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NATURVATION: Verstädterung und Natur unter einen Hut bringen

Wie wäre es, wenn die Teile der Stadt, in denen die Natur wächst und gedeiht, zur neuen Norm würden? Beunruhigt über die Folgen der nicht nachhaltigen Verstädterung in ganz Europa bereitete die Forschungsgruppe des Projekts NATURVATION den Weg zu einer wirksameren Umsetzung naturnaher Lösungen im städtischen Umfeld.

Klimawandel und Umwelt

Als COVID-19 unsere Gesellschaft mit voller Wucht traf, begannen wir die Städte, in denen wir leben, aus einer anderen Perspektive zu betrachten: von den Fenstern unserer verschlossenen Wohnungen aus oder bei kurzen Spaziergängen durch den nächstgelegenen Park. Die Luftverschmutzung in Europa hat erheblich abgenommen. Der Natur war eine kurze Verschnaufpause vergönnt. Wir bekamen die Gelegenheit, sie in einem anderen Licht zu sehen, und wurden nicht zuletzt daran erinnert, vor welchen Herausforderungen dicht besiedelte Städte stehen. Eine dieser Herausforderungen, neben dem Klimawandel, der Wasserqualität und der Gesundheitsversorgung, ist der Verlust der biologischen Vielfalt. Naturnahe Lösungen sind eine Art zur Bewältigung dieses Problems, doch über ihr Potenzial wurde bisher weitgehend hinweggesehen. „Unser Urban Nature Atlas [Städtischer Naturatlas] verzeichnet 1 000 Beispiele für naturnahe Lösungen in nur 100 Städten – aber viele dieser Initiativen sind klein. Sie werden nicht als wirksame massentaugliche Antworten auf die Herausforderungen im Bereich städtische Nachhaltigkeit betrachtet und sind meist nur Experimente, mit denen öffentliche, private und gesellschaftliche Akteure ausprobieren, wie lokale Probleme bewältigt werden können“, erklärt Harriet Bulkeley, Professorin für Geografie an der Universität Durham. Während es kaum Zweifel daran gibt, dass ein umweltfreundlicheres, die biologische Vielfalt begünstigendes städtisches Umfeld uns allen zugutekommen würde, gibt es erstaunlich wenig Beweise für die Wirksamkeit naturnaher Lösungen. Selbst für die verschiedenen Akteure, die konkrete Vorteile sehen, stellte sich heraus, dass die Frage, wer am Ende dafür bezahlen soll, relativ komplex ist. Das Projekt NATURVATION, das Bulkeley koordiniert, arbeitete an einer Lösung zur Unterstützung der Beschlussfassung und der Optimierung ihres Nutzens. „Uns liegt jetzt ein Prototyp unseres Nature-Based Solutions Navigator [Navigator für naturnahe Lösungen] vor, den wir hoffentlich noch 2020 der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen können. Er soll politisch Verantwortliche dabei unterstützen, zu erkennen, welche Art von naturnahen Lösungen dazu beitragen, die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“, sagt sie. Während der Schwerpunkt bestehender Auswertungsinstrumente auf einer Lösung oder einer Herausforderung im Bereich Nachhaltigkeit liegt, werden in diesem Projekt die besten verfügbaren Ergebnisse zusammengetragen, um ein Auswertungsrahmenwerk zu erstellen, das auf vielen Kriterien aufbaut. Zu einer besseren Entscheidungsfindung kann es für verschiedene Konsultations- und Beratungsprozesse mit Gemeinden und Interessengruppen eingesetzt werden. Um die Probleme mit Investitionen anzugehen, entwickelte das Projekt außerdem neue Geschäftsmodelle und Finanzierungsmechanismen, mit welchen die naturnahen Lösungen unterstützt werden können. Bulkeley erklärt: „Unser Schwerpunkt liegt darauf, wie verschiedene Geschäftsmodelle oder Finanzierungsmöglichkeiten kombiniert werden können, um einen ausreichend stabilen Anwendungsfall zu erzeugen. Dabei geht es darum, Geschäftsmodelle zusammenzuführen, die die Risiken verringern, die Gesundheit verbessern und einen Klimanutzen versprechen und gleichzeitig für nichtfinanzielle Erträge wie eine verbesserte biologische Vielfalt sorgen.“

Biologische Vielfalt sollte mehr als nur eine Begleiterscheinung sein

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts hinsichtlich der biologischen Vielfalt ist, dass bestehende Projekte zu wenig beachtet werden. Obwohl eine beträchtliche Anzahl an Initiativen für naturnahe Lösungen dies angehen, zeigt die Forschungsgruppe, dass „Gelegenheitslücken“ – wie sie es nennen – entstehen, d. h. naturnahe Lösungen sind so konzipiert, dass sie nicht ihr volles Potenzial entfalten können. Zwar wurden im Rahmen des Projekts bewährte Verfahren entwickelt, die bei der künftigen Beschlussfassung Inspiration bieten können, doch eine der wichtigsten Lehren aus dieser Forschung ist, dass viele solcher Gelegenheiten verpasst wurden. Bis zum Projektende im Oktober 2020 wird NATURVATION neue Wege hin zu naturnahen Lösungen sowie einzigartigen Auswertungsinstrumenten bereitstellen. Die Forschungsgruppe arbeitet schon mit CitiesWithNature zusammen, einer vom ICLEI ins Leben gerufenen Initiative, um eine Plattform zu entwickeln, auf der Städte über ihre Maßnahmen zur Erreichung der globalen Ziele für die biologische Vielfalt Bericht erstatten können. Außerdem arbeitet sie mit Einrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene zusammen, um die politischen und finanziellen Bedingungen zu entwickeln, bei denen naturnahe Lösungen florieren können. Für Bürgerinnen und Bürger, die einer nachhaltigen Zukunft ihrer Stadt skeptisch gegenüberstehen, sind das sicherlich ermutigende Signale. Alle EU-finanzierten Projekte zum Thema naturnahe Lösungen, darunter auch NATURVATION, entwickeln gemeinsam verschiedene Produkte. Wie alle Projektergebnisse werden auch diese im EU-Verzeichnis für naturnahe Lösungen unter oppla.eu zur Verfügung stehen.

Schlüsselbegriffe

NATURVATION, biologische Vielfalt, naturnahe Lösungen, städtisches Umfeld

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