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Die Wahrheit über das Publizieren in der Wissenschaft

Eine neue Studie beleuchtet den Prozess wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Angesichts einer Rekordzahl an Einreichungen war es noch nie so schwierig, in einflussreichen wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu publizieren. Die beiden führenden Fachzeitschriften „Science“ und „Science Advances“, die von der American Association for the Advancement of Science – der weltweit größten allgemeinen wissenschaftlichen Fachgesellschaft – herausgegeben werden, erhielten im Jahr 2025 über 50 000 Einreichungen(öffnet in neuem Fenster). Doch wer schafft es überhaupt, in einer Spitzenzeitschrift zu publizieren? Ein Forschungsteam der University of Vermont (UVM) und der University of Colorado Boulder (CU Boulder) untersuchte den Begutachtungsprozess und fand eine Antwort. Die Institution der Autorinnen und Autoren sowie die Größe ihrer Forschungsgruppe beeinflussen die Annahmequote deutlich stärker als nahezu jeder andere Faktor – einschließlich des Geschlechts. Die Ergebnisse wurden in „Science Advances“(öffnet in neuem Fenster) veröffentlicht.

Publizieren oder untergehen

Die Forschenden analysierten die Einreichungsdaten der beiden Fachzeitschriften über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Herausgeber der Zeitschriften stellten ihnen anonymisierte Daten zu mehr als 110 000 Artikeln zur Verfügung, die zwischen 2015 und 2020 zur Begutachtung eingereicht worden waren. Daraus erstellte das Team einen anonymisierten Datensatz und identifizierte darin bestehende Muster. Dabei zeigte sich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit bestimmten Merkmalen größere Chancen hatten, in „Science“ veröffentlicht zu werden. Während des untersuchten Fünfjahreszeitraums nahm die Zeitschrift etwa 6 % der eingereichten Manuskripte an, „Science Advances“ rund 10,5 %. Arbeiten von Autorinnen und Autoren renommierter Spitzeninstitutionen wiesen eine Annahmequote von 11,6 % auf, verglichen mit lediglich 3,4 % bei Einreichungen von den am niedrigsten eingestuften Einrichtungen. „Dies ist wirklich der erste Einblick in einen Prozess, der bislang weitgehend undurchsichtig war“, erklärte der leitende Autor Sam Zhang, Assistenzprofessor für Mathematik und Statistik an der UVM, in einem Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster). „Mit dem Aufkommen KI-generierter Belanglosigkeiten und der Möglichkeit, wissenschaftlichen Schrott in Massen zu produzieren, wird die Rolle etablierter Instanzen wie dieser Spitzenzeitschriften umso wichtiger, da diese Prozesse zunehmend unter Druck geraten.“ Das Team stellte außerdem fest, dass auch das Forschungsthema, das Herkunftsland und das Geschlecht die Annahmequoten beeinflussten. Die höchsten Erfolgsquoten erzielten Forschungsarbeiten zu Viren, der RNA-Immunantwort und Infektionen. Im Gegensatz dazu wiesen Arbeiten zu Politik, Wirtschaft, Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Aspekten im Zusammenhang mit COVID-19 die niedrigsten Annahmequoten auf. Arbeiten von Forschungsteams mit zehn oder mehr Autorinnen und Autoren wurden dreimal so häufig angenommen wie jene kleinerer Teams (mit bis zu fünf Autorinnen und Autoren). Zwar gab es Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Annahmequoten, diese fielen jedoch deutlich geringer aus als die Unterschiede aufgrund des Status der Institution, der Teamgröße oder des Forschungsthemas. Von Frauen verfasste Arbeiten wurden in den beiden Fachzeitschriften mit einer leicht niedrigeren Quote von 5,3 % angenommen, verglichen mit 6,4 % bei Männern.

Der verborgene Auswahlprozess

„Die Begutachtung durch wissenschaftliche Fachkolleginnen und Fachkollegen ist nach wie vor der Goldstandard, um kritisch zu beurteilen, ob neue wissenschaftliche Arbeiten die hohen Anforderungen an wissenschaftliche Entdeckungen erfüllen oder sogar übertreffen“, erklärte der korrespondierende Autor Aaron Clauset, Professor für Informatik an der CU Boulder. „Unser neuer anonymisierter Datensatz … bietet erstmals Einblicke in die Funktionsweise des Begutachtungsprozesses auf höchstem wissenschaftlichem Niveau.“ Die Forschenden stellten fest, dass die Herausgeber rund 80 % der bei „Science“ eingereichten Manuskripte sowie mehr als 70 % der Einreichungen bei „Science Advances“ bereits vor der Begutachtung durch Fachgutachterinnen und Fachgutachter aussortierten und ablehnten. „Die derzeitigen Erkenntnisse deuten insgesamt darauf hin, dass diese Fachzeitschriften ihre Aufgabe recht gut erfüllen und die Wissenschaft tatsächlich nach wissenschaftlichen Kriterien beurteilen. Doch das ist keineswegs ein uneingeschränkt positives Zeugnis“, schloss Clauset in einer Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster). „In einer Zeit, in der die Integrität der Wissenschaft in böswilliger Absicht angegriffen wird, müssen wir uns fragen, ob die Prozesse dieser Fachzeitschriften den Idealen gerecht werden, die die wissenschaftliche Gemeinschaft an sie stellt.“

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