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Life and death in Doñana National Park (Spain): palaeontological and ecological insights from the study of modern vertebrate death assemblages

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Wie entstehen Fossilien? – Die Erforschung von A bis Z

EU-Forscher haben den Nationalpark Coto de Doñana in ein lebensnahes Naturlabor verwandelt, um dort zu untersuchen, welche Bedingungen für die Entstehung von Fossilien notwendig sind.

Grundlagenforschung

Fossile Überreste sind unser wichtigstes Sichtfenster in die frühere biologische Vielfalt unseres Planeten sowie die entsprechenden Veränderungen in Flora und Fauna bei ökologischen Umbrüchen. Doch bei der Rekonstruktion der Vergangenheit kann man sich nicht nur auf die Optik verlassen. Im EU-finanzierten Projekt LiveDeadFossil, das im Rahmen des Marie-Curie-Programms gefördert wurde, ging es daher um Taphonomie bzw. die Erforschung der Entstehung von fossilen Knochen. Der Nationalpark Coto de Doñana – eine bunte Vielfalt natürlicher Lebensräume Dr. Juan José Negro, der gemeinsam mit der externen Beraterin Dr. Catherine Badgley das Projekt koordiniert, erklärt: „Der Nationalpark Coto de Doñana an der Südküste Spaniens stellt für diese Art von Studie ein außergewöhnliches Naturlabor dar, weil er eine so reichhaltige biologische Vielfalt und eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume bietet – Sumpfgebiete, Dünen, Flussufer, Seeufer, Strauchlandschaften, Strände sowie Wald. Es handelt sich um ein Sperrgebiet, das dem Naturschutz und der Forschung gewidmet ist. Tourismus spielt sich hauptsächlich am Rande des Parks ab.“ „Wir haben zwei Feldkampagnen durchgeführt und 33 Transekte aus zehn verschiedenen Lebensräumen gesammelt und analysiert“, erklärt uns die Marie-Curie-Stipendiatin Dr. Soledad Domingo. Insgesamt wurden 3 796 Knochen von 344 Lebewesen untersucht, um herauszufiltern, welche Umweltbedingungen für die Bildung von Fossilien günstig sind. Die Schritte der Fossilisation Für eine frühzeitige Zerstörung von Knochen sind normalerweise Raubtiere verantwortlich. Allerdings gibt es seit den 1950ern, als der Wolf in Doñana ausstarb, nur einen geringen Räuberdruck. Darum bleiben die Knochen hier im Vergleich zu anderen Naturräumen gut erhalten und haben eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit. Das Team hat aber trotz allem beobachtet, dass Wildschweine häufig Lagerstätten plündern und die Knochen verändern. Von allen untersuchten Lebensräumen in Doñana sind die Seeufer die besten Standorte für eine potenzielle Fossilisation. Hier gibt es Knochenreste im Überfluss, die besonders durch Trampeln auf dem weichen, feuchten Untergrund auch relativ schnell unter der Erdoberfläche verschwinden. Neben wichtigen neuen Erkenntnissen zur Fossilisation eignen sich die jüngsten Untersuchungen von fossilen Grabgemeinschaften auch, um verschiedene Aspekte lebender Populationen nachzuvollziehen, wie zum Beispiel Habitatwechsel, Ressourcennutzung oder die Sterberate im Längsschnitt. Sie liefern also Naturschutzforschern und Wildtiermanagern interessante Informationen. „Wir sind zum Beispiel auf ein bestimmtes Gebiet im Park gestoßen, das anhand der vielen abgestoßenen Geweihe, die wir dort gefunden haben, wohl von männlichem Rotwild bevorzugt wurde“, so Dr. Negro. Unberührtes Gebiet Dr. Domingo beschreibt das Abenteuer so: „Ein Großteil von Doñana ist immer noch Wildgebiet, ohne Straßen oder Ausschilderungen. Dank der Technologie haben wir uns allerdings daran gewöhnt, mit Offline-Karten zu arbeiten und so bei Fahrten durch den Park viel Zeit gespart. Mit den Autos durch lockeren Sand zu fahren, war ebenfalls eine Herausforderung, aber die Arbeit in dieser wunderschönen Landschaft war eine Bereicherung, vor allem auch wegen der faszinierenden Sonnenuntergänge!“ Wenn sie nicht gerade über Sandwege rutschten, untersuchten die Forscher die Transekte zu Fuß. Die meisten der gefundenen Knochen gehörten zu Säugetieren mit einem Körpergewicht von mehr als 5 kg, zum Beispiel Pferden, Rindern, Wildschweinen, Rotwild oder Damwild. Am Strand fanden sie Knochen von Delfinen, Meeresschildkröten und Walen. LiveDeadFossil wurde von einem seit 40 Jahren laufenden Projekt im Amboseli-Nationalpark (Kenia) inspiriert, das unter der Leitung der Wirbeltierpaläontologin Anna K. Beherensmeyer steht. Dr. Negro spricht von seiner Vision: „Wir wollen, dass das Projekt LiveDeadFossil der Ausgangspunkt für ein genauso langfristiges und leistungsstarkes taphonomisches Überwachungsprogramm im Nationalpark Coto de Doñana wird.“

Schlüsselbegriffe

LiveDeadFossil, Fossilien, Knochen, Habitat, Nationalpark Coto de Doñana, biologische Vielfalt, Transekt, Säugetier

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