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Gezielter Wirkstofftransport bei Erkrankungen der Netzhaut

Ein innovatives System, das medikamentöse Wirkstoffe direkt in eine spezifische Region des Auges transportiert, könnte die Behandlung von Netzhauterkrankungen verbessern.

Gesundheit

Netzhautdegeneration ist eine der Hauptursachen für unheilbare Sehstörungen und Erblindung, was weltweit rund 200 Millionen Menschen betrifft, und diese Zahl dürfte sich in den nächsten Jahren vor allem wegen zunehmender Bevölkerungsalterung und weltweiter Diabetes-Epidemie noch erhöhen. „In der Netzhaut befinden sich die Photorezeptorzellen“, erklärt Hagay Drori, Projektkoordinator von EIS und leitender Geschäftsführer von Everads Therapy, Israel. „Ein Funktionsverlust dieser lichtempfindlichen Zellen kann zu verschwommenem oder verzerrtem Sehen sowie komplettem Sehverlust führen.“ Standardtherapien sind bislang die kontinuierliche oder intermittierende Injektion des anti-vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors (Anti-VEGF), wobei die Injektionsnadel direkt in den Augapfel eingeführt wird. „Diese Strategie, Netzhauterkrankungen zu behandeln, ist jedoch insofern schwierig, als der Wirkstoff effizient und direkt in den betreffenden Bereich gebracht werden muss“, fügt Moshe Weinstein, Vorstandsvorsitzender von Everads Therapy, hinzu. „Nicht immer gelangt die gesamte Wirkstoffmenge bis zum Augenhintergrund.“

Möglichkeiten zur Optimierung

Um diese Schwachstelle auszuräumen, entwickelte das israelische Start-up-Unternehmen Everads Therapy ein patentiertes System zum Transport von Netzhautmedikamenten in den Suprachoroidalraum. Dieser Raum im Augenhintergrund ist im Laufe der letzten Jahre für die Forschung als Zielort für Arzneimittel interessant geworden. Konzept und Methode stammen von Ygal Rotenstreich, der am Sheba Medical Center in Israel forscht, dem landesweit größten medizinischen Zentrum und größten Krankenhaus in der gesamten Nahost-Region. „Schlüssel zum Erfolg war ein Transportsystem, das ebenso effektiv wie sicher ist“, sagt Drori. „Wir sind überzeugt, dass diese Methode viel gezielter anwendbar und weniger invasiv ist als bisherige Ansätze.“ Wie sich zeigte, kann der vom Unternehmen entwickelte Prototyp des Injektionssystems auch andere Netzhautmedikamente transportieren, u. a. Zelltherapien, Anti-VEGF und Wirkstoffe, die verzögert freigesetzt werden müssen. „Mit unserer Methode konnten humane adulte Knochenmarkstromazellen in Tiermodelle transplantiert werden“, erklärt Drori, „was Photozeptorzellen vor dem Abbau schützen und die Netzhautfunktion verbessern kann. Zudem ist die Methode effektiver als herkömmliche Verfahren.“ Ziel des EU-finanzierten Projekts EIS war nun, die Markteinführung für die Innovation von Everads Therapy vorzubereiten. Es folgte eine Analyse zu Risiken und Möglichkeiten für die erfolgreiche Markteinführung, ein Produktentwicklungsplan und eine Industrialisierungsstrategie. Der Schwerpunkt lag zunächst darauf, das Unternehmen auf die Kooperation mit großen Pharmaunternehmen vorzubereiten. „Als beste Geschäftsstrategie erschien uns die Entwicklung eines kombinierten Produkts in Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen“, erklärt Drori. Im Rahmen von EIS eruierte Everads Therapy auch detaillierte Nutzerbedürfnisse und stellte medizinischen Fachkräften für Netzhauterkrankungen Schulungsmaterial im Umgang mit dem System zur Verfügung, was laut Drori dazu beitragen werde, die Marktreife und -akzeptanz zu verbessern.

Erfolg in der Pipeline

Nach Abschluss des Projekts unterzeichnete Everads Therapy die erste Optionsvereinbarung mit einem weltweit führenden Pharmaunternehmen. So kann die Eignung des Systems für verschiedenste pharmazeutische Produkte bewertet werden, die im Suprachoroidalraum eingesetzt werden. „Die Optionsvereinbarung wird dazu beitragen, Vertrauen in die potenziellen Vorteile dieses Arzneimittelabgabesystems zu schaffen“, sagt Drori. Vor allem will das Unternehmen nun ähnliche Kooperationen zu anderen Pharmaunternehmen aufbauen, um eine neue Generation von Netzhauttherapien marktreif zu machen. „Theoretisch können mit unserer Methode auch andere Therapeutika in den suprachoroidalen Raum eingebracht werden“, merkt Drori an. „Das große Ziel ist, mit dieser Technologie die Behandlung von Netzhauterkrankungen zu verbessern und das Leiden von Millionen Menschen weltweit zu verringern.“

Schlüsselbegriffe

EIS, Netzhaut, Auge, suprachoroidal, pharmazeutisch, Krankheit, Blindheit, Diabetes, Photorezeptoren

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