Skip to main content

Simulating Roman Economies. Studying the Roman Economy through computational network modelling and archaeological big data

Article Category

Article available in the folowing languages:

Computermodellierung gibt Einblick in die Wirtschaft des Römischen Reiches

Die Archäologie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Verständnis über vergangene Gesellschaften zu gewinnen. Manchmal stehen ihnen nur eine Handvoll Keramikfragmente zur Verfügung, mit denen sie versuchen, die Geschichte einer Stadt zu erzählen. Glücklicherweise können Modellierungen und Computersimulationen dabei helfen, die Vergangenheit zu rekonstruieren und die Stücke wieder zusammenzufügen.

Gesellschaft

Es sind noch viele Fragen zur Wirtschaft des Römischen Reiches unbeantwortet. Hatten römische Handeltreibende Zugang zu zuverlässigen Wirtschaftsinformationen aus entfernten Teilen des Reiches? Wie bedeutsam waren soziale Netzwerke für die Strukturierung dieses Informationsflusses? „Das Römische Reich stellt einen der wenigen historischen Fälle dar, in denen Informationen über die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft über Jahrhunderte hinweg verfolgt werden können“, erklärt Tom Brughmans, Projektkoordinator des EU-finanzierten Projekts SIMREC. Mit Unterstützung der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen ist es SIMREC gelungen, die Auswirkungen der wirtschaftlichen Integration im Römischen Reich mit Hilfe von Computersimulationsmodellen zu untersuchen.

Technologiegestützte Simulation der römischen Wirtschaft

Laut Brughmans „sind für das Verständnis darüber, wie jahrhundertelanges wirtschaftliches Wachstum und der Niedergang aus dem alltäglichen Verhalten von Individuen hervorgeht, neue Methoden und große Datenmengen erforderlich“. Es besteht ein Bedarf an Computersimulationstechniken aus dem Bereich der Komplexitätsökonomie, die solche Verhaltensweisen darstellen und eine Simulation der römischen Wirtschaft ermöglichen. Darüber hinaus ist der Rückgriff auf die derzeit in größerem Umfang verfügbaren digitalisierten offenen archäologischen Datensätze (Keramik, Skulpturen, Inschriften) grundlegend für die Prüfung, unter welchen Bedingungen die Theorien, die durch diese Modelle dargestellt werden, plausibel sind. Das Modell des Forschungsteams wurde einer Sensitivitätsanalyse unterzogen, um den Grad der wirtschaftlichen Integration bei den Römern zu prüfen. Der daraufhin erstellte Bericht bestätigte, dass die römischen Handeltreibenden darauf angewiesen waren, auf zuverlässige Informationen über Angebot und Nachfrage weit entfernter Märkte zugreifen zu können (d. h. ein höherer Integrationsgrad erscheint plausibel).

Die Rekonstruktion sozialer Netzwerke der Vergangenheit gibt Aufschluss über den Informationsfluss

Die Erstellung von auf Verwandtschaft basierenden sozialen Netzwerken aus Palmyra (römische Stätte in der syrischen Wüste) stellt einen wichtigen und originellen Beitrag zur Erforschung der Frage dar, wie archäologische und historische Informationen miteinander kombiniert werden können, um vergangene soziale Netzwerke zu rekonstruieren. Es ist auch hilfreich zu untersuchen, auf welche Weise Informationen in der Vergangenheit über soziale Netzwerke verbreitet werden konnten. Dies sollte als Anregung für weitere Arbeiten dienen, die archäologische Zeugnisse der materiellen Kultur mit historischen schriftlichen Zeugnissen kombinieren, um damit vergangene soziale Netzwerke zu rekonstruieren. Im Rahmen des Projekts wurde erforscht, wie sich anhand von Inschriften und materiellen Merkmalen von Grabplastiken aus Palmyra empirische Erkenntnisse über frühere soziale Netzwerke gewinnen lassen.

Entwicklung frei zugänglicher Ressourcen

Die Website des SIMREC-Projekts sollte unbedingt mit Ressourcen gepflegt werden, um die Verwendung von Simulationsmodellen unter Forschenden der Archäologie und der Geschichtskunde im Bereich der Römer zu fördern. Auf Computerprogrammierung basierende Techniken sind in dieser Gemeinschaft nicht weit verbreitet. Daher ist es notwendig, Forschende im Fachbereich Archäologie dabei zu unterstützen, sich mit diesen Berechnungsmethoden vertraut zu machen. Im Rahmen von SIMREC aktualisierte das Forschungsteam seine praktischen Anleitungen, die Bibliographie und die interaktiven erkundbaren Erklärungen. Außerdem wurde eine Online-Datenbank erstellt, um die Sammlung von höchst detaillierten römischen Straßendaten zu erleichtern, die als Verkehrsnetzschicht in Berechnungsmodellen der römischen Wirtschaft genutzt werden können. Diese Datenbank wird nun umfassend überarbeitet und ist daher zur Zeit nicht verfügbar. Es gibt jedoch eine frühere Version, in der die Ziele und der Ansatz beschrieben werden. In der Archäologie sollten häufiger agentenbasierte Simulationsmodelle zum Einsatz kommen, um die Theorien über das langfristige Funktionieren der römischen Wirtschaft darzustellen und zu testen. „Wir sollten dabei gute archäologische Belege für die Rekonstruktion vergangener sozialer Netzwerke bei den Römern finden. Damit können wir ihre Struktur erforschen sowie das Ausmaß, in dem sich soziale Netzwerke von vor fast 2 000 Jahren von heutigen sozialen Netzwerken unterscheiden“, schließt Brughmans.

Schlüsselbegriffe

SIMREC, römische Wirtschaft, vergangene soziale Netzwerke, Simulation, Modellierung, Archäologie, wirtschaftliche Integration

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich