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Keimfreie Umgebung erhöht Risiko für Autoimmunerkrankungen

Die Hygiene-Hypothese geht davon aus, dass Prävalenz und Inzidenz von Autoimmunerkrankungen zunehmen, je weniger der Mensch mit Krankheitserregern in Kontakt kommt. Eine EU-finanzierte Studie vergleicht die sehr unterschiedlichen hygienischen Standards und Lebensweisen dreier europäischer Bevölkerungsgruppen, um Risikofaktoren zu enthüllen, die Typ-1-Diabetes (T1D) begünstigen.

Gesundheit

Mit der Hygiene-Hypothese konnte bislang die zunehmende Häufigkeit allergischer und asthmatischer Erkrankungen erklärt werden. Inzwischen geht man nun davon aus, dass auch bei der Zunahme von Autoimmunerkrankungen wie T1D ein solcher Zusammenhang besteht. Eines der stärksten Gefälle im Lebensstandard findet sich an der Grenze von Finnland zur russischen Republik Karelien. Dabei ist die Inzidenz von T1D in Karelien um das Sechsfache niedriger als in Finnland, was nicht auf spezifische HLA-Genotypen (humanes Leukozytenantigen) in der jeweiligen Bevölkerung zurückzuführen ist. Grenzen dieser Art bieten einzigartige Forschungsbedingungen, um die Auswirkungen unterschiedlich hoher Hygienemaßstäbe und Lebensweisen auf die Entwicklung von Betazell-Autoimmunität und Allergien bei Kleinkindern zu untersuchen. Auf dieser Basis untersuchte das EU-finanzierte Projekt DIABIMMUNE (Pathogenesis of type 1 diabetes - Testing the hygiene hypothesis), inwieweit höhere Hygienestandards das T1D-Risiko fördern. Schwerpunkt der Studie ist u.a. die offenbar schützende Wirkung von Mikroben. Das Studienkonzept umfasst zwei Kohorten: eine Geburtenkohorte und eine Kohorte von Kleinkindern. In Estland, Finnland und der Republik Karelien sollen 1.500 drei- bis fünfjährige Kinder sowie 320 Neugeborene mit genetischem Risiko für Autoimmunerkrankungen von der Geburt an bis zum Alter von 3 Jahren beobachtet werden. Weitere Projektziele sind Analysen der Ontologie des Immunsystems, der Effekte mikrobieller Besiedelung auf die Ausbildung der Immunabwehr sowie interessierender Variablen wie die regulatorische Funktion von T-Zellen, akute mikrobielle Infektionen und der Konsum von Nahrungsmitteln, die die Zusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Die Kinder werden hierfür auf organspezifische Autoantikörper, Allergien, Infektionen, mikrobielle Zusammensetzung der Darmflora und Ernährungsfaktoren untersucht. Ein Vergleich der Parameter zwischen Kindern mit Betazell-Immunität und Kindern mit allergischen Erkrankungen soll Aufschluss über möglicherweise beteiligte pathogene Faktoren und Signalwege geben. Das Projekt wird neue Erkenntnisse beitragen, die in präventive Strategien gegen die in den meisten EU-Staaten beobachtete Zunahme von T1D umgesetzt werden sollen. Langfristig sollen so die Mechanismen imitiert werden, die bei der karelischen Population schützend wirken, etwa durch medikamentöse Intervention mit ungefährlichen artifiziellen Antigenen wie etwa Bakterienextrakten.

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