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Alter Fall gelöst? Wissenschaftler decken einen 33 000 Jahre alten Mord auf

Die forensische Analyse eines Männerschädels aus dem Jungpaläolithikum hat ergeben, dass der Mann durch zwei aufeinanderfolgende Schläge mit einem keulenartigen Objekt auf seinen Schädel getötet wurde.

Gesellschaft

Die Evolution des Menschen in Europa ist ein heiß diskutiertes Thema und manchmal kommt es dabei zu erstaunlichen Ergebnissen. Tatsächlich gibt es in der europäischen Paläoanthropologie mehrere ungelöste Forschungsfragen. Dazu zählen der Zeitpunkt, der Umfang und der Ursprung der frühen menschlichen Ausbreitung auf dem Kontinent sowie die Wechselwirkungen mit den frühesten modernen Menschen und den Neandertalern. Mit Unterstützung von drei EU-finanzierten Projekten hat ein Forscherteam Frakturen auf einem fossilen Schädel aus Rumänien untersucht, der als Cioclovina calvaria bezeichnet und auf die Jungsteinzeit zurückdatiert wird. Die Untersuchung hat gezeigt, dass auch Gewalt Teil des Lebens dieser frühen Menschen war. Die Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht. „Hier bewerten wir das Skeletttrauma des Cioclovina calvaria anhand visueller Begutachtung, Computertomographie (CT) und experimenteller Traumaanalyse neu und nehmen eine forensische Interpretation der Befunde vor. Die Ergebnisse unserer Studie deuten nachdrücklich darauf hin, dass die Cioclovina-Frakturen unbestreitbare Beweise für eine tödliche Gewalteinwirkung durch einen anderen modernen Menschen aus dem frühen Jungpaläolithikum in Europa darstellen.“ Alter Fall gelöst Der Schädel, der als eines der frühesten gut erhaltenen Fossilien eines modernen Menschen in Europa gilt, wurde 1941 von Bergleuten in einer Höhle in Südtranssylvanien entdeckt. Seitdem wurde er von Wissenschaftlern eingehend untersucht. Die genaue Ursache und der Zeitpunkt einer großen Fraktur auf der rechten Seite des Schädels sind seit langem umstritten und es herrscht unter den Forschern Uneinigkeit darüber, ob sie vor oder nach dem Tod zustande gekommen ist. Laut dieser Studie erlitt der frühe moderne Europäer einen gewaltsamen, vorsätzlich durch einen anderen Menschen herbeigeführten Tod. Die Forscher haben herausgefunden, dass es etwa zum Zeitpunkt des Todes zu zwei Verletzungen gekommen war: eine lineare Fraktur an der Schädelbasis und eine depressive Fraktur auf der rechten Seite des Schädelgewölbes. Letztere wurde in einer direkten Auseinandersetzung zugefügt, wobei der Täter das Opfer mit einem fledermausförmigen Gegenstand traf, das entweder in der linken Hand oder mit beiden Händen gehalten wurde. Die Verletzungen konnten nicht heilen, was darauf hindeutet, dass sie tödlich waren. Die Autoren fügen hinzu: „Das Jungpaläolithikum zeichnet sich durch bedeutsame technische Entwicklungen, stärkeres symbolisches Verhalten und eine hohe kulturelle Komplexität aus. Wir können nachweisen, dass die Verhaltensmuster der frühesten modernen Europäer auch gewalttätige Interaktionen und Mord umfassten.“ Das laufende Projekt CROSSROADS (Human Evolution at the Crossroads), das die Studie zusammen mit PAGE und EVAN unterstützte, hat zum Ziel, Hypothesen über die menschliche Evolution in Eurasien zu testen. Aufbauend auf dem Projekt PAGE (Paleoanthropology at the Gates of Europe: Human Evolution in the Southern Balkans), konzentriert sich CROSSROADS auf den frühen Abschnitt des Paläolithikums und wirft dabei mehrere Fragen auf. Nach CORDIS lauten einige von diesen: „Kann die Anwesenheit des Menschen in Südosteuropa, die als ein wichtiger Ausbreitungsweg von Afrika und dem Nahen Osten in den Kontinent gilt, über die aktuell bekannte Chronologie von ca. 500 ka BP hinaus dokumentiert werden, wie es für den Westen bereits möglich war? Gibt es eine Lücke zwischen der frühesten menschlichen Ankunft und der nachfolgenden menschlichen Aktivität in der Region, oder wurde sie durchgehend von Menschen besiedelt, wie es für ein Refugium zu erwarten wäre? ... In welchem Zusammenhang stehen verhaltensbedingte / biologische Veränderungen zu Veränderungen der Umweltbedingungen, Chronologie und Landschaftsnutzung?“ Das Projekt EVAN (European Virtual Anthropology Network), das 2009 abgeschlossen wurde, konzentrierte sich auf die Integration von Analysemethoden aus der Biomathematik, der Computerwissenschaft und der Biotechnik zur Unterstützung interdisziplinärer Studien zur anatomischen Variabilität des Menschen, seiner Vorfahren und nahen Verwandten. Weitere Informationen: CROSSROADS project PAGE project EVAN project

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9 Mai 2018