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Safeguarding European wild pollinators

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Wie die Wissenschaft dazu beiträgt, den Rückgang der Wildbestäuber umzukehren

Warum verschwinden Europas Wildbestäuber? Neue Forschungsergebnisse offenbaren wichtige Trends und geben Wege zum Schutz von Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen vor.

Leises Summen von Bienen und das Flattern von Schmetterlingsflügeln: Das sind die Geräusche und der Anblick von Ökosystemen, die emsig bei der Arbeit sind. Doch in ganz Europa gehen die Wildbestäuberbestände zurück. Es steht viel auf dem Spiel, denn laut einer weltweiten Studie(öffnet in neuem Fenster) hängen mehr als 75 % der weltweit angebauten Lebensmittel zumindest teilweise von Bestäubern ab. Um die Wildbestäuberverluste umzukehren, werden im Rahmen des EU-finanzierten Projekts Safeguard(öffnet in neuem Fenster) 22 Partner aus vierzehn europäischen Ländern und drei Universitäten in China zusammengebracht. Mithilfe der Kombination aus Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsperspektiven verfolgt das Projektteam das Ziel, die Ursachen für den Rückgang der Bestäuber zu verstehen und zu ermitteln, welche Maßnahmen zu ihrem Schutz am meisten Wirkung entfalten. „Die Kerninnovation besteht in der Verknüpfung hochwertiger Biodiversitätsdaten mit großräumigen Umweltdaten aus ganz Europa“, erklärt Projektkoordinator Ingolf Steffan-Dewenter. „Damit können konsistente Analysen darüber durchgeführt werden, wie die wichtigsten Umweltbelastungen und -faktoren die Bestäubergemeinschaften und Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen in Größenordnungen beeinflussen, die sowohl für die Politik als auch für das Bewirtschaftung relevant sind.“

Den Bestäuberrückgang kartieren

Eine der wichtigsten Errungenschaften des Projektteams ist die Entwicklung von öffentlich zugänglichen Datenbanken über die Verbreitung von Bestäubern, ihre Merkmale und Wechselwirkungen. Dazu gehört die europäische Datenbank European Database of Plant-Pollinator Networks (EuPPollNet)(öffnet in neuem Fenster), die bislang größte Zusammenstellung von Studien auf dem Gebiet der Bestäubungsinteraktion auf europäischer Ebene. Sie versammelt Daten über 2 223 Bestäuberarten und 1 411 Pflanzenarten, wodurch etwa ein Drittel der wichtigsten Bestäubergruppen Europas wie zum Beispiel Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge abgedeckt werden. Anhand dieser und weiterer Datensätze, die auf mehr als dreizehn Millionen Einzelbeobachtungen beruhen, wandte das Team von Safeguard robuste Modelle an, um Populationstrends, Aussterberisiken und zukünftige Umweltauswirkungen zu bewerten. Ein wichtiges Ergebnis ist eine aktualisierte europäische Rote Liste der Bienen(öffnet in neuem Fenster), aus der hervorgeht, dass gegenwärtig 10 % der Wildbienen in der Region vom Aussterben bedroht sind. Die Liste ist von entscheidender Bedeutung für die Festlegung von Naturschutzprioritäten und politische Bestrebungen der EU einschließlich der Verordnung über die Wiederherstellung der Natur(öffnet in neuem Fenster). Die Projektarbeit hat ergeben, dass der Rückgang von Bestäubern nur selten auf einen einzelnen belastenden Faktor zurückzuführen ist. „Bestäuber sind einer Vielzahl von Belastungsfaktoren ausgesetzt, wobei die Richtung und das Ausmaß dieser Auswirkungen vom jeweiligen ökologischen Kontext abhängen“, erläutert Steffan-Dewenter. Beispielsweise führten wärmere Temperaturen zu einer Homogenisierung der regionalen Gemeinschaften und verstärkten den Rückgang der Wildbienen in Agrarlandschaften, was insbesondere trockenere Klimazonen betrifft. Landschaften mit mehr naturnahen Lebensräumen milderten die Auswirkungen extremer Wetterbedingungen auf kälteangepasste Arten.

Was Bestäuber wirklich schützt

Das Team von Safeguard erhob zudem empirische Daten über die Vielfalt von Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen in mehr als 300 wertvollen Schutzgebieten. Diese Feldstudien bewiesen, wie wichtig die Qualität lokaler Lebensräume, die Blütenvielfalt und Nistplätze für die Vielfalt der Bestäuber sind. Im größeren Maßstab hat sich erwiesen, dass biologische Landwirtschaft, zusammenhängende Lebensräume und kleine Anbauflächen mit hoher Randdichte in landwirtschaftlichen Gebieten den Bestäubergemeinschaften in Schutzgebieten zugutekommen. Im Rahmen des Projekts wurden gleichermaßen bestäuberfreundliche Interventionen erprobt, wobei als wirkungsvolle Maßnahmen eine geringere Mähhäufigkeit, mosaikartige Mahdsysteme und die Aussaat von einheimischen mehrjährigen Blumenarten ermittelt wurden. Um die Entscheidungsfindung zu unterstützen, entwickelte das Team von Safeguard einen integrierten Bewertungsrahmen auf der Grundlage des DPSIR-Modells (Treibende Kräfte, Belastungen, Zustand, Auswirkungen, Reaktionen), das von der lokalen bis zur europäischen Ebene anpassbar ist. Darüber hinaus bietet der Safeguard Knowledge Exchange Hub(öffnet in neuem Fenster) als Wissensaustauschzentrum Zugang zu Daten, Instrumenten und Erkenntnissen für Forschung, Praxis, Bürgerinnen und Bürger sowie Verantwortliche der Politik. Wie Steffan-Dewenter hervorhebt, sind „vielfältige und integrierte Maßnahmen erforderlich, um den Rückgang der Bestäuber und der biologischen Vielfalt im Allgemeinen aufzuhalten“. Im Zuge von Safeguard wurde die wissenschaftliche Grundlage für diese Maßnahmen geschaffen, wobei Beweise für das Verständnis der Bestäubermuster und die europaweite Vorhersage zukünftiger Herausforderungen vorgelegt wurden.

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