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CO-designing the Assessment of Climate CHange costs

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Lokale Auswirkungen als Ausgangspunkt für Maßnahmen gegen globale Probleme

Indem sich Forschende aus der EU auf jene Gruppen konzentrierten, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind, stellten sie fest, dass seine wahren Kosten höher sind als bislang geschätzt wurde. Die guten Neuigkeiten sind, dass politisch Verantwortliche durch die Bestimmung sozioökonomischer Kipppunkte die Gelegenheit haben, gezielter und koordinierter gegen klimabedingte Herausforderungen vorzugehen.

Klimawandel und Umwelt

Der Klimawandel ist weitaus mehr als nur eine Frage des Umweltschutzes. Er stellt uns vor gewaltige soziale und wirtschaftliche Herausforderungen auf globaler, regionaler und lokaler Ebene. Eine Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel ergibt sich oft aus einer Kombination der Geografie, sozioökonomischer Faktoren sowie Zugang zu Dienstleistungen und Gerechtigkeit. Eine sorgfältige Betrachtung all dieser Faktoren ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir die tatsächlichen Kosten des Klimawandels korrekt und in ganzheitlich einschätzen sowie stimmige Gegenmaßnahmen und Anpassungsstrategien entwickeln möchten, bei denen alle an einem Strang ziehen. „Eine zentrale Herausforderung bestand immer darin, die globalen Bewertungen, die zur Umsetzung von Eindämmungsmaßnahmen notwendig sind, mit lokaleren Einschätzungen in Einklang zu bringen, die als Orientierung für Anpassungsmaßnahmen dienen“, erklärt der Projektkoordinator von COACCH (CO-designing the Assessment of Climate CHange costs) Francesco Bosello, leitender Wissenschaftler am Euro-Mediterranean Center on Climate Change in Italien. „Gerade Hotspot-Regionen, die besonders vom Klimawandel bedroht sind, müssen stärker hervorgehoben werden und es bedarf nutzbringenderer, gezielter Anhaltspunkte, an denen politische Maßnahmen ausgerichtet werden können.“

Klärung der zugrunde liegenden Ursachen

Das Projekt COACCH schickte sich an, diese Herausforderung anzugehen, indem es fokussierte Bewertungen der Risiken und Kosten des Klimawandels in Europa erarbeitete. Zu diesem Zweck führte das Projektteam das Konzept „sozioökonomischer Kipppunkte“ ein. „Wir müssen neben den katastrophalen Entwicklungen auf globaler Ebene auch Ereignisse auf lokaler Ebene im Auge behalten, die mit gewaltigen wirtschaftlichen Verlusten einhergehen“, so Bosello. Ein weiteres Schlüsselelement des Projekts bestand in der Beteiligung hochgradig multidisziplinärer Teams verschiedener Interessengruppen. Zu den Teilnehmenden zählen politisch auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene Verantwortliche, Forschende, Finanz- und Versicherungsorganisationen und industrielle Sektoren mit erheblichem Interesse an ihren Auswirkungen auf das Klima, wie zum Beispiel Stahlunternehmen. Diese Teams analysierten eine Vielzahl von Fallstudien zum Klimawandel aus verschiedenen Branchen, darunter die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, die Energieerzeugung und die Infrastruktur. „Interessant ist dabei, dass wir in unseren Analysen einen ‚umgekehrten Ansatz‘ verfolgten“, erklärt Bosello. „Das heißt, wir machten bei lokalen sozialen und wirtschaftlichen Schocks, wie örtlich begrenzten Produktionsausfällen, Preissteigerungen oder Verlusten von Arbeitsplätzen einen Anfang. Davon ausgehend arbeiteten wir uns zurück, um die klimatischen Bedingungen zu bestimmen, die diese Schocks verursacht hatten.“ Dieser Ansatz ermöglichte den Forschenden, die zugrunde liegenden Ursachen bestimmter lokaler klimatischer Auswirkungen auszumachen, beispielsweise überschwemmte Wohnungen oder beschädigte Einkaufsflächen.

Verbesserung der Klimapolitik

Dank der engen Beteiligung der Politik, von Investorinnen und Investoren sowie Geschäftsleuten und Forschenden konnte das Projektteam die tatsächlichen Kosten des Klimawandels berechnen und Empfehlungen über kostengünstigere, belastbarere und robustere Gegenmaßnahmen aussprechen. „Diese neuen, überarbeiteten Schätzungen der Kosten des Klimawandels berücksichtigen sowohl direkte als auch indirekte wirtschaftliche Folgen und belaufen sich auf eine wesentlich höhere Summe als bei bisherigen Modellierungen“, merkt Bosello an. Die Ergebnisse des Projekts sind vor allem an politisch Verantwortliche und die Forschungsgemeinschaft gerichtet. Die Analyse und Bewertung „sozioökonomischer Kipppunkte“ wird der Politik dabei helfen, einzuschätzen, wo und wann diese in Zukunft auftreten könnten. „Die Kenntnis darüber, wo die Auswirkungen des Klimawandels am verheerendsten sein könnten, kann zur Gestaltung angemessener Gegenmaßnahmen beitragen“, fügt er hinzu. Auch Finanzinstitute können von einer besseren Einschätzung der mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken mit einem Schwerpunkt auf lokale oder sektorale Eigenheiten profitieren. „Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist unser Szenario-Erkunder zu den Auswirkungen des Klimawandels“, so Bosello. „Diese Open-Source-Webschnittstelle verschafft jeder und jedem benutzerfreundlichen, nicht technischen Zugang und die Möglichkeit zur Verwendung unserer Daten, Annahmen und Ergebnisse.“ Das Projekt stellt auch eine umfassendere Datenbank bereit, die für die Forschungsgemeinschaft gedacht ist. Dort können Forschende sämtliche Ergebnisse von COACCH herunterladen und bis in alle Details erkunden. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse von der Politik genutzt werden, um langfristige klimapolitische Maßnahmen in Europa zu fördern“, fügt Bosello hinzu. „Wir hegen auch die Hoffnung, dass die Fülle an Daten, die im Rahmen von COACCH zusammengetragen wurden, der Forschungsgemeinschaft dabei hilft, ihre Modelle zu verbessern, und zu effektiveren Eindämmungs- und Anpassungsmaßnahmen führt.“

Schlüsselbegriffe

COACCH, Klimawandel, Umwelt, sozioökonomisch, Eindämmung, industriell, Landwirtschaft, Energie

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