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"The origins of gestural imitation: insights from evolution, development and cultural transmission"

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Menschen lernen besser durch Gesten als Tiere 

Die Tatsache, dass Menschen so gut sind, einander nachzuahmen, kann sich als das fehlende Glied bei der Erklärung, warum wir im Vergleich zu Tieren so schnell lernen, erweisen. Eine EU-finanzierte Forschung lieferte wichtige Erkenntnisse zur Verbreitung von Kultur und zur Beeinflussung von Sprache. 

Gesellschaft

Von einem frühen Alter an lernen Tiere und Menschen, indem sie ihre Eltern und Andere nachahmen. Um die Mechanismen hinter diesem Phänomen zu verstehen, untersuchte das Projekt GESTRANSCULT (The origins of gestural imitation: Insights from evolution, development and cultural transmission) gestische Nachahmung aus evolutionärer, entwicklungsbiologischer und kultureller Perspektive. Für das erste der drei Hauptziele des Projekts untersuchte das Team die Evolution der gestischen Nachahmung bei Bonobos, um zu sehen, ob sie gestische Handlungen nachahmen können. Mit wissenschaftlichen Experimenten betrachtete es die Fähigkeiten zur Nachahmung dieser großen Affenarten in Afrika und verglich sie mit menschlichen Kindern. Das Team stellte fest, dass Bonobos im Gegensatz zu Menschenkindern gestische Aktionen nicht einfach nachahmen konnten. Diese Tatsache liefert wichtige Erkenntnisse, weshalb menschliche Kultur sich ausbreiten und schnell entwickeln kann.  Das zweite Projektziel konzentrierte sich auf das Studium der Entwicklung der gestischen Nachahmung bei kleinen Kindern. Die Experimente mit 4- bis 6-Jährigen zeigten, dass Kinder eher Maßnahmen nachahmen, die als sozial konventionell, kommunikativ oder instrumental angesehen wurden. Dieses und andere Experimente zeigten, dass eine Vielzahl von komplexen Faktoren die Nachahmung bei Kindern, die mit dem Alter variiert, prägen. Bei der Frage, wie die kulturelle Übertragung die Struktur von Gesten prägt, führte das Team schließlich ein Diffusionskettenexperiment durch, um zu untersuchen, ob sprachähnliche Struktur in einem gestischen System auftaucht. In einem Video-Experiment, für das bestimmte Gesten kopiert werden mussten, konnte das Team die Übertragung des Verhaltens entlang einer Kette beobachten. Hier zeigten die Ergebnisse, dass die gestische Sprache im Gegensatz zur Schriftsprache nicht ohne weiteres systematische Struktur erlangte oder leichter zu lernen war. Dies deutet darauf hin, dass die Übertragung von gestischer Sprache möglicherweise zusätzliche Unterstützung erfordert, wie z.B. soziale Interaktion, so dass komplexe Informationen zuverlässig übertragen werden können. Zwar konnte GESTRANSCULT nicht feststellen, dass sich Gesten zu einer sprachähnlichen Form entwickelten, half es, die wichtigsten Merkmale zu identifizieren, die für die Entwicklung von Sprachen vorhanden sein müssen. Die Ergebnisse liefern wertvolle neue Einblicke für unser Verständnis von Sprache und Kultur.  

Schlüsselbegriffe

Geste, GESTRANSCULT, Nachahmung, Evolution, kulturelle Übertragung, Bonobos 

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7 September 2020