Die Wälder in der EU bei der Bewältigung ökologischer Herausforderungen unterstützen
Die Wälder in der EU bedecken 33 % der Landfläche und binden 719 Millionen Tonnen CO2. Gleichzeitig geben sie über 3 Millionen Menschen Arbeit und dienen 16 Millionen Menschen, die Waldstücke besitzen, als Einkommensquelle. Sie sind überdies Oasen der biologischen Vielfalt und bieten uns allen die Möglichkeit, wieder eine Verbindung mit der Natur herzustellen. Sie robust und gesund zu erhalten obliegt Fachleuten, die mit der Landbewirtschaftung und Entscheidungsfindung betraut sind – das Europäische Programm für forstgenetische Ressourcen, EUFORGEN(öffnet in neuem Fenster) fungiert hierbei oftmals als zentrale Anlaufstelle. Um das Programm noch nützlicher zu machen, wurde im Rahmen des Projekts FORGENIUS(öffnet in neuem Fenster) ein völlig neues Informationssystem für forstgenetische Ressourcen geschaffen, das Daten zur jeweiligen kurz- und langfristigen Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit hinsichtlich des Klimawandels liefert. „Die Arbeit an der Extraktion des gesamten Wissensschatzes und der Erkenntnisse von Big Data ist in dieser Zeit ein überaus interessantes Unterfangen – wir verfügen über so viele Informationen, und jetzt haben wir die Technologie für eine möglichst aufschlussreiche Analyse“, sagt Projektkoordinator Ivan Scotti, Forschungsleiter der Forschungsabteilung für Waldökologie im Mittelmeerraum(öffnet in neuem Fenster) am Nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt in Frankreich. Scotti interessiert sich für die Mechanismen, die der lokalen Anpassung zugrunde liegen, und für die Auswirkungen von Anpassungsprozessen, beziehungsweise deren Fehlen, auf die Lebensfähigkeit und Widerstandsfähigkeit von Baumbeständen auf Ebene des gesamten Artenspektrums. „Ich möchte diese Informationen dafür nutzen, die Bewirtschaftung und Erhaltung der forstgenetischen Vielfalt und der biologischen Vielfalt im Allgemeinen zu unterstützen“, erklärt er. Die Bereitstellung der Projektergebnisse für Entscheidungsverantwortliche im Bereich der Erhaltung der biologischen Vielfalt ist eines der Hauptziele des Projekts: „Das Ziel von FORGENIUS besteht darin, Daten in einem ansprechenden Format zu präsentieren, das der Endnutzerschaft sofort verständlich ist.“
Zugänglicher und umfassender – die Datenbank für forstgenetische Ressourcen fit für das 21. Jahrhundert machen
Die forstgenetischen Ressourcen bestehen aus der vererbbaren Vielfalt, die der Entwicklung und Anpassungsfähigkeit von Wäldern und Bäumen zugrunde liegt, also aus der genetischen Eignung, die das Gedeihen der Bäume und Wälder ermöglicht. Sie sind ein Bestandteil der biologischen Vielfalt von Wäldern, die alle lebende und tote Materie in einem Wald und die damit verbundenen ökologischen Prozesse umfasst. Die forstgenetische Vielfalt weist nach wie vor viele Unbekannte auf, insbesondere was tropische Regenwälder anbelangt. Es gibt schätzungsweise 80 000 bis 100 000 Baumarten, doch weniger als 500 davon wurden bisher eingehend auf ihr gegenwärtiges und künftiges Potenzial hin untersucht. Um der Nutzerschaft die Charakterisierung neuer Größen für die genetische Erhaltung zu ermöglichen, wurden im Rahmen des Projekts mittels Fernerkundung gewonnene Umweltindikatoren verwendet. Das Team modellierte Vorhersagen zur Reaktion von Bäumen auf extreme Ereignisse sowie die damit verbundenen ökophysiologischen Eigenschaften. Es analysierte zudem genomische Daten und Schätzwerte für die Anpassungsvielfalt. Das Ergebnis? FORGENIUS hat eine modernisierte, internetbasierte Plattform zur Abfrage, Anzeige und Verwaltung von Größen für die genetische Erhaltung (Genetic Conservation Units, GCUs) bezüglich Waldbaumarten in Europa namens EUFGIS(öffnet in neuem Fenster) geschaffen. Eine Live-Demonstration der aktualisierten Plattform(öffnet in neuem Fenster) ist ebenfalls verfügbar. Die Schnittstelle zeigt dynamische visuelle Indikatoren an, um den Erhaltungsfortschritt zu verfolgen, und ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, den Status der genetischen Ressourcen nach Arten und Ländern zu bewerten. „Da wir besonders an einer gemeinsamen Verwendung der Daten für eine breitere Integration interessiert sind, ist die Schnittstelle so konzipiert, dass sie direkt mit anderen Systemen verbunden werden kann, um den Datenaustausch zu vereinfachen“, erklärt Scotti.
Wissen ist Macht – Daten für eine bessere Widerstandsfähigkeit der europäischen Wälder nutzen
Scotti ist davon überzeugt, dass das Projekt die Datenmenge und -qualität im EUFORGEN-Informationssystem(öffnet in neuem Fenster) erheblich gesteigert und verbessert hat. „In der Praxis bedeutet dies, dass Personen, die die Datenbank konsultieren, etwa aus dem Naturschutz, der Forstwirtschaft, dem Landbesitz oder der Wissenschaft, mühelos auf Informationen über die genetische Vielfalt zugreifen können, einschließlich neuer Datenarten wie dem Admixture-Index(öffnet in neuem Fenster).“ „Dies wird uns bei der Verfeinerung unseres forstgenetischen Ressourcenmanagements helfen und die europäischen Wälder stärker für die künftigen ökologischen Herausforderungen wappnen“, merkt Scotti an.