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Der Heilung von HIV einen Schritt näher

Gemeinsam erzielen Forschende aus der Wissenschaft und ärztliches Fachpersonal für Infektionskrankheiten immense Fortschritte auf dem Weg zur Heilung von HIV.

Gesundheit

Den 37 Millionen Menschen mit HIV/AIDS ein Heilmittel zur Verfügung stellen zu können, ist global eine der wichtigsten Aufgaben des 21. Jahrhunderts. Die antiretrovirale Therapie ist zwar eine der größten Errungenschaften der biomedizinischen HIV-Forschung – die Leben rettet und die Übertragung einschränkt – doch sie ist kein Heilmittel. „Das größte Problem, das beim Einsatz einer antiretroviralen Therapie nicht gelöst werden kann, ist ein ständig vorhandener kleiner Pool aus latenten HIV-Zellreservoiren“, erklärt Virginie Gautier, Forscherin am Centre for Experimental Pathogen Host Research des University College Dublin. „Ist erstmal das Virengenom in das Chromosom des Wirts integriert, kann das Virus überleben und versteckt sich in diesen Reservoiren, wo es der antiretroviralen Therapie und der Immunantwort entkommt.“ Im Projekt EU4HIVCURE (Accelerating HIV Cure in Europe), das im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen gefördert wird, arbeitet Gautier nun genau daran. In diesem Projekt wird die dynamische Synergie von Forschenden aus der Wissenschaft und Medizinerinnen und Medizinern für Infektionskrankheiten genutzt, um die Suche nach einem Heilmittel für HIV zu beschleunigen.

Neue Strategien: Schocken und Abtöten

Bei den meisten Ansätzen für die Heilung von HIV wird versucht, bestehende latente Reservoire durch forcierte Genexpression im Virus zu säubern. Dabei kommen Mittel zur Latenzumkehr (engl. LRA) zum Einsatz, während die behandelte Person weiterhin eine suppressive antiretrovirale Therapie erhält. „Sobald die Genexpression und Partikelerzeugung des Virus wieder aktiviert sind, werden die viralen Reservoire auch wieder sichtbar“, so Gautier weiter. „Dann kann das Immunsystem sie mit Hilfe immunstärkender Interventionen von außen gezielt angreifen und zerstören.“ Es bleibt aber das Problem, dass die Wirkung der gängigen LRA-basierten Methoden durch den Einsatz von mehrschichtigen Kontrollebenen des HIV-Gen-Silencing eingeschränkt wird. „Diese Blöcke müssen als Gesamtheit aufgelöst werden, wenn wir wirksame Heilungsstrategien für HIV erreichen wollen“, ergänzt Gautier. Hier setzt das Projekt EU4HIVCURE an. „Wir wollen das Wesen dieser Blöcke nachvollziehen und definieren, das Repertoire neuer therapeutischer Targets erweitern und neue LRA-Klassen entwickeln, die in neuen Strategien nach dem Prinzip ‚schocken und abtöten‘ genutzt werden können“, erklärt sie.

Forschung für Suche nach Heilmittel beschleunigen

Innerhalb von nur 48 Monaten konnte das Projekt erfolgreich neue Kontrollebenen des HIV-Gen-Silencing charakterisieren. Zudem fanden die Forschenden neue potenzielle pharmakologische Targets für therapeutische Strategien zur Latenzumkehr in HIV-1. Weiterhin wurden neue LRA-Klassen untersucht und Wirkstoffe gefunden, die die wichtigsten Stoffwechselknoten angreifen können. Am wichtigsten ist aber wohl die im Projekt herausgearbeitete synergistische Kombination aus epigenetischen Wirkstoffen, die bestimmte Mechanismen des HIV-Silencing angreifen können. Sequenzielle Behandlungen konnten bereits ein hohes Niveau der Latenzumkehr an präklinischen Ex-vivo-Modellen erreichen. „Das europäische Forschungsökosystem, das sich mit der Beschleunigung der Suche nach einem Heilmittel für HIV befasst, wurde durch unsere Arbeit immens verstärkt“, fasst Gautier zusammen. „Außerdem haben wir die nächste Generation von Fachleuten für Infektionskrankheiten und Virologie ausgebildet. Beide Disziplinen sind für die Weiterführung der globalen Bekämpfung von AIDS unerlässlich, aber auch für den Kampf gegen aktuelle und zukünftige Ausbrüche von Pandemien.“ Das Forschungsteam aus dem Projekt arbeitet daran, die präklinischen und klinischen HIV-Studienprogramme noch weiter zu führen. Dazu wurde das europäische Konsortium um neue strategische Allianzen mit Patientenvertretungen, Nichtregierungsorganisationen auf Basis freiwilliger Arbeit, KMU sowie verschiedene akademische und klinische Forschungsgruppen erweitert. Außerdem ist ein öffentlich-privates Konsortium entstanden, in dem die Fachbereiche Infektionskrankheiten, Immunprofilierung, Big Data, künstliche Intelligenz, Management klinischer Studien, klinische Praxis und Patientenvertretung gemeinsam betrachtet werden.

Schlüsselbegriffe

EU4HIVCURE, HIV, antiretrovirale Therapie, ART, biomedizinische Forschung, AIDS, Mittel zur Latenzumkehr (LRA)

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