Forscher rufen zu mehr internationaler Unterstützung der klinischen Forschung in Afrika auf
Laut einem Forschungsteam griechischer und südafrikanischer Wissenschaftler benötigt Afrika mehr internationale Unterstützung, um klinische Versuche durchzuführen, da die Zahl der derzeit durchgeführten Versuche in Anbetracht der Ausbreitung von Krankheiten in der Region nicht ausreichend ist. Dieser Aufruf erfolgte kurz nach der Ankündigung eines neuen Programms durch die Kommission, das die klinische Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von AIDS, Malaria und Tuberkulose vorantreiben und eine neue Art der Partnerschaft zwischen Afrika und der EU prüfen soll. "Es gibt einen zunehmenden Bedarf, in der Forschung in Übereinstimmung mit der Bedeutung von Gesundheitsfragen Prioritäten zu setzen", schreiben Petros Isaakidis und seine Kollegen in ihrem im British Medical Journal (BMJ) veröffentlichten Bericht. Dieser Bedarf wurde bereits in der frühen Planungsphase für das Sechste Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung (RP6) der Europäischen Union erkannt. Dem ursprünglichen Vorschlag für den ersten vorrangigen Themenbereich "Genomik und Biotechnologie im Dienste der Medizin" wurden zwei Unterbereiche hinzugefügt - "Fortgeschrittene Genomik und ihre Anwendungen im Dienste der Medizin" und "Bekämpfung der wichtigsten Krankheiten", die ein Budget von 1150 Millionen Euro bzw. 1050 Millionen Euro erhalten. Die Kommission hat ihren Wunsch betont, die Forschungsarbeiten im Bereich der übertragbaren Krankheiten zu fördern, die insbesondere in Afrika weit verbreitet sind, und hat vorgeschlagen, im RP6 200 Millionen Euro für das European-Developing Countries Clinical Trials Programme (EDCTP - Klinisches Versuchsprogramm Europa-Entwicklungsländer) zur Verfügung zu stellen. "Die meisten afrikanischen Länder können es sich nicht leisten, medizinische Forschung zu unterstützen. Außerdem zögert die pharmazeutische Industrie, Versuche in den Entwicklungsländern zu finanzieren, weil die Gewinnaussichten begrenzt sind, selbst wenn effektive Behandlungsmethoden entwickelt werden", heißt es in dem Forschungsbericht. "Scheinbar teure Interventionen können erschwinglich werden, wenn ein starker politischer Wille da ist und mit der Industrie zusammengearbeitet wird", fahren die Forscher fort. "Dieser Bereich braucht mehr internationale Unterstützung, diese sollte jedoch bereitgestellt werden, ohne eine weitere Form der Kolonisierung zu fördern. Afrikanische Forscher sollten eine wirklich bedeutende Stimme bei der Festlegung von Forschungsprioritäten haben und die Unterstützung von außen sollte dabei helfen, nachhaltige lokale Forschungskapazitäten zu entwickeln." Die Forscher nutzten Informationen aus einer Datenbank über zufällig verteilte kontrollierte Versuche in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, um zu bewerten, ob die Zahl der zufällig verteilten klinischen Forschung über verschiedene Krankheiten mit der Krankheitsbelastung (der Kluft zwischen dem tatsächlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung und einem Ideal- oder Referenzzustand) und den Gesundheitsanforderungen der lokalen Bevölkerung in der Region in Zusammenhang steht. Die Studie stellte fest, dass fast die Hälfte aller klinischen Versuche im subsaharischen Afrika in Südafrika durchgeführt wurden und vier Länder (Nigeria, Kenia, Gambia, Tansania) ein weiteres Viertel ausmachen. Nur 19 Länder hatten mehr als einen Versuch pro eine Million Einwohner. Insgesamt stellten die Forscher fest, dass es eine gute Korrelation zwischen der Krankheitsbelastung und der Zahl der durchgeführten klinischen Versuche gibt, obwohl die Intensität der Forschung bezüglich bestimmter Krankheiten höher war als bei anderen. "Trotz einer insgesamt guten Korrelation zwischen der zufällig verteilten Forschung und der Krankheitsbelastung, wurden einige Krankheiten vernachlässigt", schreiben die Forscher.