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Worlds of Imagination. A Comparative Study of Film Tourism in India, Brazil, Jamaica, South Korea and the United Kingdom.

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Merkmalvergleich des Filmtourismus in sechs Ländern

In den vergangenen Jahren haben Touristinnen und Touristen vermehrt Orte besucht, die aus der Populärkultur bekannt sind, was nicht nur Vorteile, sondern auch Herausforderungen mit sich bringt. Das Projekt Film Tourism hat untersucht, inwiefern sich dieser neue touristische Blick auf die lokalen Landschaften, die Wirtschaft und letztlich die Vorstellungskraft auswirkt.

Gesellschaft

Schätzungen zufolge ist der Tourismus für etwa 10 % aller Arbeitsplätze weltweit verantwortlich, und viele regionale Volkswirtschaften hängen davon ab. Der Filmtourismus, bei dem Menschen die Drehorte von Filmen und Fernsehserien besuchen, gewinnt an Zulauf. „Es gibt hierzu zwar nur wenige konkrete Zahlen, doch ein Indikator ist die wachsende Zahl von Reiseveranstaltungsfirmen, die diesen Nischenmarkt bedienen, sowie nationale Erhebungen wie diese im Vereinigten Königreich durchgeführte“, erklärt der Koordinator des EU-finanzierten Projekts Film Tourism, Stijn Reijnders. Die Auswirkungen können sowohl positiv als auch negativ sein. Während „Der Herr der Ringe“ dazu beigetragen hat, Neuseelands Markenbild mit seinen mythischen Inseln aufzubauen, kultiviert die Serie „Narcos“ für manche die Reputation, dass Kolumbien gefährlich sei. Zu den negativen Auswirkungen gesellen sich außerdem überhöhte Immobilienpreise und ein übermäßiges Tourismusaufkommen, die für Verkehrsstaus und die Zerstörung von Kulturerbestätten mitverantwortlich sind. Das Projekt verfolgte, wie sich der Filmtourismus zu einem wahrhaft globalen Phänomen entwickelt hat. „Überall auf der Welt beobachten wir eine stärker werdende Konvergenz von Populärkultur und Tourismusindustrie. Dies beeinflusst die Art und Weise, wie Orte in der globalen Vorstellungswelt dargestellt werden“, erklärt Reijnders von der Erasmus-Universität, dem Projektträger. Die vergleichende Forschung des Teams zeigte zudem, dass sich der Filmtourismus je nach sozialem, kulturellem und wirtschaftlichem Kontext sehr unterschiedlich entwickelt.

Von der Nahaufnahme zum Weitwinkel

Das vom Europäischen Forschungsrat unterstützte Projekt Film Tourism nahm unter die Lupe, wie die Filmtourismusbranche in der Praxis funktioniert und sich auf das Leben der Bürgerinnen und Bürger im Alltag auswirkt. „Zuvor hatte der Schwerpunkt fast ausschließlich auf einzelnen westlichen Fallstudien gelegen. Wir gehörten zu den Ersten, die vergleichende Forschungen jenseits des Westens anstellten“, fügt Reijnders hinzu. Die fünf Köpfe der internationalen Projektforschung konzentrierten sich auf Brasilien, Indien, Jamaika, Schottland und Südkorea. Das Team führte ausführliche Interviews mit Reisenden und Interessengruppen – wie Anwohnerschaft, politischen Entscheidungsverantwortlichen und Leitungskräften von Kulturerbestätten – und kombinierte diese mit teilnehmender Beobachtung, zum Beispiel auf Filmtouren. Eines der Kriterien für die Auswahl der Länder war die Größe der Diasporagemeinschaften. „Das Aufkommen des Herkunftstourismus, bei dem Menschen in die Heimat ihrer Vorfahren zurückreisen, um von Filmen inspirierte Orte zu besuchen, war bisher weitgehend unerforscht“, sagt Reijnders. In einer Fallstudie untersuchte das Projekt, wie in den Niederlanden lebende Hindustani-Gemeinschaften Bollywood-Filme konsumieren, um mit ihrem Erbe verbunden zu bleiben. Schließlich ist Bollywood eine vorherrschende kulturelle Quelle für die maßgeblichen Beziehungen zu Indien. Diese Filme wecken den Wunsch einer Reise nach Indien – nicht so sehr wegen der Suche nach der „Heimat“, sondern um Bollywood-Stätten zu besuchen. Film Tourism machte auch Unterschiede zwischen den Ländern deutlich. Der ursprüngliche Plan, das Phänomen „Nollywood“ in Nigeria zu untersuchen, musste wegen der Reisebeschränkungen aufgrund des Ebola-Ausbruchs und der Aktivitäten von Boko Haram verschoben werden. „Dem Publikum stehen nicht die gleichen Reisemöglichkeiten für den Drehort-Besuch offen, was uns an die Machtverhältnisse und das Privileg erinnert, das dem Tourismus innewohnt“, beobachtet Reijnders.

Verstärkte Privilegien auf lokaler Ebene

Bei der Untersuchung von Filmtouren durch Edinburgh bemerkt Rosa Schiavone: „Dabei wird übersehen, dass die zeitgenössische Demografie Edinburghs viele Menschen umfasst, deren Geschichte durch den Inhalt der Führungen nicht repräsentiert wird. Dazu zählen lokale Gemeinschaften wie die Einwohnerschaft von Leith, aber auch Minderheiten, Farbige und wirtschaftlich Benachteiligte.“ Das Team arbeitete nicht nur an mehreren Veröffentlichungen und einem Buch, sondern organisierte auch Workshops und eine Online-Konferenz, die Gelehrte und Fachleute aus der Film- und Tourismusbranche zusammenbrachte. Im Rahmen des bevorstehenden EU-finanzierten Projekts „Setting the Scene“ konzentrieren sich die Forschenden nun auf die Entwicklung von Strategien, die einen nachhaltigeren Filmtourismus ermöglichen.

Schlüsselbegriffe

Film Tourism, Film, Tourismus, Erbe, Kultur, Vorstellungskraft, Bollywood, Diaspora

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24 April 2018