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Wiederherstellung europäischer Feuchtgebiete: Neuer wissenschaftlicher Leitfaden für Moorgebiete und Küstenlagunen

Ein neuer Bericht des BioAgora-Projekts liefert einen wissenschaftlichen Leitfaden für die Bewertung, Überwachung sowie Wiederherstellung der europäischen Moorgebiete und Küstenlagunen.

Moorgebiete und Küstenlagunen gehören zu den lebenswichtigsten, aber auch am stärksten bedrohten Ökosystemen in Europa. Obwohl sie nur einen kleinen Teil der Landfläche des Kontinents bedecken, bieten sie unverhältnismäßig große Vorteile, darunter Kohlenstoffspeicherung, Hochwasserschutz, Wasserreinigung sowie die Förderung einer reichen Artenvielfalt. Jahrzehntelange Entwässerung, Landnutzungsänderungen, Umweltverschmutzung und der Klimawandel haben jedoch dazu geführt, dass diese Lebensräume im Niedergang begriffen sind. Ein neuer Wissenssynthesebericht(öffnet in neuem Fenster), der vom Science Service for Biodiversity im Rahmen des EU-finanzierten Projekts BioAgora(öffnet in neuem Fenster) erstellt wurde, bietet nun eine solide wissenschaftliche Grundlage, um diesen Trend umzukehren. Der von der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Bericht unterstützt wichtige Rechtsvorschriften wie die Habitat-Richtlinie, die Wasserrahmenrichtlinie sowie die Verordnung zur Renaturierung. Die Kernbotschaft ist klar: Der Schutz dieser Ökosysteme erfordert einen Blick über simple Karten oder Artenzählungen hinaus. Eine wirksame Bewertung muss sich daher darauf konzentrieren, wie diese Feuchtgebiete funktionieren. Bei Mooren ist der Wasserstand der entscheidende Faktor; ein stabiler, hoher Grundwasserspiegel ist unerlässlich, um die Freisetzung von gespeichertem Kohlenstoff zu verhindern und die einzigartige Vegetation zu erhalten. In Küstenlagunen bestimmt das empfindliche Gleichgewicht zwischen Salz- und Süßwasser die Produktivität, doch genau diese Variabilität macht es auch schwierig, natürliche Veränderungen von durch den Menschen verursachten Schäden zu unterscheiden. Der Bericht hebt hervor, dass die Degradation selten durch einen einzigen Faktor verursacht wird. Stattdessen wirken zahlreiche Belastungsfaktoren auf komplexe Weise zusammen und verursachen eine Kaskade von Schäden, die schwer zu erkennen und ohne präzise, kontextspezifische Daten noch schwerer umkehrbar ist.

Ein Konzept für eine harmonisierte Überwachung

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, schlägt der Bericht einen einheitlichen Überwachungsansatz vor, der Satellitenbilder mit Messungen vor Ort und Modellierungsansätzen kombiniert. Gegenwärtig variieren die Bewertungsmethoden innerhalb der EU erheblich, was zu uneinheitlichen Daten und fragmentierten Sanierungsbemühungen führt. Das BioAgora-Team empfiehlt ein mehrstufiges Indikator-Rahmenwerk, das zwischen wesentlichen Variablen wie Grundwasserspiegel und organischer Substanz sowie ergänzenden Variablen wie der Instandhaltung des Entwässerungssystems und dem Einsatz von Pestiziden unterscheidet. Dieses System zielt darauf ab, eine einheitliche Sprache für die grenzüberschreitende Bewertung des Zustands von Feuchtgebieten zu erschaffen. Entscheidend ist, dass der Bericht davor warnt, sich auf einen einzigen Indikator zu verlassen. Kein einzelner Indikator kann die komplexe Realität eines Feuchtgebietsökosystems erfassen. Stattdessen erfordert eine fundierte Bewertung mehrere Beleglinien, bei denen Feldmessungen mit Fernerkundung und ökologischer Expertenauswertung verknüpft werden. Während Satelliten beispielsweise großräumige Veränderungen des Wasserstands oder der Vegetationsbedeckung erfassen können, sind Bodenmessungen nach wie vor erforderlich, um diese Ergebnisse zu validieren und die zugrundeliegenden biologischen Prozesse zu verstehen. Der im Rahmen des BioAgora-Projekts (Bio Knowledge Agora: Entwicklung des Wissenschaftsdienstes für die europäische Forschung und die Politikgestaltung im Bereich der biologischen Vielfalt) veröffentlichte Bericht, liefert eine entscheidende wissenschaftliche Grundlage für die Umsetzung der EU-Politik. Darüber hinaus fordert er den nächsten entscheidenden Schritt: die Entwicklung kalibrierter, habitatspezifischer Schwellenwerte, um zu definieren, was einen „intakten“ im Gegensatz zu einem „degradierten“ Standort ausmacht. Indem er dazu beiträgt, die Lücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und politischer Umsetzung zu schließen, bietet er politischen Entscheidungsträgern und Umweltfachleuten die Instrumente, die sie zum Schutz der europäischen Feuchtgebiete benötigen. Weitere Informationen: Website des BioAgora-Projekts(öffnet in neuem Fenster)