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Nose to Brain Delivery of Antibodies via the Olfactory Region for the Treatment of Multiple Sclerosis Using Novel Multi-functional Biomaterials Combined with a Medical Device

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Innovativer Wirkstofftransport könnte Behandlung von MS erleichtern

Mit einem Nasen-Hirn-Pflaster könnten sich Therapeutika gegen Multiple Sklerose zielgenauer und effektiver anwenden lassen, was die Lebensqualität von tausenden Betroffenen verbessern würde.

Gesundheit

Multiple Sklerose (MS) ist eine vom Immunsystem ausgelöste neurologische Erkrankung, die sich immens auf die Lebensqualität auswirken kann. Weltweit sind etwa drei Millionen Menschen betroffen und die Fallzahlen steigen. „Man nennt sie die Krankheit mit tausend Gesichtern“, sagt die Koordinatorin des Projekts N2B-patch, Carmen Gruber-Traub vom Fraunhofer-Institut in Deutschland. „Die Betroffenen können verschiedene Symptome haben, von Müdigkeit bis hin zu Mobilitätseinschränkungen – kein Fall ist wie der andere.“ Außerdem ist sie eine der häufigsten unheilbaren neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Diagnostiziert wird die Krankheit meist in jungen Jahren, wenn man gerade in die Berufslaufbahn einsteigt oder über Familiengründung nachdenkt. Behandelt wird mit langfristigen Infusionen, täglich einzunehmenden Tabletten oder Injektionen ins Rückenmark. Keine der Methoden ist ideal: Entweder müssen die Patientinnen und Patienten täglich daran denken oder mehrere Stunden im Krankenhaus verbringen. Injektionen und Infusionen sind außerdem nicht die effizientesten Möglichkeiten, um Wirkstoffe zielgerichtet dort ins zentrale Nervensystem einzutragen, wo sie gebraucht werden.

Effizienterer Wirkstofftransport

Im Projekt N2B-patch haben Forschende, medizinische Fachleute und MS-Erkrankte gemeinsam an einem effizienteren Transportsystem für Wirkstoffe gearbeitet, das besser in den hektischen Alltag passt. „Die Mitwirkung der Erkrankten war äußerst hilfreich“, so Gruber-Taub. „Sie wollten, dass die Behandlung vor allem sicher ist, und dazu effizienter und mit weniger Nebenwirkungen. Und sie wünschten sich eine Behandlung, bei der möglichst wenige Krankenhausaufenthalte erforderlich sind.“ Entwickelt wurde ein Nasen-Hirn-Pflaster, das idealerweise nur etwa alle zwei Wochen angewendet werden muss. „Der Weg von der Nase zum Gehirn ist effektiv, weil er direkt ist“, erklärt Gruber-Taub. „Der obere Nasengang – auch als Riechgang bezeichnet – ist nur durch wenige Zellschichten und einen speziellen Knochen vom Gehirn getrennt.“ Die Gabe des Wirkstoffs über den Riechgang umgeht die Blut-Hirn-Schranke, also die Verteidigungsmauer des Körpers gegen fremde Partikel, die ins Gehirn eindringen könnten. Der direkte Weg durch den Riechgang sorgt außerdem dafür, dass keine Wirkstoffe in die Atemwege gelangen, was sowohl weniger effizient wäre als auch schwere Nebenwirkungen verursachen kann. Daher wurde ein nur wenige Millimeter großes Pflaster entwickelt. Es enthält aktive pharmazeutische Inhaltsstoffe, die in einer speziellen Formulierung aus Partikeln und Hydrogel eingeschlossen sind. Mit einer patentierten Technik kann das viskose Pflaster im oberen Nasengang platziert werden, wo dann die Wirkstoffe zur Behandlung der MS kontrolliert freigesetzt werden. „Ein für mich extrem wichtiges Ergebnis waren die Akzeptanz und der Enthusiasmus der MS-Erkrankten“, sagt Gruber-Taub. „Wir hatten noch Vorbehalte wegen der Invasivität des Verfahrens, aber sie waren äußerst offen dafür, eben weil es ihre Lebensqualität steigern könnte.“

Wege auf den Markt

Das Produkt kann man sich nicht selbst einsetzen, darum ist medizinische Hilfe erforderlich. Im Projekt ist man aber zuversichtlich, dass ein regelmäßiges Pflaster eines Tages tägliche Tabletten und Injektionen ersetzen könnte. „Die Patientinnen und Patienten haben sich gewünscht, dass das Produkt so bald wie möglich zur Verfügung steht“, ergänzt Gruber-Taub. „Das Produkt auf den Markt zu kriegen, wird allerdings ein paar Jahre dauern.“ Zu den nächsten Schritten auf dem Weg zur Kommerzialisierung, die aktuell mit Patentanwaltschaften, Forschenden und Pharmaunternehmen diskutiert werden, gehören unter anderem klinische Studien. Das im Projekt neu entwickelte Wirkstofftransportsystem bietet nicht nur Potenzial zur Behandlung von MS, sondern auch von anderen Hirnerkrankungen wie Schlaganfall oder sonstigen neurodegenerativen Schädigungen. Mit einem Partikel-Hydrogel-Pflaster und der entsprechenden Applikationstechnik könnten auch andere aktive pharmazeutische Inhaltsstoffe transportiert werden, die per direkter Gabe über den Riechgang ebenfalls bessere Wirkung zeigen könnten.

Schlüsselbegriffe

N2B-patch, Multiple Sklerose, MS, neurologisch, olfaktorisch, Riechgang, Gehirn, Hirn, medizinisch, Injektionen

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