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Bessere Vergleichbarkeit von Daten bei der interkulturellen Bewertung von Bildung

In der Bildungspolitik lässt sich meist schwer vergleichen, wie Fachunterricht über Schulen, Systeme und Länder hinweg gelehrt und gelernt wird. Einem neuen EU-finanzierten Forschungsprojekt zufolge, das auf vier Kontinenten durchgeführt wurde, könnte eine bessere Vergleichbarkeit von Daten aus internationalen bildungspolitischen Studien hier maßgeblich sein, insbesondere, wenn modernste Statistik zum Einsatz kommt.

Gesellschaft

Evaluation ist in vielen Ländern integraler Bestandteil des Bildungssystems. Bewertungsrichtlinien und -praktiken sind jedoch nie auf alle Situationen gleichermaßen anwendbar, da sich sowohl die Ebenen als auch die Verfahren unterscheiden. „Wir wollten nun die Komplexität pädagogischer Bewertung auf System-, Schul-, Klassen- und Schülerebene aufzeigen. Hierfür schauten wir uns in zahlreichen Länder um, auf der Suche nach tragfähigen interkulturellen Forschungsmethoden“, erklärt Jamis He Jia, Koordinatorin des EU-finanzierten Projekts POEECCP am DIPF/Leibniz-Institut für Forschung und Information in der Bildung, Deutschland. Schwerpunkt des Projekts war eine umfassende Bewertung schulischer Leistungen, insbesondere im Rahmen des Programms für internationale Schulleistungsuntersuchungen (PISA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), das im Abstand von drei Jahren die Lese-, mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in den meisten Mitgliedstaaten der OECD misst. Die vom Projekt ausgewerteten PISA-Daten umfassen schulische Leistungen der Schülerinnen und Schüler, eigene Angaben zum Wohlbefinden (z. B. Zugehörigkeit zur Schule) und Perzeption (z. B. von Unterrichtsmethoden), zudem eigene Angaben Lehrender zur Unterrichtsmethodik (z. B. Benotung), eigene Angaben von Schulleitungen zum schulischen Kontext sowie Bewertungsrichtlinien und -methoden.

Bewertung der Vergleichbarkeit von Daten

Schwerpunkt der ersten Studie waren methodische Schwierigkeiten bei interkulturellen Vergleichen, insbesondere die Vergleichbarkeit von Daten, die auf eigenen Angaben von 12 an der PISA-Studie beteiligten Ländern beruhten. Dies erfolgte mit modernsten psychometrischen Methoden bzw. statistischer Auswertung der erhobenen Daten. „Bei selbst gemeldeten Daten ist die Vergleichbarkeit aufgrund kultureller und sprachlicher Unterschiede mitunter schlecht. Als Beispiel sei hier die Lernmotivation genannt, bei der sich Schüler aus kollektivistischen Gesellschaften in der Regel selbst als leistungsschwächer bewerten als Schüler aus individualistischen Gesellschaften“, sagt Jamis He Jia, die an der Universität Tilburg in den Niederlanden zu interkultureller Psychologie promoviert hat. Dies gehe nicht nur auf tatsächliche Motivationsunterschiede zurück, sondern auch auf kulturelle Unterschiede bei der Selbstdarstellung. Während die kollektivistische Gruppe eher zu Bescheidenheit tendierte (Vermeidung expliziter Meinungsäußerung), zeigte die individualistische Gruppe eine eher starke Tendenz zur Selbstwerterhöhung. „Wenn die Daten nicht in allen Ländern vollständig vergleichbar sind, sollte in der Bildungsforschung und -methodik mit psychometrischen Methoden und innovativen statistischen Ansätzen gearbeitet werden, um kulturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede aufzudecken“, fügt He Jia hinzu, die über die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen unterstützt wurde.

Einfluss des Hintergrunds

Thema der zweiten Studie waren Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland, Spanien und Italien, drei Ländern mit unterschiedlichen Ansätzen zum Multikulturalismus und unterschiedlicher Zusammensetzung der Migrationspopulation. Sie zeigte Zusammenhänge auf, denen zufolge trotz gleicher Methodik (Benotung durch Lehrpersonal) die Lernergebnisse signifikant von der Herkunft der Lernenden abhängig sind. He Jia hierzu: „Die Bildungspolitik sollte daher Lehrpersonal und Schulen eine gewisse Autonomie bei der internen Beurteilung und der Bewertung von Unterrichtsmethoden zugestehen. Lehrkräfte sollten sich und ihre Methodik anpassen, um Inklusion und Gerechtigkeit für alle Gruppen von Schülern zu gewährleisten.“ Die Projektergebnisse wurden vollumfänglich mit Fachleuten für Bildungspolitik und größeren Koordinatoren von Umfragen (z. B. OECD) erörtert und u. a. in Seminaren und auf Konferenzen an Universitäten in Deutschland und den Niederlanden vorgestellt. „Unser Ziel ist es, die methodische Genauigkeit interkultureller Bewertungen von Bildung zu fördern“, erklärt He Jia. Zudem könnten die Projektaussagen, die verschiedene Methoden für eine bessere Datenvergleichbarkeit in diesem Bereich vorschlagen, Theorien zur Bildungseffektivität unterstützen und Länder bei der Erarbeitung und Umsetzung einer gezielten und besseren Bildungspolitik unter die Arme greifen.

Schlüsselbegriffe

POEECCP, interkulturelle Studien, Datenvergleichbarkeit, Bildungsbewertung, PISA, Leitlinien, psychometrische Methoden, Schulen, Statistiken, Lehrpersonal

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