Filmarchivierungsverfahren schaffen Qualität und sparen zugleich Zeit und Geld
Wohl bei jedem von uns haben alte Filme schon einmal Nostalgiegefühle aufkommen lassen. Doch Rauschen und Grobkörnigkeit, Flackern, Verschmutzungen, Aussetzer und Flimmern alter Filme vermindern naturgemäß die Qualität der Darbietung und gefährden zudem das Filmmaterial selbst. Als Versuch, Archivmaterial der Fernsehindustrie wie auch der allgemeinen Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen, wurde deshalb das Projekt BRAVA ins Leben gerufen, in dem es um die Untersuchung von Möglichkeiten für eine effektive Restaurierung von Video- und Filmmaterial geht. Beim BRAVA-Projekt wurde die benötigte Rekonstruktionszeit durch die Verwendung von Algorithmen verkürzt, mit denen sich die Bildinhalte im Detail analysieren lassen. Dabei wird verhindert, dass verschiedene Defekte die Bildqualität beeinträchtigen, und zwar entweder durch Tape-to-Tape-Restauration (lineares Editieren) oder durch Disk-to-Disk-Restauration (nichtlineares Editieren). Bei der Tape-to-Tape-Restauration wird das Videoband geschnitten, zusammengefügt und vom Wiedergabegerät direkt dem Recorder zugeführt. Bei der Disk-to-Disk-Restauration wird die gesamte Videoaufnahme digital gespeichert und kann anschließend mit Editier-Tools bearbeitet werden. Der Vorteil des nichtlinearen Editierens liegt darin, dass dieses Verfahren dem Restaurator den Zugriff auf Einzelbilder (Frames) gestattet, wo er dann feine Defektstellen digital reparieren kann. Er kann ferner die Abfolge von Bildern (Timeline) editieren und die Video- und Audiokanäle unabhängig voneinander bearbeiten. Die für beide Editierverfahren verwendeten Algorithmen, bekannt unter der Bezeichnung Archangel Ph.C (Phasenkorrelations-Bewegungskompensation), dienen zum Aufspüren komplexer Veränderungen von Bildinhalten von einem Frame zum nächsten. Dieser Algorithmen bedienen sich auch Sendeanstalten sowie DVD-Hersteller und Programmproduzenten beim Remastering von Material für Fernsehsendungen und von ungeschnittenem Archivmaterial. Um die Archangel-Echtzeit-Restaurationsanlage unter Kontrolle zu behalten, wurde im Rahmen von BRAVA außerdem eine Serie von Editier-Tools - der Real-Time Controller - entwickelt. Dieses auf Linux basierende System eignet sich für alle linearen und nichtlinearen Editierverfahren. Damit können die Bediener das Quellprogramm eingehend betrachten, Filmszenen erfassen, Aktivitätsberichte automatisch erstellen, Parameter zur Steuerung der Echtzeit-Restaurationsanlage vorgeben und das Material im Detail editieren. Durch die Kombination beider Systeme (Archangel und Real-Time Controller) dürfte das Tape-to-Tape-Editiersystem bald von einem nichtlinearen digitalen Editiersystem mit vielfältigeren Anwendungsmöglichkeiten abgelöst werden. Aufgrund dessen garantieren die Partner des BRAVA-Projekts, dass die Kosten für die Archivrestauration sinken werden. Daneben werden sie ihre Bemühungen fortsetzen, um zu gewährleisten, dass die Erwartungen der europäischen Sendeanstalten und Verlagshäuser im Hinblick auf qualitativ hochwertiges Filmarchivmaterial auch in Zukunft erfüllt werden.