jan Rutten, Projektkoordinator und CEO von Audion Therapeutics. Die von den Partnern nach intensiver Forschung entwickelten Produktformulierungen wurden zunächst in präklinischen Studien (Pharmakokinetik, Toxikologie) getestet. Nach der Entwicklung einer GMP-konformen Arzneimittelformulierung wurde die behördliche Genehmigung zur Durchführung einer klinischen Studie bei Erwachsenen mit Hörverlust erteilt. Der GS-Inhibitor wird in das Mittelohr über eine transtympanale Injektion verabreicht, ein Verfahren, das routinemäßig zur Abgabe von Arzneimitteln in das Gehör verwendet wird. Von dort verteilt sich der GS-Inhibitor im Innenohr, wo sich die Zielzellen befinden, aus denen dann die neuen Haarzellen entstehen. In der am University College London, der Universität Tübingen und der Universität Athen durchgeführten klinischen Studie wurden Sicherheit und Verträglichkeit des GSI nachgewiesen und im Anschluss daran 44 Patienten in einer Wirksamkeitsstudie behandelt. Bei mehreren Hörtests zeigte sich, dass sich bei bis zu 35 % der Patienten das Hörvermögen verbesserte, sodass nun eine weitere Produktbewertung folgen kann.

Zukunftsaussichten für die REGAIN-Behandlung

Die regenerative Therapie REGAIN gegen Hörverlust kommt einem erheblichen, noch ungedeckten medizinischen Bedarf bei Millionen von Patienten nach. Hörverlust bei Kindern behindert den Spracherwerb und die kognitive Entwicklung, fortschreitender Hörverlust bei Erwachsenen hingegen beschleunigt den kognitiven Leistungsverfall und führt zu sozialer Isolation. „Die Entwicklung pharmakologischer Ansätze zur Behandlung von Hörverlust kann die Lebenssituation bei dieser Erkrankung grundlegend und signifikant verbessern“, betont Jan Rutten. Obwohl die Weiterentwicklung des GS-Inhibitors noch aussteht, hat REGAIN dazu beigetragen, die Entwicklungs- und Regulierungsprozesse für innovative Strategien gegen Hörverlust zu verschlanken. Die Partner planen nun gemeinsam mit anderen im Bereich Hörverlust forschenden Gruppen weitere klinische Studien, um dann spätestens in sieben Jahren die Zulassung für ein Produkt in der klinischen Praxis zu erhalten. Zudem ebnet das Projekt den Weg für andere Forschergruppen, die an Therapien gegen Hörverlust arbeiten.

Schlüsselbegriffe

REGAIN, Hörverlust, Haarzellen, GSI, klinische Studie, LY3056480

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