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Reconstructing Roman Road Network for the understanding of Urban development

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Rekonstruktion des Verkehrsnetzes des Römischen Reiches

Digitale Rekonstruktion und Kostenermittlung rund um das Transportsystem des Römischen Reiches zu Wasser und zu Lande trägt dazu bei, aufzudecken, wie es die Stadtentwicklung in der Antike beeinflusste.

Das Römische Reich war eines der größten Imperien der antiken Welt. Auf seinem Höhepunkt im 2. Jahrhundert u. Z. erstreckte es sich in Europa, Asien und Afrika über ein Gebiet von rund sechs Millionen Quadratkilometer Größe. Zwei der tiefgreifendsten Auswirkungen auf die physische Welt waren die Einführung eines ausgedehnten Verkehrsnetzes und die dadurch mögliche großflächige Entwicklung von Städten. Aufgrund der unvollständigen Analyse und der nur spärlich vorhandenen archäologischen Belege für viele Routen fällt es jedoch schwer, den Einfluss dieses Netzwerkes im Zeitverlauf zu verstehen. „Wir verfügen über eine recht gute Kenntnis der groben Streckenführung der Straßen anhand einiger physischer Überreste sowie von Meilensteinen und gelegentlich beschriebenen Reiserouten“, erklärt Andrew Mclean, Archäologe und Forscher am Barcelona Supercomputing Center (BSC) in Spanien. „Das Hauptproblem ist, dass unser Wissen unvollständig ist und nicht in das gesamte Imperium einbezogen werden kann“, stellt er fest. Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts R3NUrb(öffnet in neuem Fenster) setzten Mclean und seine Kolleginnen und Kollegen am BSC(öffnet in neuem Fenster) Supercomputer ein, um diese große Wissenslücke zu schließen und das gesamte römische Verkehrsnetz zu rekonstruieren und seine Kosten zu berechnen. Anhand einer Kombination aus Berechnungen, Fernerkundung, Netzwerkwissenschaft und Geostatistik verfolgte das Team das Ziel, die Auswirkungen der großräumigen Verkehrsverbindungen auf die Stadtentwicklung innerhalb des Imperiums aufzudecken. „Bei diesem Projekt ging es darum, den Prozess der Rekonstruktion eines Verkehrsnetzes zu automatisieren, wobei nur einige wenige bekannte Standorte, in diesem Fall etwa vierzig städtische Zentren am Rande des Reiches, verwendet wurden, um ein vollständig kalkuliertes Netzwerk zu erstellen“, fügt Mclean hinzu.

Aufbau eines Kostennetzes für Verkehrsverbindungen

Die Arbeit des im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen(öffnet in neuem Fenster) unterstützten Projekts R3NURB verfolgte rechnergestützte Ansätze, bei denen georäumliche Daten zur Berechnung von Kostenoberflächen und probabilistischen Kostenkorridoren herangezogen wurden, um anschließend ein kostenkalkuliertes Netz zu erstellen. Für das Land gaben die Forscherinnen und Forscher eine Reihe von Faktoren einschließlich Temperatur, Schneedecke, Höhenlage und Details zum Geländetyp ein. Die Kostenermittlung für das Meer erfolgte nach einem ähnlichen Verfahren, jedoch unter Berücksichtigung von Faktoren wie saisonalen Windmustern, Strömungen und Wellenhöhen. Auf diese Weise konnte das Team Kostenkorridore und ein Netzwerk erstellen, in das es neue Orte aufnehmen konnte. Für eine Fallstudie zur römischen Urbanistik wurden 1 500 städtische Zentren herangezogen.

Maßstabserweiterung der Rekonstruktionen

Bislang hat die Forschungsgruppe kleinräumige Rekonstruktionen des Gesamtnetzes erstellt und ist dabei, diese auf eine Auflösung von 100 m zu skalieren. Das Team hat bereits gelernt, dass die Anwendung von Kosten, die zeitliche Veränderungen widerspiegeln, nicht nur die absoluten Kosten, sondern auch die relativen Kosten in einem Modell drastisch verändern kann, was bei archäologischen Mobilitätsstudien bislang übersehen wurde. Die Ergebnisse bestätigen außerdem, dass römische Stadtzentren typischerweise entlang natürlicher Bewegungskorridore liegen. „Noch wichtiger ist, dass unsere Ergebnisse erstmalig belegen, dass die Korridore, entlang derer sich römische urbane Zentren erstrecken, weit weniger als die offenere Landschaft von den jahreszeitlichen Bedingungen betroffen sind, und dass sie auch dann saisonal rentabel bleiben, wenn andere Routen dies möglicherweise nicht sind.“

Google Maps für Römisches Reich

Das Team wird in Kürze die Ergebnisse des terrestrischen Netzes veröffentlichen und arbeitet gleichzeitig an der Integration des maritimen Netzes. Es wird an Binnengewässern geforscht, während in einer zukünftige Zusammenarbeit im Bereich der Archäobotanik mit dem ICAC(öffnet in neuem Fenster) archäobotanische Überreste im gesamten Reich modelliert werden. „Unser ultimatives Ziel lautet, ein interaktives, nutzungsfreundliches, multimodales Instrument zur Modellierung von Bewegungskosten im gesamten Imperium zu entwickeln – ein ‚Google Maps‘ für das Römische Reich“, berichtet Mclean. „Wir hoffen, in Zukunft seinen Nutzen für verschiedene Zeiträume und Regionen nachweisen zu können.“

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