Eurasiens Kiefernwälder vor ihrem zerstörerischsten Parasiten retten
Die Kiefernholznematode Bursaphelenchus xylophilus ist ein mikroskopisch kleiner parasitärer Fadenwurm, der allgemein als Kiefernfadenwurm bekannt ist. Er stellt nach wie vor die größte Bedrohung für Kiefernwälder in Europa und Asien dar. Bisher verfügte die EU, dass alle anfälligen Baumarten in einem 500-Meter-Umkreis um einen befallenen Baum gefällt werden müssen. Diese drastische Maßnahme konnte jedoch nicht dazu beitragen, die Krankheit in Portugal auszurotten, und frühere Modellrechnungen deuten darauf hin, dass sie in ausgedehnten, ausschließlich aus Kiefern bestehenden Wäldern wirkungslos ist.
Ein selektiverer Ansatz
Eine neue Studie, die im Rahmen der EU-finanzierten Projekte HOMED(öffnet in neuem Fenster) und FORSAID(öffnet in neuem Fenster) unterstützt wird, stellt nun den Status quo in Frage. Forscherinnen und Forscher aus Frankreich, den Niederlanden und Portugal haben das Kosten-Nutzen-Verhältnis von obligatorischen Kahlschlägen mit selektivem Holzeinschlag verglichen, bei dem nur Bäume mit sichtbaren Symptomen entfernt werden. Das Forschungsteam konzentrierte sich auf Seekiefernbestände des Landes-Waldes im Südwesten Frankreichs, wobei verschiedene Überwachungsstrategien simuliert wurden. Dazu gehörten die bodenbasierte visuelle Überwachung von Waldstraßen und -wegen aus, die bodengebundene Überwachung in Kombination mit Fallen für Monochamus galloprovincialis, den Bäckerbock, der den Parasiten überträgt, und die luftgestützte Überwachung in Kombination mit KI-unterstützter Bildanalyse. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Überwachung aus der Luft die traditionellen Erhebungen am Boden erheblich übertrifft. Auch wenn die bodengestützte Überwachung weiterhin als aktueller Standard gilt, verspricht die Integration von Fernerkundung und künstlicher Intelligenz (KI) in Zukunft höhere Erkennungschancen. Das umfassende Modell der Studie berücksichtigte die Kosten für die Überwachung und die Analysen zur Identifizierung des Fadenwurms, die verschiedenen Arten des Holzeinschlags und die mit der Fällung gesunder Bäume verbundenen wirtschaftlichen Verluste. Außerdem wurde die Kosteneffizienz auf der Grundlage des Ausbreitungsverhaltens des Bäckerbocks, verschiedener Überwachungsmethoden und -intensitäten sowie unterschiedlicher Verhältnisse von symptomatischen zu befallenen Bäumen berechnet.
Extremszenario im besten Fall
Die Ergebnisse sind verblüffend: Unter optimalen Überwachungsbedingungen, d. h. bei wiederholten Erhebungen durch Luftfahrzeuge mit hoher Erkennungsleistung zu Zeitpunkten, an denen befallene Bäume Symptome zeigen, kann die selektive Fällung bis zu zweihundertmal kostengünstiger als der Kahlschlag sein. Diese massive Einsparung ist in erster Linie auf die Erhaltung nicht befallener Bäume zurückzuführen, die unnötig dem Kahlschlag zum Opfer fallen würden. In der Studie wird jedoch auch ein entscheidender Vorbehalt geäußert. Der Fadenwurm kann nur unter diesen optimalen Überwachungsbedingungen ausgerottet werden. Ist die Überwachung unzureichend, gerät eine Ausrottung unabhängig von der angewandten Holzeinschlagmethode zum unmöglichen Unterfangen. Innerhalb derartiger nicht optimaler Szenarien verlagert sich das Ziel von der Ausrottung zur Eindämmung. Aber selbst dann bedeutet selektive Fällung von absterbenden Bäumen das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die im Rahmen der Projekte HOMED (HOlistic Management of Emerging Forest Pests and Diseases) und FORSAID (Forest Surveillance with Artificial Intelligence and Digital Technologies – FORSAID) unterstützten Forschungsarbeiten verdeutlichen, dass der Schlüssel zur Bekämpfung dieses zerstörerischen Parasiten nicht in der Intensität des Holzeinschlags, sondern in der Qualität der Überwachung liegt. Eine verbesserte Überwachung mithilfe moderner Fernerkundung und KI ist unerlässlich, um die Ausbreitung des Kiefernfadenwurms wirkungsvoll einzudämmen und gleichzeitig den wirtschaftlichen und ökologischen Wert der Kiefernwälder Europas zu erhalten. Weitere Informationen: HOMED-Projektwebsite(öffnet in neuem Fenster) FORSAID-Projektwebsite(öffnet in neuem Fenster)