Skip to main content
Weiter zur Homepage der Europäischen Kommission (öffnet in neuem Fenster)
Deutsch de
CORDIS - Forschungsergebnisse der EU
CORDIS
Hybrid Lifestyles of Ex-Urbanites and Their Cultural Impact on Non-Urban Areas

Article Category

Article available in the following languages:

Abwanderung aus Städten in ländliche Gebiete verstehen

Fernarbeit, die Pandemie und die Suche nach alternativen Lebensweisen führen zur Abwanderung aus den städtischen Zentren.

Seit vielen Jahrhunderten zieht es Menschen aus aller Welt in die städtischen Zentren. Jedoch zeichnete sich in den letzten Jahren eine gewisse Kehrtwende ab. Mit dem Aufkommen der Fernarbeit und aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie ist eine zunehmende Abwanderung von „Digital Natives“ der Millennials bzw. Generation Y aus den Städten in ländliche Gebiete zu beobachten. „Das Phänomen der Stadtflucht, das zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte immer wieder vorkam, ist seit der Pandemie deutlich sichtbarer geworden“, erklärt Gökçe Sanul Diner(öffnet in neuem Fenster), Marie-Skłodowska-Curie-Stipendiatin(öffnet in neuem Fenster) (2024–25) am Amsterdam Institute for Social Science Research(öffnet in neuem Fenster) (AISSR) der Universität Amsterdam. „Frühere Forschungsarbeiten zeigen, dass es ähnliche Beweggründe wie bei früheren ‚Zurück-aufs-Land‘-Bewegungen gibt, doch heute sind diese Wege geprägt von dem Bestreben, alternative Lebensformen zu entwickeln und gleichzeitig mit städtischen und digitalen Netzwerken verbunden zu bleiben.“ Im Rahmen des Projekts HL-EXURB versuchte Sanul Diner, dieses Phänomen zu verstehen, wobei Menschen im Mittelpunkt standen, die in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig sind. Mit der Arbeit wurde erkundet, wie solche ehemaligen Stadtmenschen hybride Lebensweisen an der Schnittstelle zwischen städtischen, ländlichen und digitalen Räumen entwickeln, wie diese Lebensweisen die Gemeinschaftsbildung neu gestalten und wie die kulturellen Auswirkungen zu verstehen und zu bewerten sind.

Untersuchung ländlicher hybrider Lebensweisen

Sanul Diners Arbeit führte sie nach Akyaka, einer kleinen Küstenstadt im Südwesten der Türkei, in die in den letzten zehn Jahren zahlreiche kreative, aus Städten stammende Menschen gezogen sind. Sie verband ethnografische Feldforschung mit digitaler Recherche und führte neben 39 ausführlichen Interviews in Akyaka und dem nahegelegenen Dorf Dalyan auch umfangreiche Beobachtungen in alltäglichen Umgebungen wie Wohnungen, Ateliers, Co-Working Spaces, lokalen Märkten und Cafés durch. Eine Analyse der digitalen Dimensionen dieser Gemeinschaften, darunter WhatsApp- und Instagram-Netzwerke, lokale Initiativen und unternehmerische Netzwerke, offenbarte, wie sich Gemeinschaftsbildung und kulturelle Praktiken sowohl in physischen als auch in digitalen Umgebungen entfalten. Sanul Diner entwickelte außerdem ein Rahmenwerk zur Bewertung kultureller Auswirkungen, in dem Daten aus Akyaka mit systematischen Literaturrecherchen und vergleichenden Analysen anderer Rahmenwerke kombiniert wurden. Dieser Rahmen wurde in Zusammenarbeit mit der Working Group on Non-Urban Culture des European Network of Cultural Centres(öffnet in neuem Fenster) (ENCC) weiterentwickelt und umfasste Workshops mit Kulturschaffenden aus ganz Europa sowie den Austausch mit zwei Gemeinden, Valmiera in Lettland und Artés in Spanien.

Über individuelle Entscheidungen hinaus gehen

Eine wichtige Erkenntnis lautete, dass der hybride Lebensstil kreativer ehemaliger Stadtmenschen nicht einfach eine Frage individueller Lebensentscheidungen ist, sondern durch verschiedene Formen der Gemeinschaftsbildung entsteht, die städtische, ländliche und digitale Räume miteinander verbinden. Im Zuge des Projekts wurden zudem drei Formen der Gemeinschaftsbildung erkannt: sozioökologische Innovatorinnen und Innovatoren, die ihr kreatives und digitales Kapital nutzen, um lokale Herausforderungen anzugehen; ökologisch-kreative Unternehmen, die zu solidarischen Wirtschaftsformen beitragen; sowie Menschen, die digital Geschichten erzählen, in denen ländliches Wissen und lokale Berichte über translokale Netzwerke Verbreitung finden. Diese waren jedoch nicht automatisch inklusiv oder stabil. Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung eines kontextsensitiven Rahmenwerks zur Bewertung kultureller Auswirkungen, der die Grundlage eines praktischen Leitfadens für Gemeindeverwaltungen und Kulturschaffende bildet.

Lösung für ländlichen Niedergang?

Tendenzen der Abwanderung aus den Städten auf das Land werden zunehmend als vielversprechende Ressourcen für die Zukunft des ländlichen Raums und die regionale Resilienz betrachtet, insbesondere vor dem Hintergrund des in vielen Gebieten Europas zu beobachtenden Niedergangs des ländlichen Raums. „Kreative aus der Stadt Zugezogene sollten jedoch nicht als automatische Lösung angesehen werden“, merkt Sanul Diner an. „Letztlich geht es nicht nur einfach darum, wie mehr Menschen angelockt werden können, sondern darum, wie die Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit zwischen kreativen ehemaligen Stadtmenschen und lokalen Gemeinschaften geschaffen werden können, indem digitale und kreative Kompetenzen sinnvoll mit ländlichem Wissen und ökologischen Ressourcen verknüpft werden“, bekräftigt sie.

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich

Mein Booklet 0 0