Skip to main content

Article Category

Article available in the folowing languages:

Von Krebs Betroffene könnten von der Berührung des Midas profitieren

Neue Verbindungen aus Gold, Platin und Kupfer haben das Potenzial, eine neue Generation von Medikamenten zur Krebsbehandlung auf den Weg zu bringen.

Gesundheit

Mit fast 4 Millionen neuen Fällen pro Jahr ist Krebs in Europa eine führende Todes- und Erkrankungsursache. Arzneimittel auf Platinbasis bieten sehr erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten für Krebs und kommen in der Hälfte aller Chemotherapien zum Einsatz. Andrea Erxleben, die Projektkoordinatorin des von der EU unterstützten Projekts TSPO METALLODRUG hat es sich zum Auftrag gemacht, eine neue Generation dieser Medikamente auf Metallbasis zu entwickeln. Bei aller Effektivität haben Medikamente auf Metallbasis zwei bedeutende Nachteile: Die Tumoren können eine Resistenz gegenüber der Behandlung entwickeln und Off-Target-Effekte können gesunde Zellen schädigen. „Der allgemeine Ansatz für die Reduzierung des Risikos einer Resistenz ist, zwei verschiedene Krebsmedikamente mit unabhängigen Wirkmechanismen gleichzeitig zu verwenden“, erklärt Erxleben. „Um Nebenwirkungen einzuschränken, versuchen Forschungsgruppen gezielt dafür zu sorgen, dass das Medikament sich selektiv nur in Tumorzellen ansammelt.“ Erxleben verbindet beide Ansätze in einer neuen Tranche an Krebsmedikamenten. Das Potenzial von Platin als Krebsmedikament wurde 1969 entdeckt und das erste Medikament, Cisplatin, wurde 1978 zugelassen. Seitdem haben nur wenige Medikamente auf Metallbasis ihren Weg in Kliniken gefunden. Es gibt nur drei die zur Verwendung zur Verfügung stehen, während weitere vier in klinischen Studien erprobt werden. Erxleben arbeitet an der National University of Ireland, Galway, daran, eine neue Perspektive auf dieses gut erforschte Gebiet zu etablieren. Medikamente auf Metallbasis beruhen auf einzelnen Metallionen. Bei Arzneimitteln auf Platinbasis bindet sich die Metalleinheit an die Tumor-DNA und verhindert, dass diese repariert oder repliziert werden kann, sodass die Zelle abstirbt. Neben Platin untersuchen Erxleben und ihr Team auch zwei weitere Metalle, die dafür bekannt sind, Krebszellen abzutöten – Gold und Kupfer. Erxleben kombinierte Platin-, Gold- und Kupferionen mit einem Molekül, das mit einem Protein namens TSPO interagiert, welches auf den Membranen von Mitochondrien zu finden ist. „Das Wunderbare an diesem Protein ist, dass es am Energiestoffwechsel beteiligt ist“, so Erxleben: „Auf diese Weise können wir die Krebszelle abtöten, indem wir ihr ihre Energieversorgung abschneiden.“ Das TSPO-Protein ist in vielen Tumoren überexprimiert, sodass die Behandlung bevorzugt Krebszellen erreicht. Der Metallkomplex kann auch an ein Krebsmedikament gekoppelt werden, um einen Doppelangriff gegen den Tumor zu starten. „Wir verfügen über ein Molekül, das den Energiestoffwechsel unterbricht und gleichzeitig dem angekoppelten Krebsmedikament den Weg zur Zelle weisen kann.“ Diese Forschung wurde im Rahmen des Marie-Skłodowska-Curie-Programms gefördert. „Ohne die Finanzierung hätten wir das Projekt nicht durchführen können“, erklärt Erxleben und fügt hinzu, dass das Programm ihr ermöglichte, mit Forscherinnen und Forschern im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten. Die Erforschung dieser neuen Medikamente auf Metallbasis befindet sich in der Konzeptnachweisphase, und wenn diese Phase erfolgreich sein sollte, wird es immer noch Jahre dauern, bis sie klinisch verwendet werden können. Allerdings könnte diese heutige Arbeit dazu beitragen, dass eines Tages die Leben von Millionen von Krebspatientinnen und -patienten in ganz Europa gerettet werden können.

Schlüsselbegriffe

TSPO METALLODRUGS, Platin, Gold, Kupfer, Galway, Krebs, Tumor, Chemotherapie, Mitochondrien

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich