Nordische Regionen verwandeln Abfallströme in lokalen Mehrwert
Das schlagende Herz im Zentrum des komplexen Zusammenspiels zwischen Produktivität und Abfallerzeugung in der modernen Gesellschaft bildet die Kreislaufwirtschaft. Um den Bedarf einer wachsenden Bevölkerung in den Bereichen Verkehr, Energie und landwirtschaftlicher Bedarf zu decken, müssen die Gemeinschaften alle Ressourcen entlang der Wertschöpfungskette nutzen und vermeiden, Materialien einfach nur deshalb zu entsorgen, weil ihr primärer Zweck erfüllt ist. Das Team des EU-finanzierten Projekts TREASoURcE(öffnet in neuem Fenster) ging diese Herausforderung an, wozu es systemische, ortsbezogene kreislauforientierte Lösungen entwickelte, die die Dynamik der Städte mit ihrer Umgebung in Verbindung bringen. Im Einklang mit dem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft(öffnet in neuem Fenster) tragen die innovativen Lösungen von TREASoURcE dazu bei, den Verbrauch, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und kommen gleichzeitig den lokalen Gemeinschaften zugute.
Lokales Bioökonomiemodell und Fahrzeug-Altbatterien
Als Teil der Initiative „Kreislauforientierte Städte und Regionen“(öffnet in neuem Fenster) hat sich das Team von TREASoURcE zum Ziel gesetzt, Lösungen auf lokaler Ebene zu finden und Interessengruppen aus der Gemeinschaft zusammenzubringen, die Abfallströme optimal nutzen und lokale wirtschaftliche Chancen fördern können. Im Mittelpunkt des Projekts standen die nordischen Länder, in denen eine starke Unterstützung für Umweltziele im Gegensatz zu den Problemen steht, die sich aus den geringen und dezentral verteilten Mengen an wiederverwertbaren Materialien ergeben. Die Ergebnisse konnten auch in den baltischen Staaten bestätigt werden. In Finnland und Norwegen wurden im Rahmen von Pilotvorhaben Möglichkeiten erkundet, die Lebensdauer von Elektrofahrzeugbatterien zu verlängern. Auch wenn Altfahrzeugbatterien nicht mehr für Kraftfahrzeuge geeignet sind, besitzen sie dennoch bis zu 80 % ihrer Kapazität. Das Team von TREASoURCE hat Second-Life-Batterie-Energiespeichersysteme konzipiert und erprobt, um diese ungenutzte Ressource zu erschließen. Diese Lösung erwies sich insbesondere bei der Lastspitzenreduktion als besonders effizient, bei der der Stromverbrauch in Zeiten hohen Verbrauchs reduziert wird.
Organische Abfallströme valorisieren
Biobasierte Nebenprodukte boten dem Projektteam die perfekte Gelegenheit, aus der Symbiose zwischen Stadt und Land Kapital zu schlagen. Organische Abfallströme aus der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelerzeugung und der Bioökonomie brachten ländliche erzeugende Unternehmen mit dem städtischen Verbrauch in Kontakt. Im Zuge des Projekts wurde eine lokale Wertschöpfungskette aufgebaut, bei der lokale Ressourcen der Erzeugung von Biogas und recycelten Düngemitteln dienten. Um die wirtschaftlichen Chancen, die kreislauforientierte Lösungen bieten, optimal auszunutzen, hat das Team von TREASoURcE einen digitalen Marktplatz entwickelt, der anbietende und abnehmende Parteien von Abfallströmen und biobasierten Produkten miteinander vernetzt. In Finnland wurde innerhalb des Projekts die Plattform KiertoaSuomesta.fi(öffnet in neuem Fenster) entwickelt, die den Dung, Stroh, Klärschlamm und andere organische Abfallströme erzeugenden Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet. „Die Projektarbeit stärkte die Symbiose zwischen ländlichen und städtischen Gebieten, indem landwirtschaftliche Erzeuger mit Verarbeitungsbetrieben und städtischen Verbrauchern zusammengebracht wurden. Digitale Werkzeuge wie die Website KiertoaSuomesta.fi und das Werkzeug Rural and Urban Symbiosis(öffnet in neuem Fenster) unterstützten die Ermittlung und Wiederverwendung von Materialien, wobei hochwertigere Verwendungszwecke priorisiert, Abfall reduziert und die regionale Resilienz optimiert wurden“, sagt Projektpartnerin Riina Kärki.
Ein Ort für kreislauforientierte Kunststoffe
Neben Elektrofahrzeugbatterien und Abfallströmen konzentrierte sich das Team von TREASoURcE außerdem auf Kunststoffe, um deren Anpassung an das Kreislaufprinzip zu verbessern. Neben flexiblen Kunststoffen lag der projekteigene Schwerpunkt auf Abfall aus starren Kunststoffen, die gegenwärtig nicht recycelt werden, beispielsweise Rohre und Möbel. Von zentraler Bedeutung für den Erfolg war eine Kampagne zur Sammlung, Bewertung, Sortierung und Vorbehandlung von Kunststoffabfallströmen. An seinen Pilotstandorten untersuchte das Projektteam neun Kunststoffabfallströme hinsichtlich ihrer Eignung für verschiedene Recyclingtechnologien. Mithilfe mechanischer und chemischer Verfahren gelang es im Rahmen von TREASoURcE, bisher entsorgte Kunststoffe in Materialien von nahezu neuwertiger Qualität zu zerlegen. „Wir stellten fest, dass wir durch chemisches Recycling, insbesondere durch katalytische Pyrolyse, gemischte Kunststoffabfälle aus kommunalen, industriellen und landwirtschaftlichen Quellen in wertvolle Chemikalien wie BTX-Aromaten umwandeln konnten“, berichtet die Wissenschaftlerin Farah Siddiq. Kreislauforientierte Lösungen, die lokal umgesetzt werden und Städte mit ihrem regionalen Umfeld vernetzen, sind der Schlüssel zum Erfolg der Initiativen im Rahmen des europäischen Grünen Deals, und das TREASoURcE-Team befindet sich auf dem richtigen Weg. Kaya erklärt dazu: „Das Interesse der Gemeinden und Unternehmen an praktischen Lösungen für die Kreislaufwirtschaft nimmt zu, woraus eine solide Grundlage für die Umsetzung und Maßstabserweiterung über die Projektlaufzeit hinaus erwächst.“