Die Genesung bei Brustkrebs im Hinblick auf Daten aus der realen Praxis
Die Genesung von Brustkrebs erfordert oft die Bewältigung einer Reihe komplexer chronischer Erkrankungen, die noch lange nach Abschluss der Primärbehandlung fortbestehen. Ein Großteil der klinischen Forschung stützt sich jedoch immer noch auf Momentaufnahmen von unregelmäßigen Krankenhausbesuchen, so dass kritische Wissenslücken in Bezug auf die Funktionsfähigkeit und das Befinden im Alltag der Patientenschaft bleiben. Dank der Nutzung von Daten aus der realen Praxis(öffnet in neuem Fenster) sowie Gesundheits- und Lebensstildaten, die für jede Patientin und jeden Patienten aus elektronischen Gesundheitsakten (EHR), digitalen Verzeichnissen, Smartphones und tragbaren Geräten erfasst werden, hat die klinische Forschung das Potenzial für einen Paradigmenwechsel.
Ein Rundumblick auf die Genesung der Patientenschaft
Das EU-finanzierte Projekt REBECCA(öffnet in neuem Fenster) bringt 12 Partner aus sieben europäischen Ländern zusammen und zielt darauf ab, das neuartige Potenzial der kontinuierlichen Erfassung von Daten aus der realen Praxis auszuschöpfen. Um die Entwicklung der Patientenschaft hinsichtlich Funktionsfähigkeit, Gemütslage sowie Lebensqualität zu verfolgen, entwickelte das Konsortium eine Überwachungsplattform für die Rundumbetrachtung, eine Suite von minimal aufdringlichen mobilen Tools, die Brustkrebsüberlebenden angeboten werden. Die Plattform integriert EHR und durch die Patientenschaft erfasste Ergebnismessungen (PRO) mit passiv erfassten digitalen Biomarkern, einschließlich körperlicher Aktivität, Herzfrequenz, Schlafverhalten, Ernährungsgewohnheiten und Mobilitätsverhalten. „Ziel war es, die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu verbessern, indem wir die langfristigen Auswirkungen von primären und ergänzenden Krebsbehandlungen untersuchen“, erklärt Projektkoordinator Anastasios Delopoulos. Durch die Aggregation und Visualisierung dieser multimodalen Datenströme erhalten klinische Fachkräfte ein weitaus umfassenderes und kontinuierlicheres Bild von der Genesung des Patientenschaft, als dies allein durch routinemäßige Nachuntersuchungen möglich ist. Anstatt sich auf Termine im Abstand von Monaten zu verlassen, können Angehörige der Gesundheitsberufe Genesungstrends nahezu in Echtzeit beobachten und automatische Warnmeldungen erhalten, wenn sich abnormale Muster abzeichnen.
KI zur Auswertung von Studien aus der realen Praxis nutzen
Die REBECCA-Plattform wurde im Zuge von sechs klinischen Studien in Norwegen, Spanien und Schweden mit über 650 Probandinnen und Probanden eingesetzt. Um diese umfangreichen Datensätze auszuwerten, kombiniert REBECCA tiefes Lernen mit KI-gestützter Modellierung. Die Modelle extrahieren Schlüsselinformationen von Daten aus der realen Praxis und aus klinischen Studien, damit die wichtigsten Faktoren für die Gesundheit und Lebensqualität erfasst werden. Möglicherweise ergeben sich auch kausale Beziehungen zwischen Variablen, die das Ergebnis von Brustkrebs beeinflussen. „Durch die Verknüpfung von Behandlungen, Verhaltensweisen und funktionalen Ergebnissen liefern die Modelle verwertbare Einblicke, die eine fundierte klinische Entscheidungsfindung unterstützen“, betont Delopoulos. Erste Ergebnisse demonstrieren, dass Veränderungen in puncto Aktivität, Schlaf oder Herzfrequenz durch kontinuierliche Überwachung schon Wochen bevor dies typischerweise in der Routineversorgung offenbar wird, erkannt werden können. Diese Einblicke veranschaulichen den Mehrwert von Daten aus der realen Praxis bei der Erfassung von Genesungsaspekten, die für die Patientenschaft am wichtigsten sind, in üblichen klinischen Umgebungen jedoch oftmals unsichtbar bleiben.
Eine Grundlage für die künftige Praxis schaffen
Zu den wichtigsten Errungenschaften von REBECCA zählt die Schaffung einer robusten Infrastruktur für die datenschutzfreundliche, föderierte Analyse länderübergreifender Daten. Nicht minder von Bedeutung war die enge Zusammenarbeit des Projekts mit Interessenvertretungen der Patientenschaft, einschließlich der schwedischen Gruppe AMAZONA, deren Beteiligung die fortwährende Orientierung der Plattform an der Patientenschaft und klinische Relevanz sicherstellt. Im Hinblick auf den Abschluss des Projekts kann REBECCA einen einzigartigen multimodalen Datensatz und eine skalierbare Plattform für die kontinuierliche Nutzung vorweisen. Zu den nächsten Schritten zählen die Bereitstellung der Infrastruktur in weiteren onkologischen Kliniken, die Ausweitung auf andere Krebsarten und chronische Krankheiten sowie die Verfeinerung der Kausalmodelle durch die Integration von Verhaltens- und biologischen Daten. Mit diesen Maßnahmen möchte REBECCA die europaweite Einführung von Daten aus der realen Praxis als tragende Säule für die klinische Forschung und für das Management der Patientenschaft unterstützen.