Menschenzentrierter Ansatz für Klimalösungen
Klimadienstleistungen liefern maßgeschneiderte klimabezogene Informationen, die den Nutzerinnen und Nutzern die Entscheidungsfindung erleichtern, sei es bei der Anpassung an den Klimawandel oder der Bewältigung von Klimaextremen wie Dürren, Hitzewellen oder Kälteperioden. Obwohl diese Dienstleistungen darauf abzielen, den Menschen auf lokaler Ebene bei der Anpassung zu helfen, sind sie in der Praxis oft eher wissenschaftsorientiert als wirklich nutzungszentriert. In den letzten Jahrzehnten konnten verbesserte Projektionen und saisonale Vorhersagen das Potenzial der Klimadienstleistungen erheblich steigern. Doch wie Lisa Goddard(öffnet in neuem Fenster) anmerkte, gilt: „Klimadienstleistungen erfordern mehr als Klimawissenschaft.“ Das EU-finanzierte Projekt I-CISK(öffnet in neuem Fenster) befasste sich mit dieser Lücke zwischen der wissenschaftlichen Ausrichtung von Klimadienstleistungen und ihrer Nutzbarkeit. Im Mittelpunkt standen die Überwindung von Hindernissen, die ihre Akzeptanz einschränken, wie etwa mangelndes Verständnis der Bedürfnisse bei der Endnutzung, ihre Entscheidungsprozesse und die Art und Weise, wie sie lokales Wissen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden. „Schlüsselprämisse von I-CISK war die Anerkennung des Wertes von lokalem, traditionellem und indigenem Wissen. Die Verknüpfung dieser Perspektiven ist von entscheidender Bedeutung, um Klimadienstleistungen menschenzentrierter und effektiver zu gestalten“, erklärt Projektkoordinator Micha Werner. Der Koordinator beschreibt drei Schlüsseldimensionen für die Akzeptanz von Klimadienstleistungen: Relevanz, Glaubwürdigkeit und Legitimität. Relevanz bedeutet, dass die Dienstleistung einem echten Bedarf entspricht und den Nutzerinnen und Nutzern wirklich wichtig ist. Glaubwürdigkeit gewährleistet, dass die bereitgestellten Informationen zuverlässig sind. Legitimität verbindet alles mithilfe eines inklusiven Prozesses, der die Stimmen der Nutzerinnen und Nutzer wertschätzt und das Vertrauen fördert.
Reallabore erwecken Klimadienstleistungen zum Leben
Was I-CISK von anderen Initiativen unterscheidet, ist die Tatsache, dass alle Forschungsarbeiten in sieben Reallaboren in ganz Europa, einschließlich Georgien und Lesotho, durchgeführt wurden, in denen Akteurinnen und Akteure aus verschiedenen Sektoren zusammenkamen, um in Ko-Kreation auf ihre speziellen Kontexte zugeschnittene Klimadienstleistungen zu entwickeln. „Jedes Reallabor war einzigartig und wies seine eigenen Herausforderungen und Arbeitsweisen auf, aber alle folgten einem strukturierten Fahrplan, um eine effiziente Zusammenarbeit zu gewährleisten und eine Überlastung der Interessengruppen zu vermeiden, deren Beteiligung freiwillig erfolgte“, erläutert Werner. Bei diesem Prozess der Ko-Kreation ging es um mehr als nur die Entwicklung von Dienstleistungen. „Es ging darum zu verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen, über welche Wahlmöglichkeiten sie glauben zu verfügen und was ihnen am wichtigsten ist“, fügt Werner hinzu. Die Projektmitglieder konzentrierten sich zwar in erster Linie auf die Bereitstellung von Klimainformationen für saisonale Zeiträume (1-6 Monate), doch sie nannten überdies andere Zeitfenster und Klimagefahren, die für sie von Bedeutung waren, sodass diese ebenfalls in die Dienstleistungen integriert wurden. Die Reallabore dienten als Forschungszentren, in denen die Rolle des lokalen Wissens und die Entwicklung glaubwürdiger Klimainformationen erkundet wurden. Das Forschungsteam untersuchte gleichermaßen mögliche unbeabsichtigte Folgen der Inanspruchnahme von Klimadienstleistungen, so etwa, ob sie schlechte Anpassungsentscheidungen oder nicht nachhaltige Strategien nach sich ziehen könnten.
Ko-Kreations-Dienstleistungen in der Praxis
Ein wichtiges Ergebnis war eine Plattform für Klimadienstleistungen, die auf quelloffener, genormter Software und cloudbasierten Technologien aufbaut. Diese Plattform bietet eine gemeinsame Grundlage für die verschiedenen, in Ko-Kreation geschaffenen Dienstleistungen, wobei abgesichert wird, dass sie einfach nutzbar sind und nahtlos zusammenarbeiten können. Außerdem wurde eine Verbindung zu Datenquellen wie Copernicus hergestellt, um für eine bessere Integration zu sorgen. Eine innovative Funktion war ein KI-gestützter Klimadienstleistungs-Composer(öffnet in neuem Fenster), der es auch Nichtfachleuten ermöglicht, interaktiv grundlegende Klimadienstleistungen mithilfe von Agentic AI zu entwerfen. „Die Plattform lehrt, wie Ko-Kreation in der Praxis funktioniert. Zu verstehen, was funktioniert und was nicht, ist für eine erfolgreiche Ko-Kreation von entscheidender Bedeutung“, betont Werner.
Sinnvolle Klimalösungen
Klimadienstleistungen, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht, verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit lokalem Wissen und dem Input der Nutzerinnen und Nutzer, um praktische, maßgeschneiderte Lösungen entstehen zu lassen. „Wir erkundeten, was lokales Wissen bei Klimadienstleistungen bedeutet, wer es besitzt und wie es in Entscheidungen einfließt. Dieses Verständnisses zu erweitern, ist wichtig, um lokales Wissen in Klimadienstleistungen einzubinden und deren Relevanz, Glaubwürdigkeit und Legitimität zu optimieren“, so Werner abschließend.