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Identity Management on Social Media by Diasporic LGBTQs

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 699745

  • Startdatum

    1 Oktober 2016

  • Enddatum

    2 Mai 2019

Finanziert unter:

H2020-EU.1.3.2.

  • Gesamtbudget:

    € 195 454,80

  • EU-Beitrag

    € 195 454,80

Koordiniert durch:

LONDON SCHOOL OF ECONOMICS AND POLITICAL SCIENCE

Deutsch DE

Queer und aus Polen in Großbritannien während des Brexit

Im EU-Projekt FACELOOK wurden erstmals aus Polen eingewanderte Lesben, Schwule, bi- , trans- und intersexuelle und queere Personen (LGBTQ) befragt, wie sie sich im Vereinigten Königreich von heute fühlen.

GESELLSCHAFT

© Al-Hussein Abutaleb

Wie viele Menschen nach der EU-Erweiterung 2004 aus Polen in das Vereinigte Königreich eingewandert sind, ist schwer abzuschätzen, doch laut der britischen Statistikbehörde Office for National Statistics lebten Ende 2018 etwa 905 000 Polinnen und Polen im Vereinigten Königreich. Zumindest einige davon waren LGBTQ, doch es gibt keine belastbaren Theorien, vor wie vielen und welchen besonderen Herausforderungen sie stehen. Im EU-Projekt FACELOOK wurde jetzt erstmals untersucht, wie es polnischen LGBTQ-Personen im modernen Großbritannien mit ihrer Identität ergeht. „Zwar wird viel zur polnischen Diaspora im Vereinigten Königreich geforscht, doch groß angelegte Forschung zu den Erfahrungen von polnischen LGBTQ-Personen im Vereinigten Königreich gibt es praktisch nicht“, sagt Lukasz Szulc, Dozent für Digitale Medien und Gesellschaft an der Universität Sheffield. Unterstützt von einer Marie Skłodowska-Curie-Maßnahme und unter Anleitung von Professorin Myria Georgiou von der London School of Economics befragte Szulc online fast 800 Personen und führte 30 persönliche Interviews. Seine Ergebnisse hat er im Oktober in „Queer #PolesinUK:: Identity, Migration and Social Media“ veröffentlicht. FACELOOK hat gezeigt, dass diese eingewanderten Menschen beim Thema Polen und sogar bei LGBTQ-Umfragen im Vereinigten Königreich nicht berücksichtigt werden. Das liegt zum Teil daran, dass Polinnen und Polen als katholisch, konservativ, sexistisch und homophob angesehen werden, mit ähnlichen Ansichten wie die regierende Partei in Polen. „Da bleibt fast kein Raum mehr für die Anerkennung ihres Lebens, ihrer Erfahrungen und der Herausforderungen als polnische LGBTQ-Personen im Vereinigten Königreich“, so Szulc. Dabei sagte ein Viertel der Befragten, dass LGBTQ-Fragen ein Grund oder der Hauptgrund dafür waren, dass sie ein neues Leben im Vereinigten Königreich anfangen wollten, wo gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind. „Sie charakterisierten das Land Polen über negative Assoziationen mit ‚Homophobie‘, ‚Intoleranz‘ und ‚Mangel an Akzeptanz‘, schrieben aber dem Vereinigten Königreich eher positive Assoziationen wie ‚Offenheit‘, ‚Toleranz‘ und ‚Freiheit‘ zu“, schreibt Szulc.

Vergiftete Atmosphäre

Die befragten Polinnen und Polen beschrieben aber auch die Fremdenfeindlichkeit, die sie im persönlichen Kontakt und in den sozialen Medien nach dem Brexit-Referendum erlebt haben. Fremde, Nachbarn und Kollegen sagten einigen, sie sollten „zurück in ihr Land gehen“ oder dass „der staatliche Gesundheitsdienst nur für die Briten“ sei. Szulc war überrascht, dass die meisten trotzdem bleiben wollten – wahrscheinlich weil sie sich ein Leben aufgebaut und ihre Identität im Vereinigten Königreich gefunden haben, auch durch neue Begriffe, auf die sie in den sozialen Medien gestoßen sind: „Eine signifikante Anzahl der jungen Befragten lehnen Identitäten wie ‚schwul‘ oder ‚lesbisch‘ ab und nehmen für sich eher offene und nichtbinäre Identitäten wie ‚genderfluid‘ oder ‚pansexuell‘ an.“ Szulc hat die Lebensgeschichten einiger der Befragten seiner Studie bei Performances in London und Sheffield vorgestellt und dabei die allgemeine Öffentlichkeit mit polnischen LGBTQ-Personen, Künstlerinnen und Künstlern und DJs zusammengebracht. Szulc hofft, dass FACELOOK polnischen LGBTQ-Personen eine lautere Stimme in Polen und dem Vereinigten Königreich verschafft, und fordert, dass die Perspektive eingewanderter queerer Personen in das von der britischen Gleichstellungsbehörde vorgelegte Maßnahmenpaket „LGBT Action Plan“ eingebunden wird. Außerdem tritt Szulc für eine LGBTQ-freundliche Gesetzgebung in Polen ein: „Es bricht einem wirklich das Herz, wenn polnische LGBTQ-Personen im Vereinigten Königreich erzählen, dass sie viel lieber bei ihren Familien in Polen leben würden und dass sie Polen lieben, sich aber nicht vorstellen können, dort zu leben, weil in diesem Land ein Klima herrscht, dass sich immer stärker gegen LGBTQ richtet.“

Schlüsselbegriffe

FACELOOK, soziale Netzwerke, eingewanderte Polinnen und Polen, polnische Migrantinnen und Migranten, queer, LGBTQ, Lesben, Schwule, bi- , trans- und intersexuelle und queere Personen, Brexit

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 699745

  • Startdatum

    1 Oktober 2016

  • Enddatum

    2 Mai 2019

Finanziert unter:

H2020-EU.1.3.2.

  • Gesamtbudget:

    € 195 454,80

  • EU-Beitrag

    € 195 454,80

Koordiniert durch:

LONDON SCHOOL OF ECONOMICS AND POLITICAL SCIENCE