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Lokale Interessengruppen beobachten soziale und ökologische Dynamik im Amazonasgebiet

Die Landumwandlung im Amazonas-Regenwald stört das empfindliche Gleichgewicht der lokalen und globalen Klimaregulierung. Ein innovatives Beobachtungsinstrumentarium wird die dynamischen Wechselwirkungen zwischen den Gesellschaften und dem Umfeld im Amazonasgebiet überwachen und bewerten, um eine angemessenere politische Entwicklung hin zur Wiederherstellung der Harmonie in Gang zu bringen.

Gesellschaft

Auch wenn die Mechanismen umstritten sind – im letzten Jahrzehnt geben sich die Auswirkungen der Waldrodungen auf die Klimaregulierung nur allzu deutlich in Form von extremen Wetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen zu erkennen. Noch konkreter sind die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Menschen, insbesondere auf die schutzbedürftigsten armen Bevölkerungsgruppen. Die Armutsbekämpfungsstrategien der brasilianischen Regierung erreichen nicht alle ihre Ziele, da der größte Teil der Landbevölkerung kaum Zugang zu öffentlichen Maßnahmen hat. Um diese unzulänglichen Zustände zu beheben, werden Methoden und Instrumente zur Weiterentwicklung von Plänen benötigt, welche die sozialen, ökologischen, politisch-wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Dimensionen derartiger politischer Strategien miteinander verflechten.

Wie Gemeinschaften ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen

Aufbauend auf früheren bilateralen Forschungsinitiativen vereinte das Projekt ODYSSEA erfahrene internationale und brasilianische Forscherinnen und Forscher, um dieses Ziel zu erreichen. „Wir wollten eine systematische Methodik für den Aufbau eines Beobachtungsinstrumentariums im Amazonasgebiet entwickeln. Um für die Gesellschaft von Nutzen zu sein, mischten wir die Beobachtung mit partizipativen Ansätzen“, betont Projektkoordinatorin Marie Paule Bonnet. Emilie Coudel, zweite ODYSSEA-Koordinatorin, ergänzt die Erklärung ihrer Partnerin: „Viele europäische Länder, Frankreich, Österreich und das Vereinigte Königreich, haben in den vergangenen 30 Jahren Projekte in Zusammenarbeit mit Brasilien durchgeführt. Kernziel war die Stärkung dieser Netzwerke sowie die Einbindung der verschiedenen europäischen Netzwerke.“ Dabei kam es darauf an, die Ergebnisse wirklich zu nutzen und nicht nur den Armen die Daten hinzublättern, sondern sie in den Dienst der Gesellschaft zu stellen, indem eine „Bürgerwissenschaft“ aufgebaut wird, um Basisorganisationen zu stärken. Grundprinzip des Beobachtungsinstruments ist, die Beziehungen zwischen den Gesellschaften und ihrem jeweiligen Umfeld zu untersuchen und zu erforschen, wie die durch die Zerstörung des Umfelds entstehenden Schwachpunkte die Gemeinschaft verwundbarer werden lässt und sich auf die Umwelt auswirken. Mit dem Einsatz wissenschaftlicher Daten werden die Bevölkerungsgruppen dabei unterstützt, sich an die Veränderungen anzupassen und diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Mythen und Realität trennen

Die über 100 Forscherinnen und Forscher dieser im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen finanzierten Initiative trugen zu einer phänomenalen Bandbreite an Datentypen bei. Die grundsätzlich multidisziplinär zustandegekommenen gesammelten Informationen teilen sich in zwei Gruppen auf: wissenschaftliche Daten aus der Satellitenüberwachung und Ergebnisse aus Interviews mit den Hauptaktiven. „Nur um ein Beispiel zu geben: Wir konnten 20 junge Landwirte dazu befähigen, Informationen über Pestizidbelastungen zu sammeln, also Agrarökologie zu betreiben“, berichtet Coudel. Die Ergebnisse sprengten den Mythos, dass landwirtschaftliche Kleinbetriebe und Gemeinschaften verschwinden, da schwarz auf weiß nachgewiesen wurde, dass sie größer werden und außerdem einen Wandel durchlaufen.

Vertrauensbildung und die Frage nach der richtigen Forschung

Stück für Stück fand das ODYSSEA-Forschungsteam den passenden Blickwinkel und wie es mit Vertrauen als Grundbaustein jeder partizipativen Forschung auf eine ideale Zukunft hinarbeiten kann. Einem langwierigen Prozess, in dem die Idee, was die Gemeinschaften von der Forschung erwarten, ausgebaut wurde, folgte eine zügige Datenerhebung. Coudel erläutert: „Wenn Sie dort ankommen und fragen: ‚Was wollen Sie denn gern erforschen?‘, dann wissen die Leute meist keine Antwort. Um das zu vermeiden, arbeitete das Projekt von Anfang an mit Organisationen zusammen.“ Was den zukünftigen Weg betrifft, so gibt Bonnet zu bedenken: „ODYSSEA war ein Vierjahresprojekt, und da partizipatorische Forschung nicht einfach aufhören kann, müssen wir weitermachen.“ Coudel abschließend: „Es ist wichtig, dass die Wissenschaft versucht, wieder eine Verbindung zur Gesellschaft herzustellen. Denn nur dann ist sie wirklich Teil ihres Lebens und kann die Lebenssituation der Menschen zum Besseren verändern.“

Schlüsselbegriffe

ODYSSEA, Beobachtungsinstrumentarium, Umwelt, Amazonas, Brasilien, Klimaregulierung, Landumwandlung, Amazonas-Regenwald, Amazonas-Gesellschaften, Armutsbekämpfung, Bürgerwissenschaft

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7 September 2020