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Neuroplasticity and the Musical Experience

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Neuronale Mechanismen als Basis unseres musikalischen Erlebens erkunden

Innovative Forschung fördert unser Verständnis der komplexen Prozesse, die ablaufen, wenn wir Musik hören oder sie uns vorstellen.

Es ist nicht unvernünftig, Musik als etwas Magisches zu betrachten. Musikhören kann unsere Emotionen verändern, die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, verändern und uns sogar durch die Erinnerung in eine andere Zeit und an einen anderen Ort versetzen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine hochgradig analytische Erfahrung: Wir verarbeiten komplexe musikalische Szenen sofort, beziehen kulturelle Normen ein, trennen Klangmischungen und spüren Momente der Erwartung und Entspannung. Diese bemerkenswerten kognitiven Fähigkeiten liegen noch jenseits unseres Verständnisses, obwohl damit begonnen wird, in sorgfältigen Studien einige der zugrunde liegenden Mechanismen zu entschlüsseln. Innerhalb des vom Europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) finanzierten Projekts NEUME erkundeten die Forscherinnen und Forscher, wie die Plastizität unseres Gehirns uns, und auch anderen Tieren, dabei hilft, Musik über mehrere Zeitskalen hinweg zu erleben. „Mehrere Zeitskalen beziehen sich buchstäblich auf den Zeitraum der Erfahrung, vom unmittelbaren Hören der Musik und der Reaktion darauf bis hin zur lebenslangen Beschäftigung mit der Musik der eigenen Kultur“, erklärt Shihab Shamma, Professor für Elektro- und Computertechnik an der University of Maryland und an der Fakultät für Kognitionswissenschaften der Ecole normale supérieure – PSL (Paris).

Neuronale Reaktionen auf Musikstücke aufzeichnen

Das Team führte mehrere Experimente durch, bei denen neuronale Reaktionen auf Musik bei Menschen und nichtmenschlichen Tieren aufgezeichnet wurden. „Wir haben uns oft darauf verlassen, dass Reaktionen manchmal unvorhersehbar sind, weil sie clevere Wendungen in den musikalischen Strömen oder das musikalische Gedächtnis und Wissen der Zuhörenden widerspiegeln“, merkt Shamma an. Das Team untersuchte dann, wo im Gehirn diese unvorhersehbaren Reaktionen auftreten, wie sie sich im Lauf der Zeit anpassen, wenn das Musikstück immer vertrauter wird, und wie dies mit dem von der zuhörenden Person empfundenen Vergnügen (oder dessen Fehlen) zusammenhängt. Die Forschenden bewerteten zudem, wie sich die Reaktionen entwickeln, wenn Musik aus anderen Kulturen vertrauter wird. „Wir haben diese Ergebnisse auf andere Signale übertragen, um unsere Schlussfolgerungen zu vertiefen, etwa das Erlernen einer zweiten Sprache mit dem Hören eines unbekannten Musikstücks zu vergleichen und die Ergebnisse zur Bewertung der Sprachkompetenz des zuhörenden Menschen zu nutzen“, fügt Shamma hinzu. Andere Studien gingen über die Musik hinaus und vertieften sich in die Analyse von realer und imaginärer Sprache.

In Details des musikalischen Erlebens eintauchen

Die Projektarbeit ergab eine Reihe aufschlussreicher Ergebnisse, darunter die Entdeckung, wie imaginierte Musik, Sprache oder Geräusche im Gehirn im Vergleich zu ihrer gehörten Version aussehen. „Das ist spannend, weil viele wissenschaftliche Ideen und Theorien, und natürlich auch Anwendungen hervorgebracht wurden“, stellt Shamma fast. Die Forschenden entdeckten außerdem, wie Wellen der Anspannung und Entspannung (und des Genusses) beim intensiven Musikhören empfunden werden und wie schnelle Plastizität im Gehirn unbewusst durch implizites Lernen, beispielsweise durch zufälliges Klavierspielen, entsteht. Dies steht im Gegensatz zum expliziten Geschicklichkeitslernen, bei dem wir in der Lage sein müssen, eine Melodie den Fingerbewegungen zuzuordnen. Für die Forschung ergeben sich daraus mehrere praktische Konsequenzen. Die Entschlüsselung imaginärer Sprache könnte es uns beispielsweise ermöglichen, mit Locked-in-Patientinnen und - Patienten zu kommunizieren. Anhand von Bewertungen von Spannungsabbauzyklen könnte die Fähigkeit von Menschen mit Autismus gemessen werden, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen.

Musikalisches Erleben des Menschen weiter erforschen

Shamma erklärt, wie ihm das Projekt eine ganze Welt von Ideen eröffnete, die er sehr gern weiter erkunden möchte. Einige Vorstellungen, etwa die Entschlüsselung von Gedanken und die Erforschung ihrer Ursprünge im menschlichen Geist, sind schon sehr weit fortgeschritten. „Bei anderen geht es um die Umwandlung von Sinneswahrnehmungen in motorische Handlungen“, berichtet Shamma. „Das führte mich zu vielen spannenden potenziellen Projektansätzen, zum Beispiel zu dem Versuch, die Absichten von Menschen zu entschlüsseln, wenn sie den Drang zu handeln verspüren, oder ihre Wahrnehmung auf verschiedene Ziele zu lenken.“

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