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Fortgeschrittene Biokraftstoffe für nachhaltigen Wandel im Verkehrswesen

Praktische Empfehlungen mit dem Ziel, die Kommerzialisierung und Nutzung fortgeschrittener Biokraftstoffe zu fördern, werden zu Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit im Verkehrssektor in Europa beitragen.

Energie

Mit dem Begriff „fortgeschrittene Biokraftstoffe“ werden im europäischen Raum Biokraftstoffe bezeichnet, die aus bestimmtem Rohmaterial gewonnen werden, darunter spezifische Reststoffe und Abfälle aus der Land- und Forstwirtschaft. Diese Kraftstoffe wetteifern in der Regel nicht um Ressourcen, die auch für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion wichtig sind, und können mit flüssigen fossilen Brennstoffen vermischt werden oder diese ersetzen. Somit bringen sie die Senkung der CO2-Emissionen in Sektoren wie dem Verkehrswesen wesentlich voran. „Dies ist insbesondere für Verkehrsmittel relevant, bei denen sich eine Elektrifizierung schwierig gestaltet, etwa in der Luftfahrt, der Schifffahrt und bei Schwerfahrzeugen“, sagt Kristin Sternberg, Projektkoordinatorin von ADVANCEFUEL und Mitarbeiterin bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. in Deutschland. Hohe Kosten und Unsicherheit sind jedoch nach wie vor entscheidende Hindernisse, die dem Einsatz fortgeschrittener Biokraftstoffe im Weg stehen. Hinzu kommen Umweltbedenken hinsichtlich der Flächen, die für die Produktion von Energiepflanzen verfügbar sind. „Eine Weiterentwicklung der Verfahren sowie eine Hochskalierung und Integration in die bestehende Infrastruktur fossiler Brennstoffe sind hier erforderlich, in Verbindung mit einer gezielten Unterstützung durch die Politik“, merkt Sternberg an. Das EU-unterstützte Projekt ADVANCEFUEL wurde ins Leben gerufen, um sich diesen Herausforderungen zu widmen und den Anteil an nachhaltigen, fortgeschrittenen flüssigen Biokraftstoffen – und auch anderen flüssigen alternativen Kraftstoffen aus erneuerbar produziertem Wasserstoff und Kohlendioxid – im Verkehrssektor der EU zu erhöhen. Die Förderung der Kommerzialisierung von fortgeschrittenen Biokraftstoffen ist für den Sektor besonders wichtig, da sie zur Erreichung der europäischen Ziele für erneuerbare Energiequellen und einen verminderten Ausstoß von Treibhausgasen im Verkehrsbereich beiträgt.

Die Nutzung ankurbeln

„Zunächst einmal prüften wir den aktuellen Stand und die Zukunftsperspektiven für erneuerbare Kraftstoffe in Europa, um uns ein besseres Bild davon zu verschaffen, wie die Hürden für die Markteinführung überwunden werden könnten“, erläutert Sternberg. „Anschließend untersuchten wir die Verfügbarkeit von Biomasse und die damit verbundenen Herausforderungen sowie Möglichkeiten zur Verbesserung der Lieferketten und zur Entwicklung neuer integrierter Umwandlungstechnologien.“ Das Projektteam kam zu dem Ergebnis, dass fortgeschrittene Biokraftstoffe zwar Vorteile für Wirtschaft und Umwelt bringen können, jedoch zusätzliche Unterstützung durch die Politik nötig ist. Es legte eine Reihe von politischen Empfehlungen vor: Schwerpunkte bildeten die Mobilisierung von Biomasse-Rohstoffen, die Verbesserung von Umwandlungstechnologien und die Förderung eines verstärkten Endverbrauchs. Diese Empfehlungen richten sich an politisch Verantwortliche und Interessengruppen, die sich mit der Wertschöpfungskette von fortgeschrittenen Biokraftstoffen befassen. „Wie sich beispielsweise in Bezug auf die Mobilisierung von Biomasse-Rohstoffen zeigte, sollte man die Flächennutzungsplanung im ländlichen Raum mit Anreizen kombinieren, Biomasse zu produzieren, die für die Gewinnung fortschrittlicher Biokraftstoffe geeignet ist“, ergänzt Sternberg. „Finanzielle Unterstützungsmaßnahmen sollten auch die Logistik im Zusammenhang mit der Sammlung von Abfällen und Reststoffen in den Blick nehmen.“ Bei politischen Maßnahmen sind überdies die Kosten für die Entwicklungen innovativer Energieumwandlungstechnologien zu berücksichtigen. Darüber hinaus gilt es, bestehende Finanzierungsinstrumente auf den Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung zu erweitern und durch Kapazitätsaufbau sowie öffentlich-private Partnerschaften einige der vorhandenen Hürden zu beseitigen. Im Straßenverkehr sind voraussichtlich die ersten Steigerungen beim Verbrauch erneuerbarer alternativer Kraftstoffe zu erwarten, doch wenn Europa seine CO2-Emissionen erfolgreich drosseln will, müssen auch die Seeschifffahrt und die Luftfahrt entsprechend vorbereitet sein. „Ohne konkrete Zielsetzungen für diese Sektoren wird dieser Wandel möglicherweise schwer zu bewältigen sein“, so Sternberg. Die Nachhaltigkeit der fortgeschrittenen Biokraftstoffe muss zudem überwacht und an jedem Punkt der Wertschöpfungskette verifiziert werden – vom Rohstoff bis zum Endverbrauch.

Klarheit und Zuversicht

Die Empfehlungen können in der abschließenden Publikation des Projekts nachgelesen werden. Darüber hinaus wurden ein Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung sowie ein Analysetool für den Endverbrauch entwickelt, um Interessengruppen mehr Klarheit und Zuversicht in Bezug auf fortgeschrittene Biokraftstoffe zu geben. „Dieses Projekt hat detaillierte Einblicke in die Herausforderungen ermöglicht, die noch anzugehen sind, bevor eine wirtschaftlich tragfähige Markteinführung für fortgeschrittene flüssige Biokraftstoffe gelingen kann“, schlussfolgert Birger Kerckow, Abteilungsleiter für EU- und internationale Zusammenarbeit bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. „Angesichts der ehrgeizigen Ziele Europas zur CO2-Emissionssenkung bis 2030 und darüber hinaus führt ganz klar kein Weg mehr an der Verwendung von fortgeschrittenen flüssigen Biokraftstoffen vorbei. Diese Kraftstoffe lassen sich problemlos in die bestehende Infrastruktur von fossilen Brennstoffen integrieren und mit geringen Modifikationen für konventionelle Verbrennungsmotoren verwenden.“

Schlüsselbegriffe

ADVANCEFUEL, Biokraftstoffe, Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit, Energie, Emissionen, CO2, Biomasse, Rohstoffe

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