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Personalized intelligent platform enabling interaction with digital services to individuals with profound and multiple learning disabilities

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Mehr Unabhängigkeit und eine Stimme für schwerbehinderte Menschen

Das Licht einschalten, die Heizung regulieren – diese Aufgaben sind für uns selbstverständlich. Vielversprechende moderne IKT soll das Leben von Menschen mit schweren Behinderungen verbessern, indem sie ihre Bedürfnisse kommunizieren.

Digitale Wirtschaft

Für Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen (profound intellectual and multiple disabilities, PIMD) gestaltet sich die Interaktion mit ihrer Umwelt nicht ganz so einfach. In den meisten Fällen sind sie aufgrund ihrer schwerwiegenden körperlichen und sensorischen Beeinträchtigungen selbst bei der Verrichtung grundlegender Tätigkeiten auf Familie und Pflegepersonal angewiesen. Noch schwieriger wird das Leben für sie, wenn sie nicht in der Lage sind, über herkömmliche Zeichen und auf präverbaler Ebene zu kommunizieren.

Plattform INSENSION: eine Prothese für die Kommunikation

Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts INSENSION hat ein Konsortium aus Fachkräften aus der Informatik, aus dem Bereich der Sonderpädagogik und der Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung eine IKT-Plattform zur Unterstützung von Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen konzipiert und umgesetzt. „Wir haben Mechanismen zur Erkennung verschiedener Verhaltenssignale von diesen Menschen entwickelt und bewertet. Diese werden dann als situations- und umgebungsbezogene Entscheidungen interpretiert“, erläutert Projektkoordinator Michal Kosiedowski. Die Studie ist die erste, die in tatsächlichen Pflegeeinrichtungen für schwerstbehinderte Menschen durchgeführt wird. An ihr nehmen Personen mit solchen Behinderungen teil, die ihre Chancen auf Selbstbestimmung beeinträchtigen. „Dadurch wird das Leben von Menschen mit solch schweren Behinderungen um zahlreiche Möglichkeiten erweitert und die Lebensqualität entsprechend gesteigert.“ Besonders für Pflegekräfte, die mit einem neuen Kind mit komplexen Problemen arbeiten, ergibt sich ein zeitaufwändiger Prozess für das Erlernen notwendiger Kommunikationssignale. In der häuslichen Umgebung kann dies zum Beispiel bis zu drei Monate dauern. Mit der Plattform INSENSION kann dieser entscheidende Zeitraum radikal verkürzt werden.

Bewertungsinstrumente

Für die Entwicklung des Systems haben die Forschenden zwei Fragebögen ausgearbeitet. Anhand dieser lässt sich beurteilen, wie eine schwerbehinderte Person mit anderen interagiert und kommuniziert. Der lange Fragebogen gibt einen umfassenden Überblick über die Person und den Ausdruck ihrer inneren Gefühle. Die Anhaltspunkte umfassten eine Reihe von Gefühlsindikatoren – präverbale Kommunikation, Verhaltensstörungen, Ausdrucksweisen von Zufriedenheit und Unmut, Schmerz und Gemütslage. „Aufgrund der Komplexität der gesammelten Informationen mussten wir den Umfang der Indikatoren einschränken“, erklärt Kosiedowski. Die Daten eines neuen, optimierten Fragebogens sind so zu interpretieren, dass die Veränderung von Aspekten in der Umgebung der Person aufgrund des mangelnden Komforts erwünscht sind. Um einen breiteren Überblick über die Population mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen zu erhalten, trug das INSENSION-Forschungsteam Daten im Global PIMD Atlas zusammen. Anhanddessen sollten gegebenenfalls Untergruppen gebildet werden, innerhalb derer alle Personen bestimmte Verhaltenssignale teilen. „Das könnte beispielsweise für eine Gruppe gelten, deren Mitglieder mit demselben genetischen Syndrom geboren wurden“, stellt Kosiedowski in Aussicht.

„Intelligenter Raum“ und Personalisierung der Interaktion

Das INSENSION-System nutzt künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge, um eine Kommunikationsmöglichkeit für diese Personen zu schaffen. Zur Personalisierung des Systems werden Teilnehmende mit Behinderungen gefilmt. Die Video- und Audiodaten werden dann in einer Datenbank gespeichert, mit der die KI arbeiten kann. „Die Kamera fokussiert auf die Person mit einer Behinderung, die KI-Komponenten können diese dann identifizieren und ihre Verhaltensweisen interpretieren“, bemerkt Kosiedowski. „Die Gestik der Hände, der Arme und des ganzen Körpers wird ins Visier genommen. Punkte auf dem Gesicht, die auf Bewegungen hin verfolgt werden, sind Hinweise auf einen bestimmten Gesichtsausdruck.“ Das System protokolliert dann, was es als signifikante Gesten versteht und was sie bedeuten. „Die Projektergebnisse sind sehr vielversprechend“, so Kosiedowski abschließend. „Unsere Arbeit war der erste Schritt bei der Bewältigung einer enormen Herausforderung: der Einsatz fortschrittlicher IKT, um Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen bei der Interaktion mit ihrer Umgebung unter die Arme zu greifen.“ Die Arbeiten werden weitergeführt, um die Technologie zu verfeinern und sie zuverlässiger zu machen.

Schlüsselbegriffe

INSENSION, PIMD, Behinderung, Kommunikation, IKT, KI, Internet der Dinge, Global PIMD Atlas, schwere geistige und mehrfache Behinderung

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