Skip to main content

Article Category

Article available in the folowing languages:

Kannibalisierung von Krebszellen

Europäische Wissenschaftler untersuchten eine erstaunliche Form der Phagozytose bei Zellen, was für Tumorforschung und Krebsbehandlung von großer Bedeutung sein dürfte.

Grundlagenforschung
Gesundheit

Diese so genannte Entosis ist ein kürzlich entdeckter Prozess, mit dem lebende Zellen von anderen vollständig aufgenommen werden. Bei dieser ungewöhnlichen Form des Kannibalisierung wird die aufgenommene Zelle in der Wirtszelle eliminiert und verdaut. Da dies häufig bei menschlichen Tumoren beobachtet wurde, könnte sich damit eine neue Strategie der Tumorsuppression eröffnen. Neueren Studien zufolge wird Entosis nach Ablösung der Zelle aus ihrer extrazellulären Matrix ausgelöst, was ein spezifisches Phänomen bei Krebszellen ist. Die genauen molekularen und zellulären Mechanismen der Entosis sind aber noch zu wenig erforscht. Das EU-finanzierte Projekt ENTOSIS2013 entdeckte, dass die Zellproliferation während der Mitose auch Entosis induzieren kann. Da diese abweichende Zellproliferation ein Merkmal von Krebszellen ist, sind die neuen Erkenntnisse klinisch besonders relevant. Um die Hintergründe Mitose-induzierter Entosis zu klären, wurden spezifische Gene depletiert, die an der epithelialen Zellbiologie und extrazellulären Matrixbindung beteiligt sind, und der Effekt auf die Entosis untersucht. Voraussetzung für den phagozytotischen Zellkannibalismus sind die beiden Komponenten Cdc42 und Rap1. Die Gabe von Chemotherapeutika während der mitotischen Entosis bei in vitro kultivierten Krebszellen zeigte eine positive Korrelation mit dem zellulären Mitoseindex, was darauf hindeutet, dass Mitosis Zellkannibalismus bei Krebszellen fördert und so ein potenzieller Tumorsuppressor sein könnte. Die Entosis kann auch die Bildung mehrerer Zellkerne in der Zellhülle fördern, was langfristig zu Aneuploidie und genomischer Instabilität führt. Interessanterweise induzierte die Behandlung mit Chemotherapeutika auch in Zellkulturen und Xenograft-Mausmodellen für Brustkrebs eine mitotische Entosis und enthüllte eine bis dato unbekannte Funktion dieser Wirkstoffe. Insgesamt belegt ENTOSIS2013 damit eine klare Korrelation zwischen Mitosehäufigkeit und Zellkannibalismus bei menschlichen Brustkrebszellen. Obwohl diese Aspekte der Mitose und Entosis bei Krebszellen sowie die chemotherapeutischen Befunde noch weiter untersucht werden müssen, ist die Translation des neu entdeckten Mechanismus in Richtung Diagnose, Prognose und Therapieprognose viel versprechend.

Schlüsselbegriffe

Krebs, Entosis, ENTOSIS2013, Mitose, Chemotherapie 

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich