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Making and wearing semi-PRECIOUS stone beads in the Near East and the Nile Valley during the Neolithic: A biographical perspective and microwear approach

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Was Halbedelsteine über Bevölkerungsgruppen verraten

Ein EU-finanziertes Projekt untersuchte sozioökonomische und kulturelle Aspekte im Zusammenhang mit Halbedelsteinen aus frühzeitlichen neolithischen Fundstätten im Nahen Osten und Nildelta.

Gesellschaft

Körperschmuck ist schon in der frühen Menschheitsgeschichte ein Statussymbol und deutet auf die gesellschaftliche Rolle des/der Tragenden hin. Auch die Schmuckstücke selbst könnten gesellschaftliche Interaktion angeregt und zur Ausbildung individueller und kollektiver Identität beigetragen haben. Schwerpunkt des EU-finanzierten Projekts PRECIOUS, das durch die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA) unterstützt wurde, waren Perlen aus Halbedelstein und deren Herstellung an einem entscheidenden Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. „Insbesondere sollte es Aufschluss über die Entstehung erster Landwirtschaftsysteme im Nahen Osten 8000 v. Chr. und im Nildelta 5000 v. Chr. liefern“, erklärt MSCA-Stipendiatin Hala Alarashi. Untersuchungen von Fertigungstechniken, Mustern und Verwendung sollen nun technische und kunstgewerbliche Aspekte dieser Artefakte enthüllen, die auch im archäologischen Kontext analysiert werden, um wichtige Informationen zum wirtschaftlich-technischen und Symbolverständnis sowie zur Sozialstruktur dieser frühen bäuerlichen Gemeinschaften zu gewinnen.

Neue Forschung an prähistorischem Schmuck

„Lässt sich das zunehmende Interesse an wertvollem Besitz durch die sozioökonomischen und kulturellen Veränderungen in der Jungsteinzeit begründen? Und legten bäuerliche Gemeinschaften im Neolithikum alle gleichermaßen Wert auf Halbedelsteine und deren Besitz?“ fragt Alarashi. Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen wurden Perlen aus Gräbern bedeutender archäologischer Stätten im Nahen Osten und Nubien mit quantitativen Mikroverschleißanalysen untersucht. „Hierzu wandten wir sowohl für Perlen aus Karneol, die in traditionellen Werkstätten in Indien und im Jemen gefertigt worden waren, als auch für experimentell hergestellte Steinperlen die gleiche Methode an. Mittels konfokaler Rastermikroskopie und Mess-Software wurden messtechnische Datensätze erstellt“, erläutert Alarashi. Alarashi verweist dabei auf eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts: „PRECIOUS demonstrierte unterschiedliche Grade der Oberflächenqualität, was abhängig von der Politur und Feinbearbeitung der Karneolperlen war, die aus Gräbern verschiedener neolithischer Dörfer im Nahen Osten stammten.“ Neben besagten Perlen zeigten andere Grabbeigaben zudem, dass das Alter der Verstorbenen offenbar größere Bedeutung hatte als deren biologisches Geschlecht, d. h. bei Kindern waren die Perlen von anderer Qualität als bei erwachsenen Verstorbenen. „Damit lässt der soziale Status von Kindern in der Jungsteinzeit entscheidende Rückschlüsse auf die Sozialstruktur in den ersten bäuerlichen Gemeinschaften im Nahen Osten zu“, betont Alarashi.

Alles hinterlässt Spuren: konfokale Rastermikroskopie

Das Projekt entwickelte eine neue Untersuchungsmethode für Perlen, die aussagefähigere Daten und bessere Möglichkeiten der Interpretation liefert. „Mit konfokaler Rastermikroskopie und Mess-Software kommen erstmals hochpräzise Oberflächenstrukturanalysen für Schmucksteine zum Einsatz. Wir entschieden uns für diese Methode, weil sie quantitative Daten zur Mikrostruktur der Oberfläche liefert und zuverlässige statistische Vergleiche ermöglicht“, erläutert Alarashi. Der Einsatz quantitativer Methoden ist ein Meilenschritt in der Archäologie und Gebrauchsverschleißanalyse (Traceologie) und insbesondere für Analysen von Steinperlen bahnbrechend. PRECIOUS beschaffte hierfür die nötigen Bearbeitungswerkzeuge und lieferte wichtige Grundlagen, um die quantitative Methodik auch bei künftigen Forschungsvorhaben anzuwenden. Ihre künftigen Pläne erläutert Alarashi wie folgt: „Mein wissenschaftliches Interesse gilt nun der kulturellen und sozioökonomischen Interaktion sowie dem Austausch und der Verbreitung von Werkstoffen, Gegenständen, Techniken und Ideen an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten.“

Schlüsselbegriffe

PRECIOUS, Perlen, Halbedelsteine, bäuerliche Gemeinschaften, Naher Osten, Niltal, konfokale Rastermikroskopie, Traceologie, neolithische Fundstätten

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