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Wird mein Bonsai zu einem Baum normaler Größe heranwachsen, wenn ich ihn in die Erde pflanze?

Pflanzen kommen in allen Formen und Größen vor, und selbst die mächtige Eiche kann davon überzeugt werden, nicht größer als eine Hauskatze zu wachsen. Unser Experte Robert Sablowski verrät, ob aus Ihrem Bonsai ein gewaltiger Riese werden kann.

Lebensmittel und natürliche Ressourcen

Diese Frage haben sich vielleicht schon viele von uns gestellt, als sie einen gut geschnittenen Bonsai bewunderten. Würde eine Miniaturausgabe eines großen Baumes durch das Einpflanzen in die Erde ihr wahres Potenzial entfalten? Die Antwort lautet: wahrscheinlich schon. „Die Entwicklung von Pflanzen ist bekanntlich äußerst flexibel und sehr von der Umgebung abhängig“, sagt Sablowski, Leiter der Abteilung Zell- und Entwicklungsbiologie am John Innes Centre. „Ein Bonsai-Baum ist deshalb klein, weil er ständigem Druck und ständigen Zwängen ausgesetzt ist“, fügt er hinzu. Die körperliche Ausprägung der meisten lebenden Organismen – der Phänotyp – ergibt sich aus einer Kombination von genetischen Anweisungen und der Umgebung. Der Mensch wächst bereits als Embryo auf der Grundlage eines genetischen Plans; nach der Geburt entwickelt er sich vergleichsweise geringfügig. Pflanzen hingegen bilden kontinuierlich neue Organe wie Blätter, Wurzeln und Blüten, die während ihres gesamten Lebens aus Strukturen entstehen, die als Meristeme bezeichnet werden. Dieses ständige Nachwachsen aus ihrem Ursprung heraus ermöglicht ihnen Flexibilität. „Jeder Moment bietet eine neue Gelegenheit, auf eine Veränderung in der Umwelt zu reagieren“, erklärt Sablowski. Die Meristemzellen der Bonsai-Bäume sind die gleichen wie bei ihren größeren Gegenstücken, mit ähnlichen genetischen Anweisungen. „Erhalten sie Zugang zu genügend Nährstoffen, Licht und Wasser, so werden sie versuchen, ihrem genetischen Programm zu folgen, also einen normalen Baum hervorzubringen.“ Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts SOS-CROPS untersuchte Sablowski einige der genetischen Grundlagen, die das Pflanzenwachstum steuern. Kürzere Nutzpflanzen bringen in der Landwirtschaft höhere Erträge, da größere Exemplare Witterungseinflüssen wie Wind und Regen weniger Stand halten können. Aus diesem Grund wurde in der Agrarwissenschaft begonnen, kleinere Pflanzen zu züchten, was jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Sablowskis Team unternahm den Versuch, ein für die Steuerung des Stammwachstums verantwortliches Gen über die Maßen zu aktivieren, um dadurch eine kürzere Pflanze zu erzeugen. Die Arbeit brachte zum Vorschein, auf welche Weise Pflanzen ihre Größenentwicklung steuern. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Ihren Bonsai zu vergrößern, warnt Sablowski, dass die Pflanze zwar wahrscheinlich ihr volles Potenzial erreichen wird, sich aber vielleicht ein kleines architektonisches Problem ergibt: „Es könnte passieren, dass Sie die Überreste eines winzigen Bonsai-Stammes am unteren Ende des Baumes sehen.“ Am besten pflanzt man ihn abseits von Windeinflüssen. Klicken Sie hier, um mehr über Robert Sablowskis Forschung zu erfahren: Sind Pflanzenhöhe und Pflanzenform genetisch bedingt?

Schlüsselbegriffe

SOS-CROPS, Pflanze, Wachstum, Gen, Bonsai, Baum, genetisch