55. Winzereien unterstützen, damit Europas Wein in Strömen fließt!
Hierbei handelt es sich um eine KI-Transkription.
00:00:18:01 - 00:00:45:09
Abigail Acton
Herzlich willkommen zu dieser Folge von CORDIScovery. Ich bin Abigail Acton und begrüße Sie. Die Menschen vergessen oft, welche Bedeutung die Weinindustrie in Europa hat. EU-weit gibt es etwa 2,2 Millionen Weinbaubetriebe, die eine Rebfläche von rund 3,2 Millionen Hektar bewirtschaften. Und jährlich werden in diesen Weinbergen etwa 150 Millionen Hektoliter Wein produziert. Das entspricht in etwa zwanzig Milliarden Flaschen.
00:00:45:11 - 00:01:08:01
Abigail Acton
Wird die gesamte Wertschöpfungskette, vom Anbau der Trauben bis zum Verkauf der Flaschen, in Betracht gezogen, so erbringt der Weinsektor der EU-Wirtschaft jährlich rund 130 Milliarden und sichert fast drei Millionen Arbeitsplätze, und das vor allem in ländlichen Gebieten. Allein die Weinausfuhren weisen einen Wert von rund 18 Milliarden pro Jahr auf und machen Wein zu einem der wichtigsten Agrarexportartikel Europas.
00:01:08:03 - 00:01:32:08
Abigail Acton
Doch auch wenn die Zahlen beeindruckend klingen, sieht sich die Branche mit großen Herausforderungen konfrontiert. Die letzten Ernten wurden stark durch Dürren, Hitzewellen, heftige Regenfälle und Krankheiten in Mitleidenschaft gezogen. Die EU-Weinerzeugung war 2023 und 2024 so niedrig wie kaum jemals zuvor in diesem Jahrhundert. Zudem ist der Weinkonsum weltweit auf den niedrigsten Stand seit Mitte der 1990er Jahre gesunken. Die Winzereien geraten somit von beiden Seiten unter Druck:
00:01:32:10 - 00:01:55:02
Abigail Acton
unbeständigere Ernten und schwächere Nachfrage haben Auswirkungen. Wird aus einer Flasche eingeschenkt, so kommt nicht nur ein Getränk auf den Tisch, sondern ein Teil eines Sektors, der Dörfer am Leben erhält und der Wirtschaft Milliarden erbringt. Was können wir tun, um die Situation zum Besseren zu wenden? Unsere drei Gäste, die alle im Rahmen der EU-Finanzierungsprogramme für Forschung und Innovation unterstützt wurden, verfolgen einige faszinierende Ideen.
00:01:55:04 - 00:02:11:19
Abigail Acton
Filipe Neves dos Santos entwickelt autonome Roboter und Maschinen für die Land- und Forstwirtschaft, die sicher in steilen Hanglagen arbeiten können. Er arbeitet am Centre for Robotics in Industry and Intelligent Systems, INESC TEC, in Portugal. Hallo, Filipe.
00:02:11:21 - 00:02:13:02
Filipe Neves dos Santos
Hallo Abigail.
00:02:13:04 - 00:02:28:12
Abigail Acton
Zoe Doulgeri ist Professorin für Robotik und Fertigungssystemsteuerung an der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Ihr gegenwärtiges Forschungsinteresse gilt dem Anlernen und der Steuerung von ein- und zweihändiger robotischer Objektmanipulation. Hallo, Zoe.
00:02:28:14 - 00:02:29:15
Zoe Doulgeri
Hallo zusammen.
00:02:29:15 - 00:02:31:15
Zoe Doulgeri
Ich freue mich, Teil dieses Podcasts zu sein.
00:02:31:16 - 00:02:50:19
Abigail Acton
Wir sind sehr froh, dass Sie dabei sind. Gustavo Pérez González ist leitender Projektmanager und Postdoktorand im Bereich Chemie an der Autonomen Universität Barcelona. Er spezialisierte sich auf analytische Chemie, um sichere, rückverfolgbare und unveränderbare Lösungen zur Weinauthentifizierung zu entwickeln. Willkommen, Gustavo.
00:02:50:21 - 00:02:51:17
Gustavo Pérez González
Hallo.
00:02:51:19 - 00:03:11:16
Abigail Acton
Schön, dass Sie dabei sind. Filipe, ich wende mich zuerst an Sie. Innerhalb des Projekts SCORPION ging es darum, landwirtschaftliche Betriebe dabei zu unterstützen, die Menge der beim Besprühen ihrer Pflanzen eingesetzten Chemikalien zu reduzieren und gleichzeitig den Ertrag, die Effizienz und den Wert beizubehalten. Also, Filipe, erzählen Sie uns ein wenig über das Problem, das Sie mit Ihrem Projekt lösen wollten, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Weinerzeugung.
00:03:11:18 - 00:03:40:14
Filipe Neves dos Santos
Nun, Abigail, im Zusammenhang mit der Weinerzeugung in Portugal haben wir es mit einer besonderen Realität zu tun, die gleichermaßen in zehn anderen europäischen Ländern vorliegt, nämlich der Weinanbau in steilen Hanglagen. In diesen Weinbergen in steilen Hanglagen wächst der wunderbare Portwein, den Sie alle kennen, ein Wein von Premiumqualität. Problematisch ist jedoch der Mangel an menschlichen Arbeitskräften, die unter diesen Umständen arbeiten könnten.
00:03:40:16 - 00:04:05:13
Filipe Neves dos Santos
Und wir leben mit dem Problem, das Sie bereits erwähnt haben, nämlich dem Klimawandel, wegen dem wir Lösungen brauchen, um in diesen Weinbergen für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen. Wir sind hier die Lösung des Problems auf zwei Arten angegangen. Zum einen müssen Maschinen gefunden werden, die für diese Weinberge in steilen Hanglagen geeignet sind. Verstehen Sie. Und die zweite Aufgabe bestand darin, Lösungen zu finden, mit denen der Einsatz von chemischen Erzeugnissen auf den Rebflächen zu vermeiden ist.
00:04:05:13 - 00:04:31:06
Filipe Neves dos Santos
Und daraus ging das Projekt SCORPION hervor, in dessen Verlauf wir einen Roboter entwickelten, der ohne am Weinberg abzurutschen diese Art von Rebfläche befahren und auch ohne GNSS oder GPS navigieren kann. Außerdem haben wir neuartige Technologien entwickelt oder Instrumente eingeführt, um diese Weinberge mit chemischen Produkten oder UVB-Licht zu behandeln, um nachhaltiger vorzugehen.
00:04:31:08 - 00:04:38:18
Abigail Acton
Das klingt fantastisch. Es hört sich sehr interessant an, aber es gibt einige Dinge, die ich mit Ihnen noch ein wenig genauer klären muss. UVB-Behandlungen, was ist das?
00:04:38:20 - 00:04:52:22
Filipe Neves dos Santos
Nun, die UVB-Behandlungen. Dabei geht es um einen Teil des Lichtspektrums, das wir auf den Weinbergen einsetzen können, wobei die Pilze diese Art von Licht eher nicht mögen.
00:04:53:03 - 00:05:07:20
Abigail Acton
Ich verstehe. Lassen Sie mich das noch etwas weiter aufschlüsseln. Grundsätzlich gibt es einige Schädlinge, die den Reben in Form von Pilzen schaden können. Und wenn die Pilze mit einer bestimmten Art von Licht bestrahlt werden, ziehen sie sich zurück oder sterben ab. Ist das soweit korrekt?
00:05:07:21 - 00:05:29:17
Filipe Neves dos Santos
Genau so ist das. In den Weinbergen gibt es einige Pilze, die tagsüber eine Art Schirm zum Schutz vor der Sonne aufspannen. Verstehen Sie? Aber in der Nacht schließen sie den Schirm, um nicht so viel Energie zu verbrauchen. Und wenn in dieser Zeit die UVB-Lichtbehandlung zur Anwendung kommt, können Sie diese Pilze abtöten.
00:05:29:20 - 00:05:40:20
Abigail Acton
Sehr gut. Ich meine, es klingt durchaus bisschen hinterhältig, aber es hört sich auch sehr clever an. Die Behandlung kommt, während sie schlafen, und sie werden ausgeschaltet. Alles klar. Und dann müssen natürlich die Chemikalien nicht gesprüht werden.
00:05:41:01 - 00:05:55:09
Filipe Neves dos Santos
So ist es. Es können einige Arten von Fungiziden vermieden werden, die für die Umwelt schädlich sein könnten. Theoretisch ist dies eine neuartige Behandlung, die sich positiv auf die Nachhaltigkeit des Systems auswirken könnte.
00:05:55:11 - 00:05:58:22
Abigail Acton
Wunderbar. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass es auch bei anderen Kulturpflanzen anwendbar ist.
00:05:58:24 - 00:06:17:01
Filipe Neves dos Santos
Ja, das funktioniert auch bei anderen Nutzpflanzen. UVB-Behandlungen werden bereits in Gewächshäusern im Tomatenanbau eingesetzt, und es gibt dabei etliche Vorteile. Natürlich sollten sie, genau wie andere Behandlungen auch, mit einigen Einschränkungen und entsprechend den Verordnungen genutzt werden. Das ist klar.
00:06:17:06 - 00:06:17:15
Abigail Acton
Auf alle Fälle.
00:06:17:18 - 00:06:18:10
Abigail Acton
Etwas Vorsicht ist geboten.
00:06:18:10 - 00:06:23:23
Filipe Neves dos Santos
Genau so ist es. Denn wenn wir die Guten töten, killen wir vielleicht auch die Bösen. Nun, im positiven Sinne.
00:06:24:00 - 00:06:27:05
Abigail Acton
Ja, andersherum. So ist es. Vielleicht geschieht dabei mehr als gedacht. Ja, natürlich.
00:06:27:05 - 00:06:27:21
Filipe Neves dos Santos
So ist es. Genau so ist das.
00:06:27:23 - 00:06:35:10
Abigail Acton
Gut, berichten Sie mir etwas mehr über die Weinberge in Steillagen, denn das muss offensichtlich eine schwierige Sache sein. Und auch ein Problem für die Arbeit dort.
00:06:35:16 - 00:06:58:16
Filipe Neves dos Santos
So ist es. In Portugal gibt es entsprechend den Gegebenheiten unseres Landes unterschiedliche Landschaften, und im Norden sind mehr Berge. Dann fanden wir in diesen Bergen Wege, um diese Landschaft zur Weinerzeugung zu nutzen. Soweit ist das klar. Aber das war in der Vergangenheit, und wie die landwirtschaftliche Arbeit generell in vergangenen Zeiten wurde sie meist von Menschen per Hand erledigt.
00:06:58:16 - 00:07:05:11
Filipe Neves dos Santos
Verstehen Sie? Aber nun erreichen wir eine Phase, in der keine Menschen mehr zur Verfügung stehen, die unter diesen Bedingungen arbeiten.
00:07:05:15 - 00:07:17:02
Abigail Acton
Erzählen Sie uns ein wenig darüber, denn offensichtlich können die uns Zuhörenden Sie nicht sehen, aber ich sehe Sie und ihr Beispiel für Ihre wunderbare Maschine. Beschreiben Sie diese doch bitte für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer. Was haben Sie sich da eigentlich einfallen lassen?
00:07:17:07 - 00:07:39:03
Filipe Neves dos Santos
In diesem Kontext mit den kleinen Landwirtschaftsbetrieben und Weinbergen und steilen Hanglagen brauchen wir etwas, das kleiner und effizienter im Betrieb ist. Damit sie einige Funktionen besser ausführen können. Deshalb sehen unsere Roboter so aus, dass sie auf vier Rädern mit einer Gelenkverbindung unterwegs sind, womit sicherstellt wird, dass jedes Rad immer in Kontakt mit dem Boden ist.
00:07:39:04 - 00:07:47:04
Abigail Acton
Ich verstehe. So kann das Gelenk den Roboter manipulieren, damit er in passender Weise geneigt ist. Ist das soweit korrekt?
00:07:47:06 - 00:08:02:01
Filipe Neves dos Santos
Es ist eher ein passives Gelenk. Das Gelenk wird nicht aktiviert, sondern sorgt dafür, dass die vier Räder immer in Kontakt zum Boden bleiben. Damit wird eine gute Bodenhaftung gewährleistet.
00:08:02:01 - 00:08:03:01
Abigail Acton
Und er ist autonom unterwegs?
00:08:03:05 - 00:08:17:04
Filipe Neves dos Santos
Das System ist vollständig autonom. Oh, ja. Es verfügt über die Fähigkeit, visuell zu verstehen, was vor ihm liegt. Erkennt es einen Baumstamm, dient dieser der Lokalisierung des Roboters. Dort besteht eine Möglichkeit, den Roboter ohne GNSS zu lokalisieren.
00:08:17:07 - 00:08:20:02
Abigail Acton
Das ist dann wie ein kleiner Mars-Rover, aber für Rebflächen.
00:08:20:04 - 00:08:20:20
Filipe Neves dos Santos
So ist es.
00:08:20:22 - 00:08:22:14
Filipe Neves dos Santos
Auf alle Fälle, ja.
00:08:22:16 - 00:08:29:12
Abigail Acton
Wirklich toll, fantastisch. Ich denke, das ist wunderbar. Handelt es sich um einen Prototyp? Wie groß erscheint das Interesse der Weinbaubetriebe?
00:08:29:14 - 00:08:50:05
Filipe Neves dos Santos
Nun, die Endnutzer – wie wir in unserem Kontext bereits erwähnten – wünschen sich diese Technologie, und wir haben die Innovationslücke geschlossen, die wir bei der Produktinnovation in Europa festgestellt haben, das heißt, wir haben sie auf den Markt gebracht. Wir haben zehn Jahre Arbeit, die wir mit den wichtigsten Unternehmen, die es in Porto gibt, auf den Markt bringen werden.
00:08:50:05 - 00:09:05:22
Filipe Neves dos Santos
Es gibt vier Wettbewerber, die Maschinen für die Landwirtschaft herstellen, und wir haben uns mit ihnen zusammengeschlossen, um diese Technologie herzustellen und auf den Markt zu bringen. Gegenwärtig bringen wir diese Technologien über diese Unternehmen auf den Markt, denn sie sind es, die sie auf den Märkten etablieren können.
00:09:06:03 - 00:09:10:05
Abigail Acton
Oh, das klingt nach einer ziemlich aufregenden Zeit. Sie müssen sehr stolz auf das Erreichte sein.
00:09:10:05 - 00:09:15:19
Filipe Neves dos Santos
Durchaus, aber ich werde noch stolzer sein, wenn ich das in der Realität sehe.
00:09:15:20 - 00:09:32:19
Abigail Acton
Ja, da liegt noch eine Menge Arbeit vor Ihnen. Auf alle Fälle. Aber das ist wunderbar. Das ist eine großartige Lösung für alle, die sonst in einer Zwickmühle stecken würden, weil ihnen die Arbeitskräfte fehlen, die sich in derart schwierige Umgebungen begeben können. Ich finde das wunderbar. Es handelt sich um eine Technologie, die gewisse Umwälzungen mit sich bringt. Sie ist meiner Meinung nach offensichtlich dringend notwendig und schließt eine Lücke.
00:09:32:21 - 00:09:39:17
Abigail Acton
Aber was denken Sie, gibt es irgendwelche Vorbehalte oder Widerstände, wenn es darum geht, in der Landwirtschaft verstärkt auf robotikgestützte Werkzeuge umzusteigen?
00:09:39:23 - 00:10:10:01
Filipe Neves dos Santos
Nun, das ist eine Frage, die mir die Leute sehr häufig stellen. So der Art: Sie stehlen dem Volk die Arbeit. Das wird sich zum Problem entwickeln. In Wirklichkeit stimmt das nicht, denn, wie Sie wissen, liegt zwar heutzutage eine Einwanderungssituation vor, aber auch die meisten dieser Menschen möchten gute Arbeitsplätze und nicht bei 40 Grad Hitze unter schwierigen Arbeitsbedingungen schuften, die kaum zu ertragen sind.
00:10:10:01 - 00:10:10:23
Abigail Acton
Ganz genau. Auf alle Fälle.
00:10:11:00 - 00:10:41:03
Filipe Neves dos Santos
Nun. Deshalb würde ich sagen, dass dieses Problem gar nicht existiert. Es ist eben eine Tatsache, die besagt, dass es, wenn wir diese Maschinen ablehnen, die meisten dieser Weinberge in Steillagen in Zukunft nicht mehr geben wird. Und statt der schönen Bilder, die wir vielleicht vom Fluss mit den Booten und den herrlichen Weinbergen vor Augen haben, werden diese in Zukunft möglicherweise gar nicht mehr existieren, wenn wir sie nicht mithilfe von Robotik und anderen Lösungen nachhaltig gestalten.
00:10:41:03 - 00:10:53:07
Filipe Neves dos Santos
Wir vernichten keine Arbeitsplätze. Wir bringen denen mehr Lebensqualität, die mit dieser Art von Rebflächen zu tun haben. Und wir sorgen in Zukunft für mehr Nachhaltigkeit.
00:10:53:09 - 00:11:15:11
Abigail Acton
Definitiv. Ganz gewiss. Ich verstehe Ihren Standpunkt voll und ganz. Ich danke Ihnen vielmals. Wirklich sehr interessant. Zoe, ich wende mich jetzt an Sie. Ihre Arbeit konzentrierte sich gleichermaßen auf Automatisierung, allerdings in einem späteren Stadium und mit fortgeschrittener Robotik. Im Rahmen des Projekts BACCHUS wurde ein System in einer Rebflächenumgebung erprobt, das Trauben verschiedener Sorten mit großer Präzision überwachen und ernten kann.
00:11:15:11 - 00:11:22:18
Abigail Acton
Können Sie uns bitte erklären, Zoe, warum die Entwicklung dieser Art von Ernterobotern so schwierig ist?
00:11:22:23 - 00:12:33:21
Zoe Doulgeri
Nun, wir verfolgten das Ziel, einen Ernteroboter zu entwickeln, der durch die Weinberge navigieren, die Trauben mit dem richtigen Reifegrad erkennen und sie wie ein Mensch abschneiden kann. Nehmen wir an, ich stehe vor einem Weinstock und habe die Trauben ausgewählt, die mir besonders köstlich erscheinen, und möchte sie nun abschneiden. Um sie zu schneiden, greife ich mit der einen Hand nach der Traube, ziehe sie sanft zu mir heran, um ihren Stiel herauszuheben, und bewege möglicherweise meinen Kopf, um die Traube zu sehen, denn die umliegenden Blätter und Äste können mir die freie Sicht versperren. Währenddessen greife ich mit meiner anderen Hand, in der ich das Schneidwerkzeug halte, in einer koordinierten, synchronen Bewegung nach dem Stiel und halte ihn fest. Wir Menschen agieren auf diese Weise mit beiden Händen, wenn wir empfindliche Gegenstände handhaben, ohne groß darüber nachzudenken. Und ich hatte den Wunsch, dass mein Ernteroboter auch so funktioniert und diese hochwertigen Trauben in einem Weinberg ernten kann. Natürlich ist das eine Geschicklichkeit erfordernde zweihändige Aufgabe, die eine Menge Herausforderungen an das Robotiksystem stellt.
00:12:33:23 - 00:12:47:20
Abigail Acton
Oh, ja. Absolut. Da haben Sie völlig Recht. Für uns ist das selbstverständlich. Aber wenn es aufgeschlüsselt wird, ist es eine höchst komplizierte Abfolge von Bewegungen. Wie in aller Welt haben Sie einen derart komplexen Arm entworfen und realisiert?
00:12:47:22 - 00:13:21:08
Zoe Doulgeri
Es stimmt zwar, dass Roboter bereits vor Projektbeginn Aufgaben in der Landwirtschaft lösten, aber nur wenige dieser Roboter kamen bei der Ernte zum Einsatz. Dabei handelte es sich hauptsächlich um einzelne mobile Robotikarme. Diese wurden zum Ernten von Früchten wie Äpfeln eingesetzt, die beispielsweise durch einhändiges Ziehen vom Baum gelöst wurden, oder sie waren mit einem speziellen Greifer ausgestattet, der den Stiel gleichzeitig abschneiden und ihn daran festhalten konnte.
00:13:21:08 - 00:13:24:23
Zoe Doulgeri
Diese Art von Lösungen waren nicht für die Weintraubenernte geeignet.
00:13:24:23 - 00:13:30:12
Abigail Acton
Offensichtlich sind die Trauben natürlich viel empfindlicher. Viel zarter, nicht wahr? Ich meine, mit einem Apfel sind Dinge möglich, die Trauben nicht verkraften.
00:13:30:12 - 00:13:54:02
Zoe Doulgeri
So ist es. Sie werden zerquetscht und ihre Qualität und die Qualität der nächsten ist völlig dahin. Im Rahmen des Projekts BACCHUS verfolgten wir das Ziel, diese Lücke zu schließen und die Vielfalt der Kulturpflanzen, die autonom geerntet werden können, durch die Entwicklung dieses mobilen zweihändigen Roboters zu erweitern, der beim Weinlesen menschlich agieren kann.
00:13:54:04 - 00:14:04:13
Zoe Doulgeri
Dabei haben wir keineswegs bei Null angefangen. Für das endgültige System mussten wir eine omnidirektionale mobile Plattform auf Rädern mit zwei Robotikzellen vereinen.
00:14:04:13 - 00:14:10:05
Abigail Acton
Ah, omnidirektional. Als Basis diente eine Plattform auf Rädern, die sich komplett rundherum drehen konnte.
00:14:10:07 - 00:14:17:21
Zoe Doulgeri
Ja. Ich meine, omnidirektional bedeutet, dass sie sich sowohl seitwärts als auch vorwärts und rückwärts bewegen kann. Das ist mehr als bei unseren Autos, wissen Sie? Ja.
00:14:18:02 - 00:14:18:12
Abigail Acton
Ich verstehe.
00:14:18:16 - 00:14:29:19
Zoe Doulgeri
Außerdem müssen wir einen Greifer mit zwei speziellen 3D-gedruckten Greiffingern verwenden, die an die Größe der von uns geernteten Traubensorte angepasst wurden.
00:14:29:24 - 00:14:36:08
Abigail Acton
Okay, eine Sekunde bitte. Der Vorteil des 3D-Drucks besteht darin, dass er genau an das anpassbar ist, was gerade gepflückt wird.
00:14:36:11 - 00:14:59:00
Zoe Doulgeri
Genau das ist es. Das ist machbar. Sie können Anpassungen an die Größe des gehaltenen Objekts vornehmen, insbesondere wenn dieses empfindlich ist. Die Traube wird mit einer Hand gehalten, während wir an der anderen Hand das Schneidewerkzeug angebracht haben, eine normale Schere, wie sie der Mensch benutzt, und auch eine Kamera, um den Stiel zu identifizieren.
00:14:59:01 - 00:15:09:17
Zoe Doulgeri
In diesem Sinne weichen wir ein wenig von der menschlichen Lösung ab, weil sich unsere Augen nicht am Robotikkopf befinden. Wir aber befestigen unsere Augen am Griff mit dem Schneidwerkzeug.
00:15:09:19 - 00:15:34:07
Abigail Acton
Nun, das klingt nach einem gut dafür geeigneten Ort. Und wenn wir immer wieder Stiel sagen, meinen wir den Stängel. Ja. Es geht um den Stängel. Okay. Prima. Zudem verstehe ich es auch, und ich finde es wirklich unglaublich, dass Sie nicht nur diese fantastische Methode entwickelt haben, um den Ernteprozess intelligent und äußerst geschickt zu automatisieren, sondern dass Ihr Roboter auch mit Sensoren ausgestattet ist, die, wenn ich mich nicht irre, Zuckergehalte messen können.
00:15:34:07 - 00:15:35:02
Zoe Doulgeri
Genau so ist es.
00:15:35:04 - 00:15:37:18
Abigail Acton
Berichten Sie uns bitte ein wenig darüber, Zoe.
00:15:37:20 - 00:15:53:00
Zoe Doulgeri
Ja. Die Entscheidung, welche Trauben geerntet werden sollen, beruhte auf dem entsprechenden Reifegrad und dem Zuckergehalt der Trauben, was mithilfe einer Hyperspektralkamera und Algorithmen der künstlichen Intelligenz, die den Zuckergehalt erkennen, erfolgte.
00:15:53:02 - 00:15:55:01
Abigail Acton
Ich verstehe. Was ist eine Hyperspektralkamera?
00:15:55:02 - 00:16:19:23
Zoe Doulgeri
Eine Hyperspektralkamera ist eine Kamera, die in einem nicht sichtbaren Bereich des Lichtspektrums arbeitet. Und sie kann sogar den chemischen Inhalt des betrachteten Objekts erkennen. Auf diese Weise ist es nicht mehr notwendig, auf menschliche Schätzungen der Erntereife oder auf chemische Laboranalyse von Traubenproben zurückzugreifen.
00:16:19:23 - 00:16:32:05
Abigail Acton
Anstatt sie zur Analyse zu schicken, die Zeit erfordert, wobei es möglicherweise auch genau der Zeitpunkt ist, zu dem geerntet werden sollte; und man vielleicht das ideale Zeitfenster verpasst. Hier wird der Zuckerwert in Echtzeit ermittelt.
00:16:32:05 - 00:16:32:18
Zoe Doulgeri
Genau so ist es.
00:16:32:18 - 00:16:37:00
Abigail Acton
Und Sie sagten, dass Sie KI einsetzen, um die visuellen Bilder zu interpretieren, die Sie von der Kamera erhalten.
00:16:37:00 - 00:16:37:18
Abigail Acton
Ist das soweit korrekt?
00:16:37:18 - 00:17:05:06
Zoe Doulgeri
Wir interpretieren sie natürlich erst, nachdem wir unsere Algorithmen trainiert haben, damit wir in Echtzeit den Zuckergehalt erkennen und entscheiden können, ob diese Traube reif genug ist, um sie zu ernten. Auf diese Weise können wir selektiv ernten. Unreife Trauben bleiben am Rebstock, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu ernten, wenn sie den entsprechenden Zuckergehalt erreicht haben. Auf diese Weise werden nur die Trauben geerntet, die sich im optimalen Stadium befinden, was die Qualität des erzeugten Weins erhöht.
00:17:05:08 - 00:17:10:09
Abigail Acton
Ich weiß, das konnte ich sehen. Gibt es großes Interesse seitens des Sektors? Probieren Sie überhaupt Prototypen aus?
00:17:10:11 - 00:17:38:20
Zoe Doulgeri
Nun, während der Projektarbeit haben wir viele Weinanbaubetriebe aus Italien an unseren Demonstrationsstartplatz eingeladen, eine Rebfläche in der Nähe von Thessaloniki, die eigentlich ein Weinberg mit Weinerzeugung im Norden Griechenlands ist. Und hier haben wir unsere Prototypen tatsächlich erprobt, und es gab sehr viel Interesse an dem Produkt.
00:17:38:21 - 00:17:49:13
Zoe Doulgeri
Ich bin natürlich überzeugt davon, dass sie auch in Zukunft im Einsatz sein werden. Es bleibt immer ein Werkzeug. Es ist eher ein Mitarbeiter als ein Ersatz für einen Menschen.
00:17:49:13 - 00:17:52:09
Abigail Acton
Ja? Genau so ist es. Zoe, ich danke Ihnen vielmals.
00:17:52:15 - 00:17:53:13
Zoe Doulgeri
Vielen Dank.
00:17:53:14 - 00:18:13:01
Abigail Acton
Nun wende ich mich an Sie, Gustavo. Es besteht ein besonderer Anlass. Sie beschließen also, sich etwas zu gönnen und eine richtig gute Flasche Wein zu kaufen, aber können Sie sicher sein, dass es sich um den Originalwein handelt? Das Team von TRACEWINDU hofft, diesen Kauf ein wenig vertrauenswürdiger zu gestalten. Gustavo, wir haben das Leben des Weins vom Pflanzen bis zur Ernte verfolgt.
00:18:13:04 - 00:18:23:15
Abigail Acton
Doch die Herausforderungen, denen sich die Winzereien gegenübersehen, enden damit nicht. Wenn es um Luxusmarken geht, denken wir vielleicht sofort an Fälschungen oder Nachahmungen, aber können Sie uns berichten, wie sich das auf den Weinsektor auswirkt?
00:18:23:17 - 00:18:52:01
Gustavo Pérez González
Nun, ich würde sagen, dass Wein zu den Produkten zählt, bei denen auf den Ruf des Erzeugers vertraut wird. Ich meine, es sei denn, Sie möchten in dem Moment, in dem Sie den Wein, im Supermarkt oder im Restaurant auswählen, irgendetwas nachprüfen... Denn manchmal möchte mehr wissen. Nun.
00:18:52:01 - 00:19:13:03
Gustavo Pérez González
Kann ich denn überprüfen, woher der Wein stammt? Aber heutzutage kauft man eher ein Versprechen. Sie kaufen den Ort, die Anbaupraxis, den Ruf. Denn all diese Erzeuger versuchen, Ihnen eine Geschichte zu verkaufen. Aber was geschieht, wenn das missbraucht wird?
00:19:13:03 - 00:19:31:13
Gustavo Pérez González
Denn es gibt Falschetikettierungen und Fälschungen. Der Schaden, der dann entsteht, betrifft alle. Es geht nicht nur um die eine Winzerei. Es betrifft all die kleinen Weinbaubetriebe in dieser Ursprungsregion, die darunter leiden, weil jemand versucht hat, auf Kosten der Qualität zu sparen.
00:19:31:15 - 00:19:42:19
Abigail Acton
Definitiv. Ich bin ein wenig neugierig, wie das Fälschen oder Nachahmen funktioniert, wie läuft das eigentlich ab? Stehlen die Leute Etiketten und kleben sie einfach auf viel billigeren Wein?
00:19:43:00 - 00:20:08:11
Gustavo Pérez González
Sie wären tatsächlich überrascht, wie ausgeklügelt das alles ist. Ich denke, der typische Fall ist die Umetikettierung. Ein billigerer Wein wird in eine hochwertig aussehende Flasche gefüllt, und dann wird ein gefälschtes Etikett angebracht, eine Kapsel, die den echten Wein imitiert. Für mich ist die Wiederverwendung von Flaschen das Kurioseste, das ich noch nicht kannte.
00:20:08:13 - 00:20:36:07
Gustavo Pérez González
Ja, es gibt tatsächlich echte Flaschen, die gesammelt, nachgefüllt und wieder verschlossen werden, weil das Glas und die Form authentisch aussehen. Manchmal kommt es sogar vor, dass ein Produkt komplett gefälscht wird. Es handelt sich dabei um komplett gefälschte Verpackungen, gefälschte Etiketten, gefälschte Barcodes, und das Ganze wird einfach über den Vertriebskanal verkauft.
00:20:36:07 - 00:20:39:01
Gustavo Pérez González
Ja. Und es scheint, dass diese völlig seriös sind.
00:20:39:01 - 00:20:39:08
Abigail Acton
Ich verstehe.
00:20:39:08 - 00:21:09:14
Gustavo Pérez González
So können Fälschungen in die Lieferkette gelangen; sie werden über den Handel auf dem Graumarkt oder sogar über Online-Marktplätze vertrieben, wo opportunistische Zwischenhändler tätig sind oder die Fälschungen sogar unter die echten Waren mischen, die in großen Mengen verkauft werden. Sie sind nun eben kein Spezialist. Sie erhalten die Flasche und für Sie gilt, okay, das ist Premium, es repräsentiert hohe Qualität, ich erinnere mich an die Flasche, den Stempel, was auch immer, Sie verkosten, Sie sind kein professioneller Sommelier, Sie zahlen das, aber Sie erhalten nicht das...
00:21:09:14 - 00:21:15:11
Abigail Acton
...wofür Sie bezahlt haben. Ja, ja, ja. Was genau hat TRACEWINDU entwickelt, um diese Fälschungen zu erschweren?
00:21:15:12 - 00:21:19:01
Gustavo Pérez González
Nun, ich versuche, es in normale Worte zu fassen.
00:21:19:01 - 00:21:21:16
Abigail Acton
Denn es ist ziemlich technisch. Aha. Vielen Dank. Ja.
00:21:21:18 - 00:21:53:06
Gustavo Pérez González
Für uns ist es, wenn wir es dem Zielpublikum erklären müssen, einfach mit einem Passsystem für einen Wein vergleichbar. Sie bekommen die Flasche; diese bekommen diesen intelligenten Pass, den Smart Tag. Der ist einzigartig. Er wird auf die Flasche geklebt, damit wird ein QR-Code sichtbar, und manchmal gibt es zusätzliche Innenschichten, die nicht überprüfbar sind, die versteckte Informationen enthalten, um alle Transaktionen zu verifizieren.
00:21:53:06 - 00:21:56:14
Abigail Acton
Was meinen Sie mit versteckten Informationen und Schichten, die Sie nicht überprüfbar sind? Was ist damit gemeint?
00:21:56:18 - 00:22:17:00
Gustavo Pérez González
Es ist möglich, unsichtbare Tinte zu verwenden, um Informationen zu verbergen, verstehen Sie? Die Leute von den Währungsbanken, die Geld drucken... sie verfügen über nicht kontrollierbare Verfahren. Das wird auch auf die Weinetiketten angewandt.
00:22:17:00 - 00:22:25:09
Abigail Acton
Oh, das ist sehr interessant. Es gibt somit versteckte Sicherheitsmaßnahmen, Schrift, die nicht sichtbar ist, vielleicht einige Dinge, die mit einem bestimmten Scanner eingelesen werden können?
00:22:25:10 - 00:22:25:19
Gustavo Pérez González
Genau.
00:22:25:19 - 00:22:26:14
Abigail Acton
Das ist gut.
00:22:26:16 - 00:22:34:10
Gustavo Pérez González
Und selbst beim Scannen können Sie je nach den Rechten, die Ihnen als nutzende Person zugewiesen wurden, Zugang zu bestimmten Informationen erhalten oder eben nicht.
00:22:34:12 - 00:22:34:22
Abigail Acton
Okay.
00:22:34:22 - 00:22:44:10
Gustavo Pérez González
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es könnte ein Arsenal an verschiedenen Ebenen mit verschiedenen Typen von Informationen geben, denn nicht alle sind an der gleichen Art von Informationen interessiert.
00:22:44:12 - 00:23:11:07
Gustavo Pérez González
Da gäbe es die Ebene der Qualitätssicherung. Die Ebene des Versands, beziehungsweise wohin der Wein reist. Einen Abschnitt nur für die Weinbaubetriebe und Winzereien, in dem es darum geht, alle Informationen für die Produktion zu sammeln, da sie den nationalen Behörden auf Gesundheitsfragen antworten müssen. Es gibt dann derart viele Interessengruppen mit unterschiedlichen Rechten, verschiedenen Möglichkeiten, Informationen in das System einzugeben und so weiter.
00:23:11:13 - 00:23:34:24
Abigail Acton
Oh, das klingt großartig. Das Etikett enthält demgemäß je nach Zielgruppe verschiedene Informationsschichten. Die Zielgruppe kann je nach den ihr vom System zugewiesenen Rechten Zugang zu diesen Informationen erhalten. Ist das soweit korrekt? Ja. Ich denke schon. Bei all diesen zusammengestellten Informationen, also Informationen für Menschen, die sich mit Logistik beschäftigen, für Leute, denen es um Authentizität geht, ... gibt es da auch etwas für die reinen Käuferinnen und Käufer?
00:23:34:24 - 00:23:39:01
Abigail Acton
Gibt es etwas, womit Dinge über den zu kaufenden Wein herauszufinden sind?
00:23:39:03 - 00:23:59:05
Gustavo Pérez González
Aber ja. Das ist diese typische Sache, die von Erfahrung und Neugierde abhängt. Die kaufende Person könnte Zugang bekommen. Am Ende kehren wir wieder zu der Diskussion über das Versprechen zurück, das Sie nachprüfen wollen. Und das System liefert Ihnen Informationen, denen Sie vertrauen können und die in gewisser Weise vom Erzeuger stammen.
00:23:59:10 - 00:24:06:09
Gustavo Pérez González
Da gibt es diese Informationskette, die belegt, dass die Ware von diesem Ort stammt.
00:24:06:15 - 00:24:15:08
Abigail Acton
Warten Sie bitte einen Moment. Ich bin eine Käuferin. Ich gehe in einen Supermarkt oder in eine Weinhandlung. Ich nehme eine Flasche Wein aus dem Regal. Ich sehe, dass es diesen QR-Code gibt. Was genau muss ich tun?
00:24:15:14 - 00:25:00:07
Gustavo Pérez González
Nun. Scannen Sie ihn einfach. Sie scannen den QR-Code und gelangen dann zu einer Schnittstelle, über die alle Informationen des Erzeugers, die typischen Informationen eben, angezeigt werden. Aber am Ende verfügen Sie über eine Art von Verifizierung über die Zugehörigkeit, da wir alle dort durchgeführten Analysen miteinander verbunden haben, um zu überprüfen, dass er von dem spezifischen Terroir, dem spezifischen Chateau kommt, wo er erzeugt wurde. Denn es gibt auch versteckte Informationen, die die Erzeuger bei der Analyse des Weins hinterlassen. Und dann gibt es eine Art Fingerabdruck, der für dieses Terroir einzigartig und mithilfe dieses QR-Codes legitimiert ist. Wir versuchen, das, was dem Boden eigen ist, mit dem Wein zu verbinden.
00:25:00:09 - 00:25:04:11
Abigail Acton
Okay. Wunderbar. Ich sehe viel mehr Informationen. Und ich sehe sie einfach auf dem Etikett.
00:25:04:11 - 00:25:09:14
Gustavo Pérez González
Ja, sicher. Ich meine, Sie erwerben damit das Vertrauen. Sie erkaufen sich in gewisser Weise Vertrauen.
00:25:09:20 - 00:25:28:13
Abigail Acton
Was geschieht dann? Ich habe gerade an etwas Schreckliches gedacht. Können Sie sich das vorstellen, Gustavo: Ich gehe in ein unglaublich teures Restaurant. Vielleicht versuche ich, jemanden zu beeindrucken, und bestelle eine unerhört teure Flasche Wein, die dann auf den Tisch kommt. Ich frage: „Darf ich das mit meinem Handy scannen?“ Sage ich das so? Kommt es mir nicht ein wenig seltsam vor, wenn ich sage: „Kann ich das scannen?“
00:25:28:19 - 00:25:34:22
Abigail Acton
Stellen Sie sich vor, ich vertraue eigentlich auf diesen Wein. Ich denke, okay, ich werde das mal scannen und frage, ob ich scannen darf. Und dann ist der Wein nicht echt.
00:25:34:24 - 00:26:00:08
Gustavo Pérez González
Nun liegt es in Ihrer Hand. Sie entscheiden. Wollen Sie Probleme bereiten? Wir haben während des Projekts auch die Erfahrung gemacht, dass Sommeliers und Leute bei den typischen Netzwerkveranstaltungen und bei Weinverkostung usw. kein Problem damit haben, dem Personal zu erklären: „Schauen Sie bitte, das ist nicht das, wofür wir bezahlen sollen.“
00:26:00:08 - 00:26:24:03
Gustavo Pérez González
Oder er ist verdorben oder korkt, oder was auch immer. Wenn Sie jemand sind, der nicht über diese Degustationserfahrung verfügt, dann zücken Sie das Mobiltelefon und können sicherstellen: „Sehen Sie, das ist nicht das, was hier angeboten wurde, also werde ich auch nicht dafür bezahlen.“ Es liegt dann ganz bei Ihnen, denn Sie haben nun eine nützliche Anwendung, die Ihnen in dieser Art von Situationen helfen kann.
00:26:24:05 - 00:26:26:14
Abigail Acton
Ja, ich verstehe. Es liegt an mir, wie ich die Informationen nutze.
00:26:26:16 - 00:26:26:22
Gustavo Pérez González
Genau.
00:26:26:23 - 00:26:33:23
Abigail Acton
Super. Glauben Sie, dass wir ein solches Etikett in nächster Zeit in den Geschäften sehen werden? Scheint der Sektor Interesse daran zu haben, diese fantastische Technologie tatsächlich umzusetzen?
00:26:34:01 - 00:27:02:08
Gustavo Pérez González
Nun, unseren Rückmeldungen über diese Veränderung von den am Projekt beteiligten Winzereien und auch den von uns entwickelten Pilotvorhaben zufolge, würde ich sagen, ja. Wir hatten bereits einige Pilotprojekte, bei denen die Weine vorbereitet wurden, sie wurden analysiert, der Pass wurde erstellt, die Leute erproben es im Supermarkt, führten die Scans durch und so weiter.
00:27:02:08 - 00:27:14:04
Gustavo Pérez González
Das Pilotprojekt ist somit bereits angelaufen, und einer der Projektpartner hat sogar eine Art internes Abkommen mit einigen der Partner geschlossen, sodass es scheint, dass sie sich für die Massenproduktion bewerben werden.
00:27:14:06 - 00:27:15:02
Abigail Acton
Okay. Cool.
00:27:15:02 - 00:27:21:16
Gustavo Pérez González
Meiner Meinung nach sind wir aus unserer Sicht gar nicht so weit davon entfernt, es in Zukunft zu realisieren.
00:27:21:16 - 00:27:22:01
Abigail Acton
Großartig.
00:27:22:02 - 00:27:32:14
Gustavo Pérez González
Wir brauchen ein frühzeitig anwendendes Unternehmen, wir brauchen eine Winzerei, die den Weg bereitet. Sie testen, sie demonstrieren, und schon werden wir nachfolgende Weingüter sehen.
00:27:32:15 - 00:27:32:21
Abigail Acton
Genau.
00:27:32:21 - 00:27:40:23
Gustavo Pérez González
Letztlich versuchten wir den Weinbaubetrieben zu erklären, dass wir Beweise und keine Versprechen verkaufen.
00:27:41:00 - 00:28:09:10
Gustavo Pérez González
Denn der Scan dient nur zur Überprüfung, um das Vertrauen zu untermauern. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erleben am Ende eine positive Erfahrung, die die Winzereien um die Geschichte Ihres Weinbergs, Verkostungsnotizen, passende Speisen und so weiter ergänzen können. Sie gehen Ihren Geschäften wie gewohnt nach, aber dann mit dieser Authentizität, mit diesem Vertrauen. Und zu guter Letzt entsteht diese vertrauenswürdige Zeitleiste der Erzeugungsreise. Es geht dabei nicht nur um Marketing, sondern darum, das zu liefern, was versprochen wird.
00:28:09:10 - 00:28:16:13
Gustavo Pérez González
Und Sie erhalten die Gewissheit, dass das, was Sie trinken, tatsächlich das ist, was auf der Flasche steht.
00:28:16:14 - 00:28:24:15
Abigail Acton
Ich verstehe. Das, wofür Sie bezahlt haben. Definitiv. Sehr gut. Ich danke Ihnen vielmals. Hat jemand eine Frage an Gustavo? Ja. Oh, Entschuldigung. Was möchten Sie fragen?
00:28:24:17 - 00:28:40:09
Zoe Doulgeri
Ich habe mich gefragt, wie zu verhindern ist, dass ein Etikett dieses Typs gefälscht wird. Kann der QR-Code kopiert und an einer anderen Flasche angebracht werden, die dann die falsche Weinsorte enthält?
00:28:40:11 - 00:28:51:15
Gustavo Pérez González
Nun, das ist eine der entscheidenden Fragen, die uns von den Winzereien während der Projektzeit gestellt wurden. Die Frage ist: Kann der QR-Code leicht von jemandem kopieren werden?
00:28:51:17 - 00:29:22:16
Gustavo Pérez González
Nun, angenommen, der QR-Code verhält sich nicht wie eine echte Abfolge. Das ist ein System, das diese Duplikate, Scans, unglaubwürdige Produktreisen oder ungewöhnlich gescannte Flaschen mit Originalitätssicherung exportiert. Oder sagen wir mal so: Es ist sehr schwer, das auf eine überzeugende Weise zu fälschen, denn wenn der QR-Code kopiert wird, kopiert man damit auch das Kennzeichen, was aber bedeutet, dass der gesamte Weg der Flasche nachverfolgt werden muss.
00:29:22:17 - 00:29:56:17
Gustavo Pérez González
Und wir verknüpfen den QR-Code mit einer eindeutigen digitalen Identität, einem Fingerabdruck, und dem Pass, nicht nur mit einer Webseite. Wird die Identität gescannt, wird über das System geprüft, ob der Scan in diesem Kontext Sinn ergibt. Wenn nun dieselbe ID, derselbe Fingerabdruck, derselbe Pass plötzlich in zwei Ländern auftauchen oder innerhalb kurzer Zeit zweihundert Mal gescannt werden, bevor sie überhaupt auf den Markt gekommen sind, dann ist das ein Warnsignal, und diese Muster lassen sich nur sehr schwer fälschen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.
00:29:56:20 - 00:30:03:10
Gustavo Pérez González
Das haben wir den Winzereien zum Abschluss erklärt. Und es scheint, dass wir sie überzeugt haben.
00:30:03:10 - 00:30:10:08
Abigail Acton
Das klingt auch für mich sehr überzeugend. Ich danke Ihnen vielmals, Gustavo. Wunderbar erklärt anhand eines sehr wichtigen Projekts. Ausgezeichnet!
00:30:10:10 - 00:30:14:11
Gustavo Pérez González
Vielen Dank, dass Sie uns die Möglichkeit gegeben haben, über unsere Projektaktivitäten zu berichten.
00:30:14:15 - 00:30:26:13
Abigail Acton
Ich verabschiede mich von Ihnen allen herzlich. Vielen Dank an Sie drei für Ihre Zeit. Ich denke, das ist eine wirklich sehr interessante Arbeit, die Sie alle hier leisten. Und ich hoffe, dass Ihre Ausrüstung von vielen Unternehmen genutzt werden wird.
00:30:26:18 - 00:30:27:18
Zoe Doulgeri
Ich danke Ihnen vielmals.
00:30:27:22 - 00:30:28:16
Filipe Neves dos Santos
Auf Wiedersehen.
00:30:28:18 - 00:30:31:01
Gustavo Pérez González
Danke, dass Sie Zeit für uns hatten. Auf Wiedersehen.
00:30:31:02 - 00:30:34:18
Abigail Acton
Schön, dass Sie da waren. Vielen Dank.
00:30:34:20 - 00:31:00:00
Abigail Acton
Wenn Ihnen dieser Podcast gefallen hat, folgen Sie uns auf Spotify oder Apple, und besuchen Sie die Podcast-Homepage auf der CORDIS-Website. Melden Sie sich an, damit Ihnen nicht die spannendsten Forschungsergebnisse der EU-finanzierten Wissenschaft und Innovation entgehen. Und wenn Ihnen das Zuhören Freude bereitet hat, dann erzählen Sie es doch bitte weiter. Wir haben über die Sicherheit der Meere und Pandemievorsorge gesprochen, aber auch über die wunderbare Wirkung des unseres eigenen Darmmikrobioms.
00:31:00:02 - 00:31:11:24
Abigail Acton
Seien Sie willkommen und entdecken Sie die Forschung, die offenbart, wie unsere Welt tickt. Wir freuen uns stets darauf, von Ihnen zu hören. Schreiben Sie uns eine Nachricht an editorial@cordis.europa.eu. Bis zum nächsten Mal.
Roboter und QR-Pässe für den Weinsektor – Arbeitskräftemangel und Betrug im Stil des 21. Jahrhunderts bekämpfen!
Die Menschen vergessen oft, welche Bedeutung die Weinindustrie in Europa hat. EU-weit gibt es etwa 2,2 Millionen Weinbaubetriebe, die rund 3,2 Millionen Hektar Rebfläche bewirtschaften, wobei auf diesen Weinbergen Jahr für Jahr etwa 150 Millionen Hektoliter Wein, jährlich rund zwanzig Milliarden Flaschen, erzeugt werden. Der Weinsektor mit seiner Gesamtwertschöpfungskette vom Anbau der Trauben bis zum Verkauf der Flaschen erbringt der EU-Wirtschaft jährlich rund 130 Milliarden EUR und sichert, vor allem in ländlichen Gebieten, fast drei Millionen Arbeitsplätze. Allein die Weinexporte weisen einen Wert von um die 18 Milliarden EUR pro Jahr auf, wodurch Wein zu einem der wichtigsten Ausfuhrartikel des Agrar- und Ernährungssektors Europas wird. Doch auch wenn die Zahlen beeindruckend klingen, sieht sich die Branche mit großen Herausforderungen konfrontiert. Die letzten Ernten wurden stark durch Dürren, Hitzewellen, heftige Regenfälle und Krankheiten in Mitleidenschaft gezogen. Die Weinerzeugung in der EU war 2023 und 2024 so niedrig wie kaum jemals zuvor in diesem Jahrhundert. Zudem ist der Weinkonsum weltweit auf den niedrigsten Stand seit Mitte der 1990er Jahre gesunken. Die Winzereien geraten von beiden Seiten unter Druck: unbeständigere Ernten und schwächere Nachfrage. Was können wir tun, um die Situation zum Besseren zu wenden? Unsere drei Gäste, die alle im Rahmen des EU-Finanzierungsprogramms für Forschung und Innovation unterstützt wurden, verfolgen einige faszinierende Ideen. Filipe Neves dos Santos(öffnet in neuem Fenster) arbeitet am Centre for Robotics in Industry and Intelligent Systems(öffnet in neuem Fenster), INESC TEC, in Portugal. Er entwickelt innerhalb des Projekts SCORPION autonome Roboter und Maschinen für die Land- und Forstwirtschaft, die auf sichere Weise an steilen Hanglagen arbeiten können. Zoe Doulgeri(öffnet in neuem Fenster) ist Professorin für Robotik und Fertigungssystemsteuerung an der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Ihr gegenwärtiges Forschungsinteresse gilt dem Anlernen und der Steuerung von ein- und zweihändiger robotischer Objektmanipulation(öffnet in neuem Fenster), die sie im Zuge des Projekts BACCHUS erforschte. Gustavo Pérez González(öffnet in neuem Fenster) ist leitender Projektmanager an der Autonomen Universität Barcelona(öffnet in neuem Fenster). Sein Spezialgebiet ist die analytische Chemie, insbesondere die Entwicklung sicherer, rückverfolgbarer und unveränderlicher Lösungen zur Weinauthentifizierung, wie sie im Rahmen des Projekts TRACEWINDU erarbeitet wurden.
Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören!
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