Erfolgreicher Start des ersten europäischen Studentensatelliten
SSETI Express, die von europäischen Universitätsstudenten unter der Aufsicht des ESA Education Department entwickelte und konstruierte Raumsonde, wurde am 27. Oktober erfolgreich vom russischen Kosmodrom Plesetsk in eine niedrige Erdumlaufbahn gestartet. An dem Projekt, das unter dem Motto "Let's launch the dream!" stand, arbeiteten 23 Universitätsgruppen aus 13 europäischen Ländern und aus Kanada mit. Über das Internet entwickelten und bauten sie gemeinsam den SSETI-Satelliten (Student Space Exploration and Technology Initiative), der jetzt die Erde umrundet. Neil Melville, SSETI-Projektmanager, freute sich beim Start in Plesetsk: "SSETI Express ist ein großer Erfolg und wir beglückwünschen alle beteiligten Studenten zu ihrer hervorragenden Leistung." Die 62 kg schwere Raumsonde, die in Form und Größe einer Waschmaschine ähnelt, startete um 8.52 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit an Bord einer russischen Trägerrakete Kosmos 3M. Eine Stunde und 40 Minuten später gingen die ersten Signale des Satelliten in der Bodenstation an der Universität von Aalborg in Dänemark ein. Bodenstationen rund um den Erdball bestätigten den Empfang von Signalen von SSETI Express, und ersten Berichte zufolge befindet sich die Raumsonde in gutem Zustand. Das Projektteam prüft die ersten Daten und bewertet die Stabilität der Mission. An Bord der SSETI befinden sich drei Picosatelliten, d. h. extrem kleine Satelliten mit einem Gewicht von nur je 1 kg, die aktiviert wurden, sobald SSETI Express die Erdumlaufbahn erreicht hatte - eine Premiere nicht nur für die Studenten sondern für die gesamte Raumfahrt. SSETI Express fungiert nicht nur als Testplattform für verschiedene Entwicklungen, wie beispielsweise eine Kaltgas-Lagesteuerung, sondern wird auch Bilder von der Erde aufnehmen und als Radiotransponder dienen. Die "Student Space Exploration and Technology Initiative", die den Rahmen der Mission bildet, wurde im Jahr 2000 vom Education Department der ESA ins Leben gerufen, um europäische Studenten dezentral an Design, Entwicklung, Umsetzung und Start von Mikrosatelliten und somit an realen Weltraummissionen zu beteiligen. Die Initiative dient dazu, Studenten durch diese praktische Erfahrungen für eine berufliche Laufbahn in der Raumfahrttechnik und Weltraumforschung zu interessieren und somit zur Heranbildung talentierter Experten für die Zukunft beizutragen. Mit Hilfe der ESA hat das SSETI-Programm ein Netzwerk von Studenten und akademischen Einrichtungen aufgebaut, in dem das Fachwissen zusammengeführt und die Aufgaben verteilt werden konnten - mit dem Ergebnis, dass SSETI-Express in weniger als einem Jahr entwickelt und gebaut wurde. Die SSETI Express-Mission basiert auf der Idee, dass viele Universitäten zwar die Hardware bauen können, die Kosten für Tests und Integration der gesamten Raumsonde jedoch meist ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Mehr als 400 europäische Studenten haben aktiv und über einen längeren Zeitraum an diesem Programm mitgewirkt. Dies entweder im Rahmen von Seminaren oder in ihrer Freizeit. Außerdem haben viele hundert weitere Studenten an SSETI teilgenommen oder sich davon inspirieren lassen. Vor dem Start wurden Amateurfunker weltweit aufgerufen, bei der Sammlung von Daten zu helfen, die SSETI Express sendet. Dazu hat das ESA Education Department kostenlos herunterladbare Software zur Verfügung gestellt und so gezeigt, dass das Netzwerk aus Amateurfunker-Bodenstationen eine wertvolle Ressource für Satellitenprojekte ist. Derzeit arbeiten SSETI-Studenten an zwei weiteren großen Projekten: SSETI ESEO, der europäische Studenten-Erdorbiter, ist eine 120 kg schwere, für Ariane 5 entwickelte Raumsonde, deren Start für 2008 vorgesehen ist, sowie SSETI ESMO, der europäischen Studenten-Mondorbiter - vorgesehener Zeitrahmen für den Start ist 2010-2012, der auf seinem Weg zum Mond sowie nach Eintritt in eine Mondumlaufbahn Experimente durchführen soll.