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Citizen Science as the new paradigm for Science Communication

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Riecht nach Teamgeist: Bürgerwissenschaft zum Erfolg führen

Wenn man Bürgerinnen und Bürger als Mitforschende einbezieht, können sie an der Produktion wissenschaftlichen Wissens teilhaben. Das EU-finanzierte NEWSERA hat Labore zur Mitgestaltung im Interesse gemeinsamer Lösungen eingerichtet.

Gesellschaft

Sowohl die Wissenschaft als auch die Gesellschaft können von der Bürgerwissenschaft profitieren, da sie beide näher zusammenbringt. Die Öffnung der Wissenschaft gegenüber Industrie, Handel und Politik sorgt für Möglichkeiten der Finanzierung und Zusammenarbeit sowie die Aussicht auf die Erfassung großer Datensätze durch Bürgerbeteiligung. Gleichzeitig erhöht die Entwicklung einer größeren wissenschaftlichen Kompetenz die Fähigkeit der Bürgerinnen und Bürger, Fehlinformationen zu widersprechen, und stärkt ihr Vertrauen in die Wissenschaft. „Bürgerwissenschaft verleiht außerdem Sensibilisierungskampagnen Glaubwürdigkeit, da eine informierte Öffentlichkeit zu Entscheidungsfindung, Politik und Verhaltensänderung beiträgt“, sagt Rosa Arias, Koordinatorin des EU-finanzierten Projekts NEWSERA (Citizen Science as the new paradigm for Science Communication) und Gründerin von Science for Change (Website auf Spanisch). „Doch bürgerwissenschaftliche Initiativen wirken innerhalb komplexer Ökosysteme von Interessengruppen und sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die sich in einem Mangel an Vertrauen, Wissen und Ressourcen zusammenfassen lassen.“ Zur Überwindung dieser Hindernisse entwickelt NEWSERA die CitSciComm-Labore, um bürgerwissenschaftliche Kommunikationsstrategien mitzugestalten, umzusetzen und zu validieren, die sich an klar definierte Interessengruppen richten. Die fünf „Labore“, die derzeit als Pilotprojekte fungieren, agieren als Praxisgemeinschaften, die sich aus Fachleuten für Bürgerwissenschaft zusammensetzen, darunter Mitglieder aus 38 Projekten in Spanien, Italien und Portugal. Bislang hat NEWSERA über 50 Aktivitäten mit mehr als 100 Beteiligten durchgeführt, darunter Workshops, gegenseitiges Lernen und Schulungen. Ein Programm, das Projekte mit Journalistinnen und Journalisten zusammenbringt, ist derzeit in Arbeit. NEWSERA hat zudem eine Reihe von Kurzdossiers zur Verbesserung der Wissenschaftskommunikation erstellt.

Labore für die Fünffachhelix

Die NEWSERA-Labore wurden entwickelt, um die Bedürfnisse der so genannten „Fünffachhelix“ an Interessengruppen zu erfüllen: Bürgerschaft, Wissenschaft, Industrie und KMU, der öffentliche Sektor und Politik sowie Journalismus. Jedes Labor ermittelte die Hindernisse für eine wirksame Bürgerwissenschaft und bot ein Forum, um Lösungen zu erforschen, gemeinsam zu entwickeln, zu testen und die Ergebnisse zu teilen. Zu den Mitwirkenden gehörten die 38 Projektmitglieder, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in akademischen Einrichtungen arbeiten (einige sind mit Bürgerwissenschaft vertraut), Sachverständige für Wissenschaftskommunikation und Journalismus sowie Mitglieder des NEWSERA-Teams als Moderierende. Ein Beispiel: Das „Labor Bürgerschaft und Gesellschaft als Ganzes“ erkennt an, dass Bürgerinnen und Bürger zwar mehrere bürgerwissenschaftliche Aufgaben übernehmen können – z. B. als menschliche Sensoren – es für Projekte aber oft schwierig ist, weitere Personen anzulocken, die sich bereits für Wissenschaft oder bestimmte Themen interessieren, insbesondere unter schwer zu erreichenden Gruppen. So bietet ein Teilnehmer, das UrbamarBio-Projekt, unter der Leitung einer Umweltbehörde Schnorcheltouren rund um Barcelona an. Zur Überwachung der biologischen Vielfalt an den Stränden laden die Teilnehmenden Fotos auf eine Online-Plattform hoch, um die Daten zu validieren. Im Ergebnis stehen über 600 erfasste Arten, mehr als 9 000 Beobachtungen der biologischen Vielfalt und die Veröffentlichung des ersten partizipativen Leitfadens zur marinen Biodiversität im Großraum Barcelona. Was die Einbindung verschiedener Interessengruppen betrifft, so beobachtet Arias, der zuvor Koordinator des Projekts D-NOSES zur Überwachung von Geruchsbelästigung war: „Zunächst kartierten wir die betroffenen Gemeinden mit der App OdourCollect, bevor wir lokale Pilotprojekte durchführten. Die Einbindung der politischen Entscheidungsverantwortlichen ebnete daraufhin den Weg zu nationalen Kurzdossiers, dann zur Überarbeitung von EU-Richtlinien, zur Erstellung einer politischen Agenda sowie eines Grünbuchs, das dem Europäischen Parlament vorgelegt wurde, und schließlich zu einem nationalen Preis (Website auf Spanisch). „Ich würde jedem neuen bürgerwissenschaftlichen Projekt mitteilen, dass es nicht einfach ist, man muss vorausschauend planen, insbesondere im Hinblick auf die politischen Auswirkungen. Aber wir haben gezeigt, dass es möglich ist!“

Labore ohne Grenzen

Während jedes Labor für jedes der drei Länder Online-Workshops zur Mitgestaltung und Beteiligung durchführt, ist die Vernetzung zwischen den Laboren ebenfalls ein wichtiges Ziel. Ein Beispiel für die gegenseitige Befruchtung ist die iberische Interessengruppe für bürgerwissenschaftliche Süßwasserökosysteme, an der 23 Personen aus 17 Projekten teilnehmen. Die Gruppe trifft sich, um Fragen von gemeinsamem Interesse zu erörtern und praktisches Wissen und Ressourcen auszutauschen. „Die wahre Stärke der CitSciComm-Labore liegt in diesem Austausch. Allein fehlt es vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Ressourcen oder Kenntnissen, z. B. in Bezug auf die Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte, aber gemeinsam können diese Einschränkungen in einem unterstützenden Umfeld überwunden werden“, schließt Arias. Dieser Ansatz gilt auch für die anderen von SwafS-19 finanzierten Projekte, mit denen das NEWSERA-Team zusammenarbeitet, um Praktiken für die Wissenschaftskommunikation zu entwickeln, die wirksam auf sich schnell verändernde gesellschaftliche Probleme reagieren können, bei denen die Beteiligung der Bevölkerung entscheidend ist, wie z. B. während der COVID-19-Pandemie. Dafür hat sich NEWSERA mit ENJOI zusammengetan, um Ende 2022 eine Veranstaltung zum Thema Datenjournalismus und Fehlinformationen in Barcelona zu organisieren.

Schlüsselbegriffe

NEWSERA, Bürgerwissenschaft, partizipativ, Fehlinformation, wissenschaftliche Kompetenz, Politik, Interessengruppen, Wissenschaftskommunikation

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